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Ärzteschaft

Praxisnetze sollten MVZ gründen dürfen

Donnerstag, 30. November 2017

/Ayzek, stock.adobe.com

Berlin – Praxisnetze, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) als besonders förderungswürdig anerkannt wurden, sollen Medizinische Versorgungs­zentren (MVZ) gründen dürfen – zumindest in strukturschwachen Regionen. Das forderte der Vorstandsvorsitzende der Agentur Deutscher Arztnetze (ADA), Veit Wambach, auf einer Veranstaltung der ADA heute in Berlin. Bislang ist dies den Netzen nicht möglich. „Dadurch würde nicht nur die Versorgung verbessert werden, sondern es würde auch jungen Ärzten erleichtert, in strukturschwachen Regionen zu arbeiten, in denen Ärztemangel herrscht.“

Bei den anwesenden Gesundheitspolitikern stieß diese Forderung auf Zustimmung. „Ich finde es zentral wichtig, dass Praxisnetze Ärzte anstellen können, gerade in ländlichen Regionen“, sagte Kathrin Vogler von den Linken. Dass Netze heute nicht selbst Ärzte anstellen könnten, „müssen wir ändern“, meinte auch Christine Aschenberg-Dugnus von der FDP. „Ich denke, da gibt es auch Möglichkeiten.“

Nicht hinnehmbar

Seit 2013 können Praxisnetze, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen, von den Kassenärztlichen Vereinigungen als besonders förderungswürdig anerkannt werden. Diese Anerkennung sei für Praxisnetze von immenser Bedeutung, sagte Wambach und betonte zugleich, dass die Praxisnetze stets vor dem Hintergrund des Kollektiv­vertrages arbeiteten. Ihre Aufgabe sieht er vor allem in der Organisation der regionalen Versorgung. „In Nürnberg leben die Menschen im Durchschnitt zwei Jahre weniger als in München“, sagte Wambach, der auch in Nürnberg das Gesundheitsnetz QuE leitet. „Als Arzt kann ich das nicht hinnehmen.“

Die Ursache für solche lokalen Unterschiede liege in sozioökonomischen Umständen, die man vor Ort genau betrachten müsse. Wenn man feststelle, dass Menschen in einem bestimmten Teil von Nürnberg besonders oft an Lungenerkrankungen stürben, müsse die Selbstverwaltung den Versorgungsauftrag an dieser Stelle an das Arztnetz vergeben, damit dieses spezifische Problem bekämpft werden könne. Dies werde jedoch nur gelingen, wenn alle Akteure vor Ort zusammenarbeiteten. „Dafür brauchen wir eine ganze Menge anderer Partner, wie die Kommune, die ihren Teil dazu beitragen kann, um Lungenerkrankungen zu reduzieren – zum Beispiel durch eine Reduktion der Feinstaubbelastung“, so der ADA-Vorsitzende.

Mix aus verschiedenen Vergütungssystemen

Um die Kooperation im Gesundheitswesen verbessern zu können, sprachen sich die anwesenden Politiker für eine Zusammenführung der Sektoren aus. „Da müssen wir als Politik ran“, sagte Kirsten Kappert-Gonther von den Grünen, die nach der Bundes­tagswahl erstmals in den Bundestag eingezogen ist. Und dafür seien die Ärztenetze eine sinnvolle Keimzelle.

Aschenberg-Dugnus forderte, dass vor Ort die Behandlungsbedarfe der Bevölkerung festgestellt werden müssten. Zudem müsse über die Vergütung gesprochen werden. „Heute sind die DRGs und der EBM nicht auf eine sektorenübergreifende Versorgung eingestellt“, sagte sie. Dafür müsse eine ganzheitliche Lösung gefunden werden.

Wambach sprach sich für einen Mix aus verschiedenen Vergütungssystemen aus. Denn jedes Vergütungssystem setze seine eigenen Anreize. Ein Modul  einer künftigen Vergütung könne dabei sein, dass Honorar fließe, wenn eine Verbesserung der Versorgung erreicht worden sei.

Zusammenarbeit gelebt

Bernhard Gibis, Leiter des Geschäftsbereichs „Sicherstellung und Versorgungsstruktur“ bei der KBV, lobte den ganzheitlichen Ansatz von Praxisnetzen, die nicht nach Haus- und Fachärzten aufgeteilt seien. „Hier wird Zusammenarbeit gelebt“, sagte er. Eine solche Art der Zusammenarbeit könne man nicht von oben verordnen. Heute gebe es in elf KVen anerkannte Praxisnetze. „Das wächst langsam“, so Gibis. „Aber diesen Spielraum muss man lassen.“ © fos/aerzteblatt.de

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