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KV Nordrhein richtet Strukturfonds zur Sicherstellung der Versorgung ein

Montag, 27. November 2017

/dpa

Düsseldorf – Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) richtet einen Struktur­fonds ein, um die Sicherstellung der medizinischen Versorgung in Regionen zu fördern, in denen schon heute niedergelassene Ärzte fehlen. Das hat die Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der KVNO in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen.

„Wir haben einen ‚Werkzeugkasten‘ gebaut, um die Sicherstellung zu fördern“, sagte Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzende der KVNO. Dazu gehöre die Begleitung von Medizinstudierenden und die Förderung von Famulaturen ebenso wie ein Anspar­guthaben in Verbindung mit der Weiterbildung in „Fördergebieten“. „Das Geld wird erst nach einem bestimmten Zeit­punkt zur Verfügung gestellt – und zwar im Fall der Niederlassung dort. Ich finde das ganz reizvoll“, betonte Bergmann, der die Finan­zierung des Strukturfonds ebenso reizvoll findet.

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„Wir können 50 Prozent der Gelder von den Krankenkassen erhalten. Sie sind verpflich­tet zu zahlen, aber ohne ein Mitbestim­mungs­recht zu haben, wohin die Gelder fließen. Das entscheiden allein wir“, erklärte er. Eine Sicherstellungsrichtlinie der KVNO soll die Grundsätze der Mittelverwendung, Förder­maßnahmen, Antragsverfahren und die Festlegung von zu fördernden Gebieten regeln.

„Regresse machen uns Bauchschmerzen“

Schwierig sind Bergmann zufolge die diesjährigen Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen. „Insbesondere beim Thema Konvergenz liegen wir noch weit auseinander.“ Die Honorarangleichung auf ein bundesweit einheitliches Niveau sei ähnlich wie in Westfalen-Lippe ein wichtiges Thema, das nur wenig Spielraum lasse. „In der kommenden Woche wird sich entscheiden, ob eine Mediation nötig ist“, sagte er mit Blick auf einen möglichen Gang zum Schiedsamt.

Scharfe Kritik übten Vorstand und VV erneut an den 1.300 Prüfanträgen, die die Krankenkassen wegen der Verordnung von Materialen der modernen Wundversorgung über den Sprechstundenbedarf für das vierte Quartal 2016 verschickt haben. „Die vielen Regresse machen uns Bauchschmerzen“, sagte Bergmann. „Wir wissen, dass bei der Abrechnung Formfehler passiert sind“, räumte er ein. „Den Kassen ist aber durch die Abgabe der Wundversorgungsmaterialien keinerlei materieller Schaden entstan­den.“

Bedarfsplanung im Ruhrgebiet in der Kritik

Auf Missbilligung stieß bei Vorstand und Delegierten auch der Beschluss des Gemein­samen Bundes­aus­schusses (G-BA) vom 17. November, mit dem der Sonderstatus für das Ruhrgebiet bei der Bedarfsplanung aufgehoben wird. Damit werden die Planzahlen für Ärzte und Psychotherapeuten zum 1. Januar 2018 auf das bundesweit einheitliche Niveau angepasst. In fünf Schritten über zehn Jahre sollen dann in der Region rund 570 zusätzliche Hausarztsitze entstehen, davon etwa 215 in Nordrhein.

„Im nordrheini­schen Teil des Ruhrgebietes entstehen im ersten Schritt etwa 34 neue Hausarztsitze, die voraussichtlich ab Mitte 2018 ausgeschrieben werden“, prognos­tizierte Bergmann. Außerdem sollen 85 zusätzliche Therapeutensitze entstehen, davon rund 50 in Nord­rhein. Während das den ärztlichen Vertretern zu viele Zulassungs­möglichkeiten sind, sind es den psychotherapeutischen zu wenige.

„Eine Versorgung wie im übrigen Land würde im Ruhrgebiet zu 300 zusätzlichen Sitzen führen“, erläuterte Martin Zange. „Stattdessen soll es nur 85 geben und damit 215 Sitze weniger als von der Psycho­therapeutenkammer ermittelt“, so der Vorsitzende des beratenden Fachausschusses für Psychotherapie. „Die Krankenkassen wollten gar keine zusätzlichen Sitze schaffen“, berichtete Bergmann.

Nach Ansicht von Barbara Lubisch „sprechen die Krankenkassen mit zwei Zungen“. „Einerseits mehr Therapieplätze zu fordern, andrerseits aber zu verhindern, dass es mehr Sitze gibt, das geht nicht“, meinte die Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung. KVNO-Chef Bergmann riet möglichen Interessenten für die neu entstehenden Zulassungsmöglichkeiten, zunächst das Frühjahr 2018 abzuwarten, denn der zuständige Landesausschuss muss noch über die neuen Planzahlen beschließen. © ts/aerzteblatt.de

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