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Medizin

Migräne: CGRP-Antikörper senken Anfallfrequenz in Studien

Freitag, 1. Dezember 2017

/dpa

London/Philadelphia – Zwei Antikörper, die über eine Blockade des Neuropeptids CGRP die Weiterleitung von Schmerzsignalen in Trigeminuskern und Gehirn modulieren, haben in zwei randomisierten klinischen Studien im New England Journal of Medicine (2017; 377: 2113–2122 und 2123–2132) die Anfallfrequenz von Migränepatienten nur mäßig gesenkt. Eine ausgezeichnete Verträglichkeit könnte Erenumab und Fremanezu­mab jedoch für die präventive Behandlung interessant machen.

Die Migräne gehört zu den häufigsten Erkrankungen mit einem nicht zu unterschätzen­den Einfluss auf die Lebensqualität. Die Kopfschmerzattacken lassen sich durch Triptane häufig verkürzen, viele Patienten benötigen jedoch eine präventive Therapie, die heute mit einem Antiepileptikum (Topiramat), einem Herzmedikament (Propranolol) oder einem Antidepressivum (Amitriptylin) erfolgt. Diese Medikamente erzielen nur eine begrenzte Wirkung, wenn sie werden wegen der Nebenwirkungen von vielen Patienten nicht regelmäßig eingenommen. 

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Die Blockade des „Calcitonin gene–related peptide“ (CGRP) verspricht jetzt erstmals eine spezifische Therapie. Mit Erenumab (von Amgen), Eptinezumab (von Alder), Fremanezumab (von Teva) und Galcanezumab (von Eli Lilly) befinden sich derzeit mindestens vier Präparate in der klinischen Entwicklung. Zwei Hersteller haben die Phase-3-Studien abgeschlossen und hoffen auf ein baldige Zulassung. 

Erenumab wurde in der STRIVE-Studie an 955 Patienten mit episodischer Migräne mit Placebo verglichen. Eine episodische Migräne ist definiert durch das Auftreten von weniger als 15 Kopfschmerzattacken pro Monat. Die Teilnehmer der STRIVE-Studie litten vor Studienbeginn im Durchschnitt an 8,3 Tagen eines Monats unter Migräne­attacken. Wie Peter Goadsby und Mitarbeiter vom King’s College Hospital berichten, kam es unter der monatlichen subkutanen Injektion von Erenumab in der Dosis von 70 mg zu einem Rückgang um 3,2 Tage und unter der monatlichen Dosis von 140 mg zu einem Rückgang um 3,7 Tage.

Da es auch in der Placebogruppe zu einem Rückgang um 1,8 Tage kam, ergibt sich eine Nettoreduktion von weniger als 2 Tagen, die jedoch signifikant war. Unter der niedrigen Dosierung konnten 43,3 Prozent und unter der höheren Dosierung 50,0 Prozent der Patienten die Zahl der monatlichen Migränetage halbieren (im Vergleich zu 26,6 Prozent in der Placebogruppe). Hinzu kommt eine Reduktion in der Einnahme von Akutmedikamenten zur Kupierung der Migräne­attacken. 

Fremanezumab wurde an 1.130 Patienten mit chronischer Migräne getestet. Die chronische Migräne ist definiert durch mehr als 15 Kopfschmerztage im Monat, von denen mindestens 8 Tage auf klassische Migräneanfälle entfallen müssen. Die Teilnehmer der Studie hatten vor Therapiebeginn im Durchschnitt etwa 13 Migräne­tage im Monat. 

Die Studie verglich 2 Dosierungen von Fremanezumab mit Placebo. In einer Gruppe erhielten die Patienten alle 3 Monate eine subkutane Injektion von 675 mg Fremanezumab, in der zweiten Gruppe folgten in den beiden anderen Monaten noch Injektionen von jeweils 225 mg. Wie Stephen Silberstein von der Thomas Jefferson University in Philadelphia und Mitarbeiter berichten, kam es unter der vierteljährlichen Gabe zu einem Rückgang um 4,3 Tage und unter der monatlichen Gabe zu einem Rückgang um 4,6 Tage gegenüber einem Rückgang um 2,5 Tage in der Placebogruppe. Die Differenz zur Placebogruppe betrug also wie in der Studie zu Erenumab etwas weniger als 2 Tage im Monat. 

Eine Halbierung der Migränetage wurde bei vierteljährlicher Gabe bei 38 Prozent und bei monatlicher Gabe bei 41 Prozent erreicht gegenüber 18 Prozent in der Placebo­gruppe.

Beide Antikörper erzielen nach Einschätzung des Editorialisten von Andrew Hershey vom Cincinnati College of Medicine eine moderate Reduktion der Migräneattacken. Dabei muss mangels aktiver Vergleichsgruppe offen bleiben, ob die Mittel eine Verbesserung gegenüber der derzeitigen Migräneprophylaxe mit Topiramat, Propranolol oder Amitriptylin bedeuten. Ein Vorteil könnte die gute Verträglichkeit sein.

Die wichtigsten Nebenwirkungen waren Lokalreaktionen an den Injektionsstellen, die jedoch von den meisten Patienten toleriert wurden. In beiden Studien brachen nur etwa 10 Prozent der Teilnehmer die Behandlung vorzeitig ab, wobei es keine signifi­kanten Unterschiede zur Placebogruppe gab. © rme/aerzteblatt.de

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