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Politik

Hüftgelenksersatz auch bei unter 60-Jährigen häufig

Donnerstag, 30. November 2017

/Floki, stock.adobe.com

Hamburg – 16 Prozent der Patienten, die ein künstliches Hüftgelenk erhalten, sind jünger als 60 Jahre. Das berichtete die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE) heute in Hamburg. Bei rund 233.000 Hüftgelenks-Totalendoprothesen pro Jahr entspricht dies laut Fachgesellschaft knapp 37.000 Patienten.

„Diese Patienten leiden oft an angeborenen Gelenkfehlstellungen, Durchblutungs­störungen, haben Unfallverletzungen erlitten oder eine rheumatische Erkrankung, die den Gelenkknorpel ihres Hüftgelenks zerstört hat“, erläuterte Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der AE. Gerade künstliche Hüften für Jüngere sollten möglichst lange den Anforderungen des Alltags standhalten. Doch nach wie vor existiert laut der AE kein Material, das an die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit des natürlichen Gelenks heranreicht.

Schonender Eingriff wichtig

„Wir tun alles für eine lange Standzeit der ersten Prothese“, betonte Heller, der Chefarzt der orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig ist. Besonders schonend sei ein minimalinvasiver Eingriff: Die Muskulatur werde dabei nicht vom Knochen abgelöst, sondern komplett geschont. Möglich machten dies moderne Lagerungstechniken und Instrumentarien. Dadurch sei das Operationstrauma geringer und die Rehabilitation gehe schneller vonstatten.

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Wichtig sei außerdem der Materialverschleiß, da Abriebpartikel zu Prothesenlocke­rungen führen könnten. „Wir empfehlen bei jüngeren Patienten für Hüftkopf und Pfanne die Paarungen Keramik-Keramik sowie moderner abriebreduzierter Kunststoff mit Keramik, da sie am wenigsten Verschleißpartikel erzeugen“, so Heller.

Prophylaktische Gabe von Tranexamsäure bei Hüft- und Kniegelenkersatzeingriffen

Gelenkersatzeingriffe an Hüfte und Knie gehören zu den häufigsten Operationen im Bereich Orthopädie/Unfallchirurgie. Aufgrund des gut vaskularisierten Operationsgebietes kann der Eingriff zu größeren Blutverlusten und zu einer hohen Inzidenz von Bluttransfusionen führen. Beobachtet wurde, dass 42 % der Patienten beim operativen Hüftgelenkersatz und 34 % der Patienten beim operativen [...]

Eine Kurzschaftprothese helfe zudem, Knochensubstanz im Oberschenkelknochen zu sparen: „Für das im Vergleich zum Normalschaft zierliche Implantat müssen wir bei der Implantation weniger Knochen entfernen. Dadurch haben wir bei einem eventuellen späteren Wechseleingriff mehr Knochen zur Verankerung der Nachfolgerprothese zur Verfügung“, erläuterte Heller. Kurzschaftprothesen würden jedoch erst seit rund zehn Jahren eingesetzt. Da Langzeitergebnisse bislang fehlten, vertrauen derzeit noch viele Operateure auf die seit Jahrzehnten bewährten, aber etwas längeren sogenannten Geradschaftprothesen.

Mit einem künstlichen Hüftgelenk ist laut AE ein normaler aktiver Alltag sowie das moderate Ausüben von Sportarten wie Skifahren, Laufen, Schwimmen, Golfen, Rad­fahren, Wandern und Nordic Walking wieder möglich. Doch der Belastungsfähigkeit und Lebensdauer einer Prothese seien Grenzen gesetzt. „Es ist uns wichtig, dass unsere Patienten verstehen, wo die Grenzen eines künstlichen Gelenks sind“, betonte Henning Windhagen, Präsident der AE und Direktor der orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im Diakovere Annastift. © hil/aerzteblatt.de

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