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Medizin

Endoprothetik: Tranexamsäure senkt Blutungen bei Knie- und Hüft-OPs

Freitag, 1. Dezember 2017

Hüftprothese /vzmaze, adobe.stock.com

Gießen/Marburg – Blutungen nach und während eines endoprothetischen Eingriffs an Hüfte oder Knie kann die prophylaktische Gabe von Tranexamsäure (TXA) reduzieren. Das Antifibrinolytikum sei daher ein sinnvoller pharmakologischer Teilaspekt des blutsparenden perioperativen Gesamtkonzepts, schlussfolgern die Forscher des Universitätsklinikums Gießen und Marburg in einer Metaanalyse, die im Deutschen Ärzteblatt erschienen ist (Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 824–30). Patienten, die vor dem Eingriff TXA bekamen, benötigen seltener Bluttransfusionen.

TXA kommt für gewöhnlich bei Polytrauma-Patienten zum Einsatz zur Therapie von Hyperfibrinolysen. Studien konnten jedoch zeigen, dass es zudem zur systemischen Blutungsprophylaxe bei orthopädischen Operationen geeignet ist. Denn Eingriffe an gut durchbluteten Körperregionen, wie der Hüfte oder dem Knie, können zu einer hohen Inzidenz von Bluttransfusionen führen. Bei etwa jedem vierten Patienten, der eine Knieprothese bekam, und bei 30 Prozent der Hüftprothesen-OPs war eine Transfusion notwendig, heißt es in einer Studie, die 2014 in Transfusion publiziert wurde. Der Blutverlust liegt laut einer Studie aus dem Jahr 2011 im Schnitt bei 762 bis 1.789 ml bei einer Knie-Totalendoprothesen-(TEP-)Implantation.

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Die Forscher um Matthias Goldstein hatten für ihre Übersichtsarbeit vier Metaanalysen mit 72 randomisiert kontrollierten Studien und mehr als 3.700 Patienten mit Knie-TEP ausgewertet. Für die Effizienz von TXA in der Hüftendoprothetik erstellten sie eine Übersicht zu 59 randomisiert kontrollierten Studien mit fast 3.700 Patienten.

Niedrigere Transfusionsrate mittels Tranexamsäure

Zwar war das Patient-Blood-Management-Konzept uneinheitlich. Dennoch zeigten sich deutliche blutsparende Effekte. Die Transfusionsrate sank von 31,7 bis 55 Prozent (Kontrollgruppe) auf 14,1 bis 29,2 Prozent in der TXA-Gruppe. Somit profitierte jeder 3,7- bis 5,7-te Patient mit Knieprothese. Bei den Patienten mit Hüftprothese lag die number needed to treat etwas schlechter, zwischen 4,1 und 8,2. Die Transfusionsrate sank von 23,6 bis 40,6 Prozent auf 10,9 bis 16,6 Prozent.

Die prophylaktische TXA-Gabe sei aber nur ein Teilaspekt, um Blutverluste zu minimie­ren. Das Patient Blood Management wird ergänzt durch Techniken der chirurgischen Blutstillung, minimalinvasive operative Zugänge, maschinelle Autotransfusion und Wärmeerhalt zur Optimierung der Gerinnungsfunktion.

Wie sicher die TXA-Gabe nach einem Herzinfarkt, perkutaner transluminaler Koronar­angioplastie oder Stentimplantation ist, ist durch Studien bisher nicht ausreichend erforscht. Die Rate an thromboembolischen Komplikationen ordnen die Autoren anhand der aktuellen Datenlage als gering ein. © gie/aerzteblatt.de

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