Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Adipositas und Diabetes für fast 6 Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich

Mittwoch, 29. November 2017

/natchas, stock.adobe.com

London – Immer mehr Menschen erkranken an Krebs, weil sie übergewichtig beziehungsweise fettleibig sind oder an einem Typ-2-Diabetes leiden. Nach Schätzungen in Lancet Diabetes & Endocrinology (2017; doi: 10.1016/ S2213-8587(17)30366-2) war ein Body-Mass-Index (BMI) von über 25 weltweit für 544.300 Krebserkrankungen (3,9 Prozent aller Krebserkrankungen) verantwortlich. Durch eine Diabeteserkrankung würden der Studie zufolge 280.100 Krebserkrankungen (2 Prozent) verursacht.

Weltweit sind 2,01 Milliarden Menschen übergewichtig oder fettleibig, insgesamt 422 Million haben Diabetes. In der Regel ist dies ein Typ-2-Diabetes, der ebenso wie Übergewicht zu den vermeidbaren Risikofaktoren zählt. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) und der World Cancer Research Fund sind sich einig, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen einem hohen BMI und Krebserkrankungen in Darm, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse, Niere, Leber, Gebärmutter (Endometrium), Brustkrebs (nach der Menopause), Eierstöcken, Magen (Kardia), Schilddrüsen, Ösophagus (Adeno­karzinom) und dem Multiplen Myelom besteht. Ein Diabetes wird zunehmend als Risikofaktor für Krebserkrankung in Darm, Bauchspeicheldrüse, Leber, Gallenblasen, Brust und Gebärmutter eingestuft. 

Der Anteil, den ein zu hoher BMI an allen Krebserkrankungen hat, wurde in einer früheren Untersuchung auf 3,6 Prozent geschätzt (Lancet Oncology 2015; 16: 36–46). Für den Einfluss von Typ-2-Diabetes gab es bisher keine entsprechenden Unter­suchun­gen. Die Zahlen, die Jonathan Pearson-Stuttard vom Imperial College London und Mitarbeiter jetzt vorstellen, beruhen auf epidemiologischen Daten, die ein erhöhtes Krebsrisiko durch BMI und Diabetes ergeben haben. Die Epidemiologen haben sie auf Daten zur Prävalenz der beiden Risikofaktoren im Jahr 2002 angewendet, um bei der Annahme einer Latenzzeit von 10 Jahren den Anteil der beiden Risiken an den Krebserkrankungen des Jahres 2012 zu ermitteln.

Wenn die Berechnungen zutreffen, dann würden weltweit 792.600 der 14,1 Millionen Krebserkrankungen, die GLOBOCAN für 2012 ermittelt hat, auf Übergewicht und Diabetes zurückzuführen sein. Die meisten Krebserkrankungen (nämlich 303.000 oder 38,2 Prozent) würden auf westliche Länder mit hohem Einkommen entfallen. Der zweitgrößte Anteil mit 190.900 Erkrankungen oder 24,1 Prozent entfiele auf ost- und südostasiatische Länder.

In den meisten Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen ist der Anteil der Krebserkrankungen durch Übergewicht oder Diabetes nach der Berechnungen von Pearson-Stuttard gering. Es gebe jedoch Ausnahmen: In der Mongolei, Ägypten, Kuwait und Vanuatu, wo Übergewicht und Diabetes häufig sind, liege der Anteil an allen Krebs­fällen mit 9 bis 14 Prozent sogar über dem Durchschnitt, schreibt der Forscher. Am geringsten sei der Anteil in Tansania, Mosambik und Madagaskar, wo es bisher erst wenige Menschen mit Übergewicht oder Diabetes gibt.

Bei Männern ist Leberkrebs weltweit der häufigste durch Übergewicht oder Diabetes verursachte Krebs. Das bevölkerungsbezogene attributable Risiko (PAR) betrug 42,8 Prozent. Weltweit wären dies 126.700 Erkrankungen. An zweiter Stelle folgt laut der Studie Darmkrebs mit einem Anteil von 21,4 Prozent oder 63.200 neuen Krebsfällen im Jahr 2012.

