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Medizin

Papillomviren fördern nichtmelanotischen Hautkrebs

Montag, 4. Dezember 2017

Papillomviren /dpa

Heidelberg – UV-Strahlen gelten als Ursache des nichtmelanotischen „weißen“ Hautkrebses. In einem Tiermodell der Erkrankung entwickelten sich die Tumore jedoch nur, wenn die Tiere vorher mit Papillomviren infiziert wurden. Die in PLoS Pathogens (2017; doi: 10.1371/journal.ppat.1006723) vorgestellten Erkenntnisse bedeuten, dass Spinaliom und Basaliom möglicherweise durch eine Impfung verhindert werden könnten, wofür die zugelassenen HPV-Vakzinen allerdings nicht geeignet wären.

Papillomviren, die sich in Epithelien vermehren, sind für verschiedene Krebsarten verantwortlich. Am bekanntesten sind das Zervixkarzinom und verwandte Tumore der Schleimhäute, die durch alpha-Papillomviren verursacht werden. Diese Karzinome können heute durch eine Impfung weitgehend verhindert werden.

Die verwandten beta-Papillomviren infizieren die Epithelien der Haut. Eine Folge ist die Bildung von Warzen. Das sind gutartige und in ihrem Wachstum begrenzte Tumore. Die Gene der Papillomviren werden jedoch auch regelmäßig in den Zellen einer aktinischen Keratose nachgewiesen. Die aktinische Keratose ist eine Vorform des Spinalioms, das neben dem Basaliom zu den nichtmelanotischen Hautkrebsen gehört.

Ein Forscherteam um Frank Rösl vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg vermutet seit Längerem, dass die beiden nichtmelanotischen Hautkrebs­formen durch Papillomviren ausgelöst werden. Experimente mit der südlichen Vielzitzen­maus (Mastomys coucha) liefern jetzt ein weiteres Glied für die Beweiskette. Mastomys coucha werden wie die meisten Menschen auch natürlicherweise mit Papillomviren infiziert. Und durch UV-Strahlung kann bei den Mäusen Hautkrebs ausgelöst werden. 

Wie Rösl jetzt zeigen kann, erkrankten die Tiere niemals an Hautkrebs, wenn sie nicht vorher mit Papillomviren infiziert wurden. Bei den infizierten Mäusen konnten die Forscher dagegen durch UV-Strahlung Hauttumoren erzeugen. Dabei entstanden 2 Formen. Die erste Form war von einer starken Verhornung der Haut gekennzeichnet, was auch bei der aktinischen Keratose beim Menschen der Fall ist. Hier konnten die Forscher in großer Menge Papillomviren in den Zellen nachweisen.

Die zweite Krebsvariante ähnelte mehr dem Spinaliom. Die Haut war weniger stark verhornt, und wie beim Spinaliom fanden sich in den Zellen keine Viren. Es wurde deshalb bezweifelt, dass Spinaliome durch Papillomviren verursacht werden. Rösl kann nun zeigen, dass auch die Tiere, die Spinaliome entwickeln, Antikörper gegen Papillom­viren im Blut hatten, was eine frühere Infektion belegt.

Die genetische Untersuchung der Zellen ergab zudem, dass die Papillomviren Muta­tionen im Gen p53 erzeugen. Die Aufgabe von p53, das auch als „Wächter des Genoms“ bezeichnet wird, besteht darin, einen DNA-Reparatur-Mechanismus zu starten. Ohne die DNA-Reparatur können die durch UV-Licht ausgelösten Schäden nicht repariert werden, was ein Krebswachstum zur Folge haben kann.

Die Studienergebnisse erhärten den Verdacht, dass Papillomviren an der Entstehung nichtmelanotischer Hautkrebse beteiligt sind. Ein endgültiger Beweis könnte durch die Entwicklung eines effektiven Impfstoffes erbracht werden. Ein solcher Impfstoff könnte etwa an Empfängern von Organtransplantaten erprobt werden, erklärt Rösl. Diese Patienten haben durch die Einahme von Immunsuppressiva ein gegenüber der Normal­bevölkerung 250-fach erhöhtes Risiko auf nichtmelanotische Hautkrebse.

Ein Impfstoff wäre, sofern er die Entwicklung von Hautkrebs verhindern würde, hilfreich. Der Forscher hat in früheren Untersuchungen bereits einen Impfstoff an Tieren getestet. Klinische Studien wurden jedoch bisher nicht durchgeführt. Die zur Vorbeugung der Zervixkarzinome zugelassenen HPV-Impfstoffe schützen nicht vor Hautkrebs, da sie nur alpha-Papillomviren erfassen. © rme/aerzteblatt.de

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