NewsMedizinF. nucleatum: Parodontose-Erreger ist ständiger Begleiter von Darmkrebszellen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

F. nucleatum: Parodontose-Erreger ist ständiger Begleiter von Darmkrebszellen

Montag, 27. November 2017

Fusobacterium nucleatum
Fusobacterium nucleatum /dpa

Boston – Fusobacterium nucleatum, ein im Mundraum beheimatetes Bakterium, das an der Entstehung der Parodontose beteiligt sein soll, lebt im Darm in enger Symbiose mit Darmkrebstumoren. Das Bakterium begleitet die Krebszellen auch bei der Metastasen­bildung. Es ist dann in der Leber nachweisbar, und in tierexperimentellen Krebsüber­tragungen in Science (2017; doi: 10.1126/science.aal524) hielt das Bakterium den Tumorzellen über mehrere „Generationen“ die Treue. Die Vernichtung mit dem Antibiotikum Metronidazol führte laut einem Bericht zur Verkleinerung der Tumore.

Seit Matthew Meyerson und Mitarbeiter vom Dana-Farber-Cancer-Institute in Boston F. nucleatum in Darmkrebstumoren nachgewiesen haben, rätselt die Forschung darüber, ob das Bakterium nur die günstigen Wachstumsbedingungen im nekrotisierenden Zentrum des Tumors nutzt oder ob mehr dahinter steckt. Könnte das Bakterium am Ende sogar das Tumorwachstum fördern oder sogar den Anstoß für das Krebswachstum gegeben haben, so wie H. pylori ein Auslöser von Magenkrebs ist?

Dass F. nucleatum die Ursache von Darmkrebs ist, glaubt heute kein Forscher. Eine wachstumsfördernde Wirkung wird jedoch für möglich gehalten. Auf jeden Fall scheint es eine symbiotische Beziehung zwischen dem Keim aus der Mundhöhle und dem Tumor am anderen Ende des Gastrointestinaltraktes zu geben, wie die neueste Publikation von Meyerson zeigt.

Anzeige

Die Forscher haben die Lebermetastasen von Darmkrebspatienten untersucht. In mehreren Fällen fanden sie F. nucleatum sowohl im Primärtumor als auch der Tochter­geschwulst. In primären Leberkarzinomen wurden die Bakterien dagegen nicht gefun­den. Ein genetischer Vergleich zwischen F. nucleatum im Darmkrebs und seiner Leber­metastase ergab, dass die Erreger identisch waren. Die Tumorzellen nehmen also das Bakterium mit, wenn sie sich auf Reise begeben und Kolonien bilden. Wenn die Primärtumore nicht mit F. nucleatum besiedelt waren, fehlte das Bakterium auch in den Lebermetastasen

Die enge Beziehung zwischen Bakterium und Krebszelle zeigte sich auch in Transplan­ta­tionsversuchen. Menschliche Tumore lassen sich auf immunsupprimierte Mäuse übertragen und danach von einem Tier auf das nächste weiterreichen. In einer Versuchsreihe konnte F. nucleatum noch in der vierten „Generation“ in den Xeno­transplantaten nachgewiesen werden.

Schließlich untersuchten die Forscher, welchen Einfluss eine Antibiotikatherapie auf den Tumor hat. Nach der Behandlung der Mäuse mit Metronidazol kam es zu einer deutlichen Verlangsamung des Tumorwachstums. Erythromycin, gegen das F. nuclea­tum in der Regel resistent ist, erzielte dagegen keine Wirkung.

Ob Metronidazol auch bei Darmkrebspatienten eine Wirkung erzielt, ist bisher nicht untersucht worden. Da die Tumore lediglich im Wachstum gebremst, aber nicht vernichtet wurden, dürften im fortgeschrittenen Stadium keine allzu großen Effekte zu erwarten sein. Klären könnte dies aber nur eine klinische Studie. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

11. Juli 2018
Berlin – Erhöhte Aufmerksamkeit in Klinik und Praxis, um Patienten mit erblichem Darmkrebs sicher zu diagnostizieren, fordert die Deutsche Gesellschaft für Pathologie. Erblicher Darmkrebs gehört zu
Pathologen weisen auf Bedeutung des erblichen Darmkrebses hin
31. Mai 2018
Atlanta – Eine steigende Zahl von Darmkrebserkrankungen bei jüngeren Menschen veranlasst die American Cancer Society, der Bevölkerung bereits ab dem 45. Lebensjahr zum Screening zu raten. Die in CA: A
Darmkrebs: US-Onkologen fordern Screening ab 45. Lebensjahr
25. Mai 2018
Aarhus/Houston – Eine intensivierte Nachsorge mit engmaschiger Bestimmung des Tumormarkers CEA und radiologischen Untersuchungen hat in einer randomisierten Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA
Intensivere Nachsorge senkt Sterberate bei Darmkrebs in Studien nicht
24. Mai 2018
Köln – Gesetzlich Krankenversicherte im Alter von 50 bis 54 Jahren haben jährlich Anspruch auf einen immunologischen Stuhltest (Okkultbluttest). Bei auffälligem Befund soll der Arzt eine Koloskopie
Darmkrebs-Früherkennung: Nutzen für unter 55-Jährige mit familiärem Risiko weiter unklar
11. April 2018
Heidelberg – Stuhltests und endoskopische Untersuchungen können im Rahmen eines Bevölkerungsscreenings die Darmkrebssterblichkeit senken. Das Screeningangebot muss jedoch an die Leistungsfähigkeit des
Für welche Verfahren der Nutzen im Darmkrebsscreening belegt ist
3. April 2018
Rochester – Eine Verkürzung der adjuvanten Chemotherapie von 6 auf 3 Monate hat in 6 randomisierten klinischen Studien vielen Patienten im Stadium 3 eines Kolonkarzinoms die Neurotoxizität von
Darmkrebs: Adjuvante Chemotherapie kann häufig verkürzt werden
22. März 2018
Leipzig – Ein neues „Zentrum für erblichen Darmkrebs“ hat das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) gegründet. „Dort werden Viszeralchirurgie, Humangenetik, Gastroenterologie und Onkologie Hand in Hand
NEWSLETTER