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Ausland

Südafrikas Gesundheitssystem hat Aufholbedarf

Donnerstag, 30. November 2017

/dpa

Kapstadt – Vor 50 Jahren führte der Chirurg Christiaan Barnard in Kapstadt die erste Herztransplantation der Welt durch. Für Südafrikas Herzpatienten ist das bevorstehen­de Jubiläum ein Hoffnungsschimmer – wenngleich angesichts der langen Organ­spender­liste schmerzhaft an Ironie grenzend.

Südafrika gilt als Land mit der weltweit ungerechtesten Einkommensverteilung. Das spiegelt sich auch in der Gesundheitsversorgung wider. Während Reiche und die Mittel­schicht dank Privatversicherungen eine Arztpraxis aufsuchen können, bleibt dem Großteil der Bevölkerung nur der Besuch eines staatlichen Krankenhauses.

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80 Prozent der Ärzte behandeln 16 Prozent der Patienten

Häufig fehlt es aber dort an Arzneimitteln; auch viele Fachärzte ziehen eher die lukrativen Privatkliniken vor, statt für den Staat zu arbeiten. So behandeln in Südafrika 80 Prozent der Ärzte nur etwa 16 Prozent der Bevölkerung – die Wohlhabenden. Wie die südafrikanische Zeitung Mail & Guardian berichtet, beschäftigt etwa ein Privat­krankenhaus in Johannesburg genauso viele Gynäkologen wie die öffentlichen Kranken­häuser von drei Provinzen gemeinsam.

Der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) will die Zwei-Klassen-Medizin bekämpfen – mithilfe einer staatlichen Krankenversicherung bis 2025. Sie soll die Versorgungslücke zwischen Superreichen und Township-Bewohnern schließen. „Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht und sollte nicht davon abhängen, wie reich wir sind oder wie wir leben“, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Doch Experten und selbst Ärzte zweifeln: Wie soll ein Land, in dem jeder Vierte arbeitslos ist und es 2017 erstmals mehr Sozialhilfeempfänger als Arbeitende gab, ein soziales Gesundheitssystem finanzieren?

Zumindest im Bereich der medizinischen Forschung glänzt Südafrika: Seine Universi­täten und Fachärzte sind auch 50 Jahre nach der ersten Herztransplantation weltweit hoch angesehen. „Wir haben hier seit 1967 eine ganze Reihe von Premieren gehabt“, sagte Peter Zilla. Der Herzchirurg aus Österreich ist ein Nachfolger Barnards am Kapstädter Groote Schuur Hospital. Als Beispiele nennt er den Südafrikaner Allan Cormack als Erfinder der Computertomografie, die erste Nierentransplantation zwischen HIV-positiven Patienten – und 2014 die erste Penistransplantation der Welt.

Eines fehlt Südafrikas medizinischen Unis aber genauso wie den Krankenhäusern: schwarze Experten. Sie sind auch 23 Jahre, nachdem Nelson Mandela 1994 die Demokratie einläutete, immer noch Mangelware. Entsprechend grassieren die Vorbehal­te, wie eine Gruppe von Akademikern 2016 in einer Studie über Rassismus an Südafrikas Kliniken herausfand.

Ob Patienten die Behandlung durch einen schwarzen Facharzt ablehnen oder Pfleger eine Zweitmeinung von einem weißen Arzt einholen, ehe sie einer Anweisung folgen: Regelmäßig hätten schwarze Mediziner gegen Vorurteile zu kämpfen. „Das ist anstrengend, denn du versuchst dich wieder und wieder zu beweisen. Ich habe diesen Job nicht wegen meiner Hautfarbe, sondern aufgrund meiner Erfahrung“, zitiert die Studie eine schwarze Ärztin.

Unbeirrt von rassistischen Vorurteilen am Arbeitsplatz bleibt Nqoba Tsabedze, einer der führenden Herzforscher Südafrikas. Als seinem Vater in seinem letzten Studienjahr ein Herzschrittmacher implantiert wurde, beschloss der 35-Jährige, seine Forschung dem plötzlichen Herztod zu widmen. Davon seien in Südafrika statistisch vermehrt Schwarze betroffen. „Es ist überwiegend ihre Krankheit, und die Patienten werden immer jünger. Ich untersuche Menschen, deren Herzen trotz fehlender Risikofaktoren plötzlich schwächer werden.“ Den lukrativen Privatsektor lehnt Tsabedze ab. Statt­dessen sucht der Herzmediziner in staatlichen Kliniken nach einer „relevanten Antwort auf Südafrikas Gesundheitsprobleme“. © kna/aerzteblatt.de

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