Bei Frauen erklären Übergewicht und Diabetes laut den Berechnungen von Pearson-Stuttard 29,7 Prozent aller Brustkrebserkrankungen oder 147.400 Fälle. Den zweit­höchsten Anteil haben die Risikofaktoren am Endometriumkarzinom mit einem PAR von 24,5 Prozent oder 121.700 neuen Krebsfällen. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 29. November 2017, 21:39

"KREBS-KRANKHEITSLAST"...

ist hier mit "Worldwide burden of cancer attributable to diabetes and high body-mass index: a comparative risk assessment" von Jonathan Pearson-Stuttard et al., erschienen in "Lancet DiabetesEndocrinol 2017 Published Online November 28" gemeint http://dx.doi.org/10.1016/ S2213-8587(17)30366-2

Und mitnichten, dass "Adipositas und Diabetes für fast 6 Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich" sei, wie der Titel im Deutschen Ärzteblatt suggeriert. So komplexe, vielschichtige und multifaktorielle Krankheiten wie Krebs lassen sich nicht monokausal auf Adipositas und/oder Diabetes mellitus herunterbrechen.

Ein vergleichendes Risiko-Assessment beschreibt keine Verantwortung für etwas, sondern lediglich eine Attribution, eine Zuordnung. Es gibt auch keine Schlussfolgerungen, sondern nur ein Interpretation ohne empirisch nachgewiesene Kausalität ["Interpretation A substantial number of cancer cases are attributable to diabetes and high BMI. As the prevalence of these cancer risk factors increases, clinical and public health eforts should focus on identifying optimal preventive and screening measures for whole populations and individual patients"].

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Nachrichten zum Thema

16.02.18
Telemedizinisches Coachingprojekt gestartet
Düsseldorf – AOK Rheinland/Hamburg, Deutsches Institut für Telemedizin und Gesund­heits­förder­ung (DITG) und Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) haben jetzt ein gemeinsames telemedizinisches......
15.02.18
Vegane Diät bessert Insulinresistenz bei Adipositas
Washington – Eine rein pflanzliche Ernährung hat in einer randomisierten Studie an adipösen Erwachsenen, die (noch) nicht an Typ-2-Diabetes erkrankt waren, innerhalb weniger Wochen die......
15.02.18
Melanom: Adipöse Männer überleben länger
Houston – Eine Adipositas, die nicht nur eine wichtige Ursache von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch von Krebs ist, hat in einer retrospektiven Studie in Lancet Oncology (2018; doi:......
14.02.18
Schulbasierte Programme erfolglos gegen Adipositasepidemie bei Kindern
London – Schulbasierte Ernährungsprogramme sind gegen die Adipositasepidemie bei Kindern chancenlos. Zwar gebe die Schule einen wichtigen Rahmen für die Unterstützung eines gesunden Lebensstils, aber......
12.02.18
Im Karneval drohen alkoholbedingte Unterzuckerungen
Berlin – Auch Menschen mit Diabetes 1 oder 2 können laut Selbsthilfeverband diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe Karneval feiern und dabei ein alkoholisches Getränk oder etwas Süßes verzehren.......
09.02.18
Digitale Technologien verändern die Diabetesversorgung
Berlin – Digitale Technologien können die Diagnostik und Therapie von Diabetespatienten stark verbessern. Davon zeigte sich heute die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) überzeugt. „Die......
08.02.18
Warum Diabetiker bei Prostatakarzinom eine schlechtere Prognose haben
Tübingen/München – Menschen mit Typ-2-Diabetes erkranken seltener an einem Prostatakarzinom als Patienten ohne Diabetes. Einmal erkrankt, ist ihre Sterblichkeit daran allerdings höher. Gründe dafür......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige