NewsAuslandHumanitäre Hilfe in Sanaa zusammengebrochen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Humanitäre Hilfe in Sanaa zusammengebrochen

Dienstag, 5. Dezember 2017

/dpa

Sanaa – Nach der Eskalation der Gewalt im Jemen wird die humanitäre Lage in dem Bürgerkriegsland immer dramatischer. In der Hauptstadt Sanaa brach die humanitäre Hilfe völlig zusammen. Wegen der Sicherheitslage hätten alle Leistungen vorerst eingestellt werden müssen, teilten mehrere internationale Hilfsorganisationen mit. Einen Tag nach dem Tod des früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh herrschte in der Hauptstadt heute gespannte Ruhe.

Care, Oxfam, Save the Children und andere Organisationen forderten eine sofortige Waffenruhe in Sanaa. „Die jemenitische Bevölkerung verkraftet keine weiteren Rückschläge“, sagte Care-Länderdirektor Johan Mooij. Die Gewalt zwinge die Bevölkerung dazu, sich in ihren Kellern zu verstecken. Vielen Menschen fehle es an ausreichend Essen und Wasser. In Sanaa leben rund 3,5 Millionen Menschen.

Anzeige

Klinik von Ärzte ohne Grenzen getroffen

Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) kamen seit Ausbruch der neuen Gewalt in Sanaa 234 Menschen ums Leben. Rund 400 Menschen seien verletzt worden, sagte eine IKRK-Sprecherin. Jets der saudischen Koalition setzten die Bombardierung Sanaas in der Nacht zum gestrigen Montag fort. Augen­zeugen berichteten von heftigen Luftangriffen. Erstmals sei der von den Huthi-Rebellen kontrollierte Präsidentenpalast angegriffen worden.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) teilte heute über Twitter mit, bei einem Luftangriff am vergangenen Sonntag sei in der Stadt Hadscha nordwestlich von Sanaa auch ein von ihr unterstütztes Krankenhaus beschädigt worden. Auf medizinische Einrichtungen werde im Jemen vorsätzlich keine Rücksicht genommen. Das IKRK erklärte, zwei der wichtigsten Krankenhäuser Sanaas hätten keinen Treibstoff mehr, um die Generatoren zu betreiben, von denen sie abhängig seien. Die Organisation habe zudem keinen Zugang zu dringend benötigten medizinischen Hilfsgütern in einem Lagerhaus, weil sich in dem Gebäude Bewaffnete aufhielten.

Die Hauptstadt Sanaa wird von den Huthi-Rebellen kontrolliert. Saudi-Arabien und seine Verbündeten unterstützen in dem Konflikt die international anerkannte Regierung. Das benachbarte Königreich will mit der Einsatz vor allem den Einfluss seines schiitischen Erzrivalen Iran zurückdrängen, der die Huthi-Rebellen unterstützt.

Nach rund drei Jahren Bürgerkrieg erlebt der Jemen seit Monaten eine der weltweit schlimmsten humanitären Krisen. Von den 27 Millionen Einwohnern des Landes sind nach UN-Angaben rund zwei Drittel auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Wegen einer Blockade der saudi-arabischen Koalition kommen aber zu wenige Güter ins Land. Die UN warnten, wegen der Blockade drohe dem Land eine Hungerkatastrophe. Zudem grassiert im Jemen eine Choleraepidemie. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. Oktober 2018
New York – Bis zu 14 Millionen Menschen sind im Jemen von Hunger bedroht. „Die humanitäre Lage im Jemen ist die schlimmste weltweit“, warnte der UN-Vizegeneralsekretär für Humanitäre Angelegenheiten,
14 Millionen Menschen im Jemen von Hunger bedroht
19. Oktober 2018
Dresden – Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) schickt drei Flugzeuge mit rund 42 Tonnen Hilfsgütern in das indonesische Katastrophengebiet auf der Insel Sulawesi. Wie das DRK heute mitteilte, starten die
DRK schickt 42 Tonnen Hilfsgüter nach Indonesien
16. Oktober 2018
Wiesbaden – Elf Prozent der Weltbevölkerung muss Hunger leiden. 2017 seien weltweit 821 Millionen Menschen chronisch unterernährt gewesen, teilte das Statistische Bundesamt heute mit. Damit sei die
Chronische Unterernährung nimmt weltweit zu
16. Oktober 2018
Genf/Kinshasa – Das UN-Flüchtlingshilfswerk hat angesichts einer Zwangsvertreibung von rund 200.000 Kongolesen aus dem Norden Angolas vor einer humanitären Krise im Kongo gewarnt. Tausende Migranten
Angola vertreibt 200.000 Kongolesen
16. Oktober 2018
Jerusalem – Durch Wasserverseuchung verursachte Krankheiten sind die Hauptursache für Kindersterblichkeit im Gazastreifen. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der Denkfabrik „RAND Corporation“,
Wasserverschmutzung erhöht Kindersterblichkeit in Gaza
16. Oktober 2018
Nairobi – Radikalislamische Geiselnehmer haben in Nigeria die zweite von drei entführten Rote-Kreuz-Mitarbeiterinnen ermordet. Der nigerianische Informationsminister Lai Mohammed sagte, die Regierung
Geiselnehmer töten Rote-Kreuz-Mitarbeiterin in Nigeria
15. Oktober 2018
Berlin – Die Entwicklungsorganisation One hat mehr Anstrengungen für die globale Gesundheit verlangt. Zwar seien seit 1990 durch Investitionen in Milliardenhöhe weltweit hunderte Millionen
LNS
NEWSLETTER