NewsVermischtesUmfrage zeigt Unwissenheit über Depressionen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Umfrage zeigt Unwissenheit über Depressionen

Dienstag, 28. November 2017

/Andrzej Wilusz, stock.adobe.com

Berlin – In Deutschland gibt es große Wissens­lücken über Depressionen. Fast jeder Fünfte findet, dass sich Betroffene zusammenreißen sollten, ein weiteres knappes Fünftel hält Schokolade für ein geeignetes Hilfsmittel gegen Depressionen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im „Deutschland-Barometer Depression“, das die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und die Stiftung Deutsche Bahn heute in Berlin vorstellten.

Demnach glauben mehr als 90 Prozent der Befragten, dass Depressionen durch Schicksalsschläge und Stress verursacht werden. Dabei habe die Krankheit immer auch biologische Ursachen, betonte Ulrich Hegerl, Vorstands­vorsit­zender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Anzeige

Deutliche Mehrheit würde sich Hilfe beim Arzt suchen

Für die Studie wurden von Juni bis August 2.000 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren befragt. Fast ein Viertel (23 Prozent) gab an, dass bei ihnen bereits einmal die Dia­gnose Depression gestellt worden sei. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) weiß um Diagnosen bei Angehörigen oder Freunden. Ein weiteres gutes Drittel (37 Prozent) hatte noch nichts mit der Krankheit zu tun. Ergänzt wurden die Ergebnisse durch eine Onlineumfrage unter rund 1.000 Betroffe­nen.

Eine deutliche Mehrheit – über 90 Prozent der Befragten – hielt in der Umfrage den Gang zum Arzt oder Psychotherapeuten für den besten Weg, um sich bei einer Depression helfen zu lassen. Doch nahezu alle Interviewten sahen die Ursache einer Depression in Schicksalsschlägen (96 Prozent) und Belastungen am Arbeitsplatz (94 Prozent). Die Hälfte glaubte an eine falsche Lebensführung, ein Drittel an Charakter­schwäche. Ganz ähnlich gewichteten Betroffene die Hauptursachen – nur Charakter­schwäche steht bei ihnen mit 18 Prozent auf dem letzten Platz.

Damit würden belastende Lebensereignisse für die Entstehung von depressiven Erkrankungen überschätzt, sagte Hegerl. Dass eine Depression auch biologische Ursachen habe, sei deutlich weniger bekannt. So kennen in der Studie knapp zwei Drittel der Befragten die große Bedeutung der erblichen Komponente und wissen, dass während einer Depression der Stoffwechsel im Gehirn gestört ist. Bei Betroffenen liegt dieses Wissen um zehn bis 20 Prozent höher.

Nach Angaben der Stiftung erkranken jedes Jahr rund 5,3 Millionen Men­schen in Deutschland an einer behandlungsbedürftigen Depression. Jeden Tag begingen durchschnittlich 28 Menschen Suizid. Bei vielen Fällen geht die Stiftung von einer schweren Depression als Ursache aus. Nach einer Analyse des Robert-Koch-Instituts (RKI) zählen Depressionen inzwischen zu den häufigsten psychischen Leiden in Deutschland.

Die Krankheit wird in Deutschland aber auch häufiger als früher erkannt. So stieg in den vergangenen Jahren nicht die Häufigkeit der Krankheit an sich, sondern die Zahl der Diagnosen. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, wird auf elf bis 15 Prozent geschätzt. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, suchen aber in der Regel auch schneller Hilfe. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #110369
jpink
am Donnerstag, 30. November 2017, 21:35

Die BRD und das vergiftete politisches Klima

http://saalejournal.de/kahlaer-afd-stadtrat-tot-aufgefunden/

Erschütternd. Wenn es tatsächlich Selbstötung war, wofür jetzt erst einmal die gefesselten Hände und Füße nicht sprechen, mit denen der Tote laut ersten Meldungen aufgefunden worden sein soll, so liegt eine Mitschuld bei allen Hetzern gegen Andersdenkende.


Auch das Ärzteblatt schwimmt ja im etablierten Strom und stieg mitunter in den diffamierenden und hetzenden BRD-Medienkartell-Tenor mit ein, wenn ich dieses diffuse Wörterungetüm richtig deute: ..."rechtsnational-populistischen Konsequenzen"...

https://www.aerzteblatt.de/archiv/193597/Bundestagswahlen-2017-Anpacken-nicht-lange-abwarten


Die Kapelle spielt bekanntermaßen bis zum Schluß, laßt Euch davon nicht täuschen. Der Kutter geht auf Grund.
LNS

Nachrichten zum Thema

9. Mai 2019
München – Mitten im Prüfungsstress ist es einer Gruppe engagierter Abiturienten gelungen, dass psychischen Krankheiten in den Schulen künftig mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Schüler hatten
Schüler bewegen Landtag in Bayern zu mehr Einsatz gegen Depressionen in Schulen
8. Mai 2019
Philadelphia – Stress kann nicht nur auf den Darm schlagen, die Zusammensetzung der Darmflora kann auch darüber entscheiden, wie gut Stress verarbeitet wird. In tierexperimentellen Studien in
Stuhltransplantation macht Ratten anfällig für Depressionen
16. April 2019
New York – Die erstaunliche antidepressive Wirkung des Anästhetikums Ketamin, dessen Enantiomer Esketamin kürzlich in dieser Indikation in den USA zugelassen wurde, könnte auf der Wiederherstellung
Depressionen: Wie Ketamin im Gehirn wirkt
4. April 2019
Köln – Rund 10.000 Menschen nehmen sich in Deutschland jährlich das Leben, viele davon sind an einer Depression erkrankt. Bei dieser Gruppe ist die Suizidrate etwa 20-mal höher als im Durchschnitt der
Suizidale Krisen bei unipolarer Depression: Aussagekräftige Studien nur zur Verhaltenstherapie
28. März 2019
Freiburg/Bonn – Menschen mit schwerster, behandlungsresistenter Depression können nicht nur akut sondern auch langfristig von einer tiefen Hirnstimulation profitieren. Das berichten Wissenschaftler
Tiefe Hirnstimulation bei schwerer Depression wirksam
26. März 2019
Münster – Misshandlungen im Kindesalter können eine „limbische Narbe“ im Gehirn hinterlassen. Diese erschwert laut einer Studie in Lancet Psychiatry (2019; 6: 277-279) die Behandlung einer
Warum frühe Kindheitstraumata die Behandlung einer späteren Depression erschweren
21. März 2019
Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ein Medikament speziell zur Behandlung der postpartalen Depression zugelassen. Der Wirkstoff Brexanolon hat in Studien eine gute Wirkung
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER