NewsPolitikMehr Forschung zu Krebsmedikamenten gefordert
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Mehr Forschung zu Krebsmedikamenten gefordert

Donnerstag, 30. November 2017

/Chodyra Mike, stock.adobe.com

Berlin – Nach der Zulassung von Krebsmedikamenten ist aus Sicht des Vorsitzenden der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft mehr Forschung zum Nutzen der Medikamente erforderlich. Das entscheidende Manko sei, dass man die dringend innerhalb der ersten zwei, drei Jahre nach der Zulassung nötigen Studien nicht bekomme, sagte der Onkologe Wolf-Dieter Ludwig heute im ARD-Morgenmagazin.

Für den Abend ist zu dem Thema ein Bericht des Magazins Monitor angekündigt. Es brauche wieder mehr unabhängige klinische Forschung, vor allem müssten sich die jeweiligen Pharmahersteller beteiligen, so Ludwig weiter.

Hintergrund der ARD-Recherchen ist eine Studie, die vor einigen Wochen im BMJ erschienen ist. Die Autoren kamen zum Schluss, dass bei knapp der Hälfte der 68 zwischen 2009 und 2013 von der Europäischen Arzneimittelagentur zugelassenen Krebstherapien selbst Jahre nach der Zulassung unsicher sei, ob sie das Leben verlängern oder die Lebensqualität verbessern. Und wenn Vorteile im Vergleich zu älteren Medikamenten oder Placebos gezeigt wurden, seien diese oft klinisch nicht relevant gewesen.

Anzeige

Die Krankenkasse Barmer GEK etwa beklagte bereits im Sommer fehlende späte Bewertungen sowie explodierende Kosten für Krebstherapien. Es könne um 100.000 Euro und mehr gehen – pro Patient im Jahr. Laut Robert-Koch-Institut bekamen nach jüngsten Daten im Jahr 2013 rund 483.000 Menschen in Deutschland neu die Diagnose Krebs.

Ludwig sagte im ARD-Morgenmagazin, gerade die Onkologie sei ein „extrem lukratives Gebiet“ für Hersteller. Diese versuchten, Medikamente mit „häufig unseriösen Verspre­chungen“ in den Markt zu drücken. Pro Jahr gehe es um zehn bis zwölf Medikamente, teils nur an kleinen Gruppen getestet. Bleibe der Wissensstand nach der Zulassung dürftig, müsse man in Betracht ziehen, die Kostenerstattung wieder zu beenden. Das sei ein wichtiger Schritt, um die Hersteller zu weiteren Studien zu zwingen, betonte der Experte. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

15. August 2018
Köln – Das Deutsche Register Klinischer Studien (DRKS) bietet mittlerweile Informationen zu rund 7.200 hierzulande durchgeführten klinischen Studien. Darauf hat das DRKS zusammen mit dem Deutschen
Deutsches Register Klinischer Studien bietet Zugriff auf mehr als 7.000 Studien
6. August 2018
London – Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) schätzt, dass es einen zusätzlichen Krebsfall pro 5.000 Patienten geben könnte, die verunreinigte Valsartanmedikamente in der höchsten Dosis von 320
Verunreinigtes Valsartan: Erste Schätzungen zum Schadenspotenzial
2. August 2018
Köln – Patienten mit einer mittelschweren bis schweren Spastik aufgrund von Multipler Sklerose (MS), die nicht angemessen auf eine andere antispastische Arzneimitteltherapie angesprochen haben und die
IQWiG sieht Zusatznutzen von Cannabis sativa bei Spastik infolge von MS
1. August 2018
Berlin – Im Streit um eine von der EU-Kommission gewünschte Harmonisierung der Zulassungsverfahren für neue Arzneimittel in der Europäischen Union (EU) hat die Allianz Chronischer Seltener
Neue Arzneimittel: Allianz für seltene Erkrankungen spricht sich für europäische Nutzenbewertung aus
18. Juli 2018
Köln – Ob Patienten mit einem aggressiven B-Zell- oder T-Zell-Lymphom von der allogenen Stammzelltransplantation profitieren, ist unklar. Das geht aus einem jetzt veröffentlichten Vorbericht des
Nutzen einer allogenen Stammzelltransplantation bei bestimmten Lymphomen unklar
11. Juli 2018
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DHGO) hat die Bestätigung des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel für die Mischpreisbildung bei neuen Arzneimitteln
Onkologen begrüßen „Ja“ zur Mischpreisbildung
4. Juli 2018
Kassel – Das Bundessozialgericht (BSG) hat die Mischpreisbildung bei der Verhandlung von Arzneimittelpreisen heute in zwei Urteilen (Az.: B 3 KR 20/17 R, B 3 KR 21/17 R) für rechtmäßig erklärt und

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER