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Medizin

Lungenkrebs: Cross-Talk mit dem Knochen fördert Wachstum im Primärtumor

Sonntag, 3. Dezember 2017

/freshidea - stock.adobe.c

Boston – Noch bevor es zu Metastasen kommt, nehmen die Zellen eines nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) Kontakt zum Knochen auf. Die Krebszellen senden ein Signal an die Osteoblasten, die im Gegenzug Immunzellen zum Tumor delegieren, die dort das Krebswachstum fördern. Die in Science (2017; 358: eaal5081) publizierten Studienergebnisse erklären einige klinische und histologische Beo­bachtungen, und sie könnten Ansatzpunkte für eine neuartige Therapie liefern.

Zu den Kuriositäten des NSCLC gehört, dass die Knochendichte ansteigt. Im Blut kommt es zu einer Zunahme von Neutrophilen, und im Primärtumor lassen sich aus dem Knochenmark eingewanderte Zellen nachweisen, die offenbar das Krebswachstum fördern. Bisher konnten sich die Tumorbiologen darauf keinen Reim machen. Die Forschungsexperimente, die Mikael Pittet vom Massachusetts General Hospital in Boston vorstellt, könnten dies jetzt ändern.

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Die Forscher fanden zunächst heraus, dass die Lungenkrebszellen den Faktor sRAGE (soluble receptor for advanced glycation end products) freisetzen. sRAGE führt im Knochen zur Aktivierung von  sogenannten Ocn+-Osteoblasten. Dies hat nicht nur eine vermehrte Knochenmineralisierung zur Folge, die manchmal bei Lungenkrebspatienten in der konventionellen Computertomographie als Osteopetrose erkennbar ist. 

Die Ocn+-Osteoblasten fördern im Knochenmark die Bildung von bestimmten neutrophilen Granulozyten, die durch die vermehrte Bildung des Lektins „SiglecF“ gekennzeichnet sind. Dies erklärt den erhöhten Quotienten aus Neutrophilen zu Lymphozyten im Blut, der als Laborbefund beim Lungenkrebs auftritt und der mit einer schlechteren Prognose verbunden ist. 

Die schlechtere Prognose erklärt sich vermutlich daraus, dass die „SiglecF“-Neutro­philen in den Primärtumor eindringen und dort das Krebswachstum fördern. Dies könnte laut Pittet durch Förderung der Angiogenese, durch Hemmung der T-Zell-Angriffe auf den Tumor oder auch durch eine direkte Förderung des Krebszell­wachstums geschehen.

Die Studie zeigt für Haiying Zhang und David Lyden vom Meyer Cancer Center in New York, dass Krebs eine systemische Erkrankung ist. Viele Tumore würden durch die Freisetzung von Botenstoffen mit dem Körper in eine gegenseitige Kommunikation (Cross-Talk) treten, die einen wesentlichen Einfluss auf das Krebswachstum hat. Hieraus können sich neue therapeutische Strategien ergeben. Pittet konnte durch einen Blutaustausch das Krebswachstum bei den Versuchstieren stoppen. Beim Menschen könnten Wirkstoffe, die sRAGE binden oder die Wanderung der Neutrophilen in den Primärtumor verhindern, eine krebshemmende Wirkung erzielen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #688006
Heilpraktiker
am Dienstag, 5. Dezember 2017, 14:06

Krebs ist eine sehr individuelle Krankheit.

Diese brillante Erkenntnis bestätigt mich in meiner Vermutung, dass jeder Tumor einen eigenen "Charakter" hat und Krebs nicht gleich Krebs sein kann. Ich sehe hier eine deutliche Chance "krebsindividuelle" Ansätze zu finden und alte Behandlungsmethoden noch einmal zu überprüfen. Aber es wird auch deutlich, dass eine so komplexe Krankheit nicht durch einen Behandler sind seiner Ganzheit erfasst und kuriert werden kann. Ich selbst erhebe keinen Anspruch auf eine kausale Krebsbehandlung. Aber in 20 Jahre Arbeit mit Krebskranken habe ich gelernt Tumorkachexie und Appetitlosigkeit sehr erfolgreich zu behandeln.
LNS

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