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Politik

HIV-Infizierte weiterhin gesellschaftlich stigmatisiert

Donnerstag, 30. November 2017

/dpa

Berlin – HIV-Infizierte sind trotz Kampagnen und Aufklärungsaktionen weiterhin gesellschaftlich stigmatisiert. „Die Betroffenen outen sich aus Angst vor Diskriminie­rung nicht, viele ziehen sich in die Isolation zurück, und dadurch verschwindet das Thema Aids aus der öffentlichen Wahrnehmung“, sagte der Präsident der Bundesärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, aus Anlass des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember. Dieser steht unter dem Motto „Positiv zusammenleben“. „Davon sind wir leider noch weit entfernt“, bedauerte der BÄK-Präsident.

„Menschen mit HIV haben heute bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung eine fast normale Lebenserwartung und können leben wie andere Menschen auch: Job, Familie, unbelastete Sexualität und Familienplanung inklusive. Denn eine gut wirksame HIV-Therapie verhindert auch die Übertragung von HIV“, betonte die Deutsche Aids-Hilfe.

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Auf die Erfolge der HIV-Therapie wies auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hin: „Hochaktive antiretrovirale Therapien (HAART) hemmen die Vermehrung des tödlichen Virus im Körper so weit, dass es sich im Blut nicht mehr nachweisen lässt. Und: Sie machen die bis dahin immer wieder auftretenden Resis­tenzen unwahrscheinlicher“, teilte der Verband mit. Aus der einst tödlichen Krankheit sei so eine chronische geworden, mit denen die Patienten, ähnlich wie mit Diabetes oder Rheuma, (fast) ein ganz normales und langes Leben führen könnten.

Unsicherheit in der Bevölkerung

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat in einer bundesweiten Befragung die Einstellung der Bevölkerung zum Thema „Leben mit HIV“ erhoben. Demnach besteht ein hohes Bewusstsein in der Bevölkerung für die Thematik und 65 Prozent der Befragten haben keine Berührungsängste mit dem Thema HIV/Aids. Allerdings zeigen die Daten auch, dass es im alltäglichen Umgang mit HIV-positiven Menschen immer noch Unsicherheiten und Vorurteile gibt. 23 Prozent sind der Meinung, dass Menschen mit HIV an ihrer Erkrankung selbst schuld sind. „Akzeptanz und Solidarität sind beim Thema HIV/Aids nicht immer selbstverständlich“, betonte Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA.

HIV-Infektionen in Deutschland

Im vergangenen Jahr haben sich in Deutschland etwa 3.100 Menschen neu mit dem HI-Virus infiziert. Die Zahl der Neuinfektionen liegt damit auf dem Niveau des Jahres 2015. Insgesamt leben in Deutschland damit rund 88.400 Menschen mit HIV oder Aids. Etwa 460 starben 2016 daran, etwa so viele wie im Jahr davor. Diese Daten berichtete das Robert Koch-Institut im Epidemiologischen Bulletin 47/2017.

HIV-Infektionen weltweit

2016 haben sich nach Angaben der Vereinten Nationen weltweit rund 1,8 Millionen Menschen mit dem HI-Virus angesteckt. Umgerechnet ist das eine HIV-Infektion alle 17 Sekunden oder fast 5.000 Neuinfektionen pro Tag. Bei Erwachsenen ist die Zahl der Neuinfektionen weltweit in den vergangenen Jahren nur geringfügig zurückgegangen. 2010 waren es 1,9 Millionen, 2016 noch 1,7 Millionen. Zwei Drittel der Neuinfektionen gibt es in Afrika.  Für 2016 gab die Organisation „UN-Aids“ der Vereinten Nationen die Zahl der HIV-Infizierten mit 36,7 Millionen an. 20,9 Millionen Betroffene weltweit hätten mittlerweile Zugang zu einer wirksamen Behandlung.

Mehr Prävention nötig

Weitere Anstrengungen bei der Prävention mahnt die Deutsche Stiftung Weltbevölke­rung (DSW) an. „Die Aids-Gefahr ist noch lange nicht gebannt“, sagte DSW-Geschäfts­führerin Renate Bähr. Auch wenn es in den vergangenen Jahren Fortschritte gegeben habe, müsse deutlich mehr getan werden, um das international vereinbarte Ziel zu erreichen, die Epidemie bis 2030 zu beenden.

Besonders betroffen ist laut DSW Afrika südlich der Sahara: Auf diese Region entfielen fast zwei Drittel (64 Prozent) aller Neuinfektionen. Mädchen und junge Frauen seien einem besonders hohen Infektionsrisiko ausgesetzt, so Bähr. Präven­tionsprogramme wie Aufklärung und Verhütungsangebote müssten sich deshalb gezielt an Mädchen und junge Frauen richten und dringend ausgeweitet werden. Zugleich brauchten sie einen besseren Schutz vor sexueller Gewalt. Unerlässlich seien zudem mehr Inves­titionen in die Forschung und Entwicklung neuer Präventionsmethoden wie Aids-Impfstoffe und Mikrobizide. „Deutschland sollte dabei eine Vorreiterrolle über­nehmen“, forderte Bähr.

Kinder und Jugendliche besonders betroffen

Eine „globale Nachlässigkeit“ im Kampf gegen Aids beklagte anlässlich des Welt-Aids-Tages das UN-Kinderhilfswerk Unicef. Allein 2016 seien 120.000 Kinder unter 14 Jahren an den Folgen der Immunschwächekrankheit gestorben, teilte die Organisation mit. Zudem seien – statistisch betrachtet – pro Stunde 18 Kinder mit HIV infiziert worden. Wenn sich die aktuelle Entwicklung fortsetze, werde es bis 2030 laut Progno­sen 3,5 Millionen neue HIV-Infektionen unter Jugendlichen geben.

„Es ist nicht hinnehmbar, dass weiter so viele Kinder an Aids sterben und wir so wenig Fortschritte beim Schutz Jugendlicher vor HIV-Infektionen machen“, sagte die Unicef-HIV-Beauftragte Chewe Luo. Die Aids-Epidemie sei „nicht vorüber“. Sie sei nach wie vor eine Bedrohung für Kinder und junge Menschen. „Es kann und es sollte mehr für Prävention getan werden“, forderte Luo. © hil/afp/dpa/aerzteblatt.de

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Maddy0466
am Donnerstag, 27. Juni 2019, 19:36

HIV-Infizierte weiterhin gesellschaftlich stigmatisiert

Ich bin davon überzeugt, dass man mich Anfang November 2018 Uniklinik Freiburg psychatrische Klinik Station 3 wegen meiner HIV Erkrankung und meiner transexuellen Identität stigmatisiert hat, in dem man mir auf der Station nach einer Woche aufenthalt bereits durch dem Stationsarzt ohne Angaben von Gründen, das Messer auf die Brust gesetzt hat, in dem man mir anbot, entweder Station 1 (die Geschlossene) oder Entlassung auf eigenen Wunsch. Wenn Sie sehr geehrte Herausgeber u.a. mehr darüber erfahren möchten, dan schreiben Sie mich bitte über meine E-Mail Adresse an.Währet denn Anfangen dies sollte für die Mediziener genauso gelten wie für die Politik Liebe Grüße Frau Madeleine R.
LNS

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