NewsPolitikInteresse an Cannabis als Schmerzmittel flaut ab
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Interesse an Cannabis als Schmerzmittel flaut ab

Freitag, 1. Dezember 2017

/dpa

Weimar – Nach der zunächst großen Nachfrage nach Cannabis als Medikament verzeichnen Schmerzmediziner inzwischen weniger Patientenanfragen. „Das hat sich wieder relativiert“, sagte der Landesvorsitzende des Berufsverbands der Schmerz­therapeuten, Ingo Palutke, vor Beginn des 8. Mitteldeutschen Schmerzkongresses heute in Weimar. Es habe sich herumgesprochen, dass cannabishaltige Arzneimittel nur für einen stark eingeschränkten Patientenkreis zugelassen seien und die Kranken­kassen eine solche Behandlung deshalb häufig ablehnten.

Schwerkranke Menschen können in Deutschland seit März Cannabis auf Rezept erhalten. Bewilligt werden nur Fälle, in denen eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Therapie nicht angewendet werden kann. Zudem muss sich das Arzneimittel voraussichtlich positiv auf Symptome oder den Krankheitsverlauf auswirken. Die meisten Patienten brauchen es nicht, sagte Kongressleiter Palutke. Er halte Cannabis für nicht besser als ein normales Opiat.

Multimodale Therapie setzt sich durch

Bei der Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen hat sich nach Angaben des Experten die Zusammenarbeit von Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Sozialarbeitern – multimodale Therapie genannt durchgesetzt. Diese wird in Thüringen zumeist als stationäre Behandlung von größeren Kranken­häusern angeboten.

Anzeige

Allerdings stoße die stationäre Schmerztherapie bei den Krankenkassen als Kostenträger auf wenig Akzeptanz, sagte Palutke. Die Patienten würden oft auf Rehakliniken oder ambulante Angebote verwiesen. „In Thüringen gibt es allerdings keine einzige Rehaklinik mit einem multimodalen Konzept.“ Ambulant in einer Arztpraxis lasse sich dies nicht umsetzen.

Die ambulante Versorgung chronischer Schmerzpatienten in Thüringen bezeichnete der Kongressleiter als stabil und einigermaßen flächendeckend. Die Nachfrage nach Schmerztherapeuten bei der Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sei eher gering, das spreche gegen gravierende Versorgungslücken.

Laut KV werden jährlich etwa 20 Patienten über die Servicestelle an Therapeuten vermittelt. In Thüringen sind rund 30 Schmerzmediziner zugelassen. Am Mitteldeutschen Schmerz­kongress nehmen rund 400 Ärzte aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen teil. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Practicus
am Dienstag, 23. Januar 2018, 22:26

Das "Cannabisverordnungsverhinderungsgesetz"

erfüllt doch seinen Zweck - wie auch ich, scheuen viele Ärzte den umfangreichen Papierkrieg für lächerliche "Feigenblatt-Honorare" und das enorme Regressrisiko. "Mal eben" wurde der Preis für Cannabisblüten durch die Rezepturvorschriften beinahe verdreifacht
Ich werde also weiterhin meine Schmerzpatienten durch die hochgelobte "multimodale Schmerztherapie" in wandelnde Zombies verwandeln müssen,denen eine Teilhabe am Leben damit verwehrt wird...
Alexandra Grundmann
am Dienstag, 23. Januar 2018, 18:05

Unverschämtheit

Ich wünsche Euch, dass Ihr verklagt werdet, wegen unterlassener Hilfeleistung!!!! Ein Patient
Allgäu Wanderer
am Donnerstag, 21. Dezember 2017, 21:23

Sehr gut...ein wahnwitziger Hype

Super dazu auch Stellung bezogen wurde in diesem Video
https://www.youtube.com/watch?v=923aUHMBryw&t=67s
Viele Grüße
woewe
am Samstag, 2. Dezember 2017, 22:30

So kann man es sich auch leicht machen

"Es habe sich herumgesprochen, dass cannabishaltige Arzneimittel nur für einen stark eingeschränkten Patientenkreis zugelassen seien und die Kranken­kassen eine solche Behandlung deshalb häufig ablehnten."
Hallo Ärzteblatt? Sie drehen hier gerade Ursache und Wirkung um: Es gibt KEINE Zulassungsbeschränkung, sondern es liegt immer noch in der Therapiehoheit des Arztes. Allerdings sollte die Krankheit schwerwiegend sein und eine Aussicht auf therapeutischen Erfolg (vor allem gegenüber bereits erfolgter anderer Therapien) bestehen - nur das schreibt der Gesetzgeber vor und nicht mehr.
Aber die Krankenkassen lehnen nach Vermutungen zB bei bisher fehlender Evidenz ab und da sind in manchen Ländern ganze Diagnosegruppen wie ADHS eingeschlossen.
Damit aber pervertieren die Krankenkassen die Vorgaben des Gesetzgebers und boykottieren mit ihrer restriktiven Haltung nämlich auch die Begleiterhebung und behindern die erforderliche Evaluation.
Man lese den Artikel in der konservativeren Schwesterzeitung "Ärztezeitung" vom 6.9.2017.

Nachrichten zum Thema

20. Juli 2018
Bonn – Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat heute eine neue Ausschreibung für den Anbau und den Kauf von Cannabis zu ausschließlich medizinischen Zwecken veröffentlicht.
Neue Ausschreibung: BfArM stockt Cannabisvolumen auf
18. Juli 2018
Magdeburg – Medikamente auf Cannabisbasis stoßen bei schwer kranken Menschen in Sachsen-Anhalt auf beständiges Interesse. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) prüfte in diesem Jahr bereits
Cannabismedikamente in Sachsen-Anhalt gefragt
17. Juli 2018
Berlin – Zu oft, zu lange oder zu hoch dosiert: Schmerz- und Migränemittel können vorbestehende Kopfschmerzen verstärken und in eine chronische Krankheit verwandeln. Menschen mit häufigen
Neue S1-Leitlinie zu Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerzmitteln
6. Juli 2018
Martinsried – Ein neues Verfahren, das tiefere Einblicke in die Reaktion des Gehirns auf Opioide erlaubt, haben Forscher aus Deutschland, Österreich und den USA in der Fachzeitschrift Science
Neues Verfahren zeigt, wie Opioide im Gehirn (genau) wirken
26. Juni 2018
Frankfurt am Main – Die Deutsche Börse stellt den Handel mit Cannabis-Aktien ein. Ihre Tochter Clearstream werde Aktien von Unternehmen, die Cannabis produzieren, ab dem 24. September vom Handel
Deutsche Börse stellt Handel mit Cannabis-Aktien ein
22. Juni 2018
Hannover – Mit ihrer Forderung nach einer legalen Abgabe von Cannabis an Erwachsene sind FDP und Grüne im niedersächsischen Landtag am Donnerstag auf Ablehnung gestoßen. Die beiden Fraktionen hatten
Niedersächsischer Landtag uneins über Modellprojekt zur legalen Cannabisabgabe
21. Juni 2018
Berlin – Junge Erwachsene in Deutschland haben zuletzt deutlich mehr Cannabis konsumiert als noch vor wenigen Jahren. So hat laut den jüngsten offiziellen Daten im Jahr 2016 etwa jeder sechste (16,8

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER