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Medizin

Studie: Zecken könnten Fleischallergie übertragen

Donnerstag, 30. November 2017

Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) /dpa

Bethesda/Maryland – Eine Allergie auf rotes Fleisch ist eine mögliche Ursache von rezidivierenden Anaphylaxien, denen US-Forscher in einer Studie in Allergy (2017; doi: 10.1111/all.13366) auf den Grund gegangen sind. Die Patienten waren auf Galactose-alpha-1,3-Galactose (alpha-Gal) sensibilisiert, einen Bestandteil von rotem Fleisch, der auch im Sekret bestimmter Zeckenarten vorkommt, die als Auslöser in der Diskussion sind. 

Das Team um Thomas Platts-Mills vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in Bethesda sollte die Ursache von rezidivierenden Anaphylaxien bei 70 Patienten ermitteln, für die es keine Erklärung zu geben schien. Die ausführlichen allergologischen Tests ergaben, dass 6 Patienten positiv auf alpha-Gal reagierten. Bei allen 6 Patienten wurden auch spezifische IgE-Antikörper im Blut nachgewiesen, was die Diagnose sicherte. Allen 6 Patienten wurde geraten, auf den Verzehr von rotem Fleisch (Rind, Lamm oder Schwein) zu verzichten. Alle sind laut Platts-Mills seither ohne anaphylaktische Anfälle geblieben. 

Die Anamnese ergab, dass alle 6 Patienten aus Regionen kamen, in denen Amblyomma americanum endemisch ist. Alle 6 konnten sich an Stiche mit der „Lone Star“-Zecke erinnern. Platts-Mills ist überzeugt, dass Amblyomma americanum der Auslöser der Allergie ist. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Sekrete, die die Zecken beim Stich in die Haut injizieren, alpha-Gal enthalten.

Alpha-Gal wurde auch in Ixodes ricinus nachgewiesen, der als Gemeiner Holzbock in Deutschland verbreitet ist. In einer früheren Studie konnte Platts-Mills zeigen, dass Zeckenbisse mit Ixodes ricinus in Schweden das Risiko auf eine Fleischallergie erhöhen, wobei bei den schwedischen Patienten eine Urtikaria klinisch im Vordergrund stand. Ihre Untersuchung ergab übrigens auch, dass Menschen der Blutgruppe „B negativ“ ein erhöhtes Risiko haben. Diesen Menschen fehlt das B-Antigen auf den Erythrozyten, das aufgrund einer Ähnlichkeit mit alpha-Gal vermutlich eine lebens­lange Toleranz erzeugt. Diesen angeborenen Schutz haben Menschen mit Blutgruppe „B negativ“ nicht (J Allergy Clin Immunol. 2013; 132: 1431–1434).

Fleischallergien werden häufig übersehen, weil die Reaktionen nicht direkt nach dem Verzehr auftreten, sondern mit 3 bis 6 Stunden Verzögerung. Nicht selten treten die Anaphylaxien nachts auf, wenn die Patienten schlafen. Ein weitere Folge einer Sensibilisierung auf alpha-Gal können übrigens allergische Reaktionen auf das Krebsmedikament Cetuximab sein. Der monoklonale Antikörper enthält einen Abschnitt, der alpha-Gal stark ähnelt. © rme/aerzteblatt.de

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apodoc
am Montag, 4. Dezember 2017, 12:36

Übersetzungsfehler?!

Sie schreiben "Ihre Untersuchung ergab übrigens auch, dass Menschen der Blutgruppe „B negativ“ ein erhöhtes Risiko haben." "B negativ" ist ein verkürzter Ausdruck für die Blutgruppe "B Rhesus negativ". Es folgt Ihrerseits die Erklärung "Diesen Menschen fehlt das B-Antigen auf den Erythrozyten". Hmmm. Nur denen, die auch Rhesus-negativ sind??? Erhellend ist, sich den Originaltitel anzuschauen: "Red meat allergy in Sweden: Association with tick sensitization
and B-negative blood groups" Ach so, jetzt ergibt es Sinn. Hier ist von "B-negativen Blutgruppen" die Rede, also die, die ohne das B-Antigen auskommen, nämlich die Blutgruppen 0 und A!

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