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Ausland

Humanitäre Hilfe in Sanaa zusammengebrochen

Dienstag, 5. Dezember 2017

/dpa

Sanaa – Nach der Eskalation der Gewalt im Jemen wird die humanitäre Lage in dem Bürgerkriegsland immer dramatischer. In der Hauptstadt Sanaa brach die humanitäre Hilfe völlig zusammen. Wegen der Sicherheitslage hätten alle Leistungen vorerst eingestellt werden müssen, teilten mehrere internationale Hilfsorganisationen mit. Einen Tag nach dem Tod des früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh herrschte in der Hauptstadt heute gespannte Ruhe.

Care, Oxfam, Save the Children und andere Organisationen forderten eine sofortige Waffenruhe in Sanaa. „Die jemenitische Bevölkerung verkraftet keine weiteren Rückschläge“, sagte Care-Länderdirektor Johan Mooij. Die Gewalt zwinge die Bevölkerung dazu, sich in ihren Kellern zu verstecken. Vielen Menschen fehle es an ausreichend Essen und Wasser. In Sanaa leben rund 3,5 Millionen Menschen.

Klinik von Ärzte ohne Grenzen getroffen

Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) kamen seit Ausbruch der neuen Gewalt in Sanaa 234 Menschen ums Leben. Rund 400 Menschen seien verletzt worden, sagte eine IKRK-Sprecherin. Jets der saudischen Koalition setzten die Bombardierung Sanaas in der Nacht zum gestrigen Montag fort. Augen­zeugen berichteten von heftigen Luftangriffen. Erstmals sei der von den Huthi-Rebellen kontrollierte Präsidentenpalast angegriffen worden.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) teilte heute über Twitter mit, bei einem Luftangriff am vergangenen Sonntag sei in der Stadt Hadscha nordwestlich von Sanaa auch ein von ihr unterstütztes Krankenhaus beschädigt worden. Auf medizinische Einrichtungen werde im Jemen vorsätzlich keine Rücksicht genommen. Das IKRK erklärte, zwei der wichtigsten Krankenhäuser Sanaas hätten keinen Treibstoff mehr, um die Generatoren zu betreiben, von denen sie abhängig seien. Die Organisation habe zudem keinen Zugang zu dringend benötigten medizinischen Hilfsgütern in einem Lagerhaus, weil sich in dem Gebäude Bewaffnete aufhielten.

Die Hauptstadt Sanaa wird von den Huthi-Rebellen kontrolliert. Saudi-Arabien und seine Verbündeten unterstützen in dem Konflikt die international anerkannte Regierung. Das benachbarte Königreich will mit der Einsatz vor allem den Einfluss seines schiitischen Erzrivalen Iran zurückdrängen, der die Huthi-Rebellen unterstützt.

Nach rund drei Jahren Bürgerkrieg erlebt der Jemen seit Monaten eine der weltweit schlimmsten humanitären Krisen. Von den 27 Millionen Einwohnern des Landes sind nach UN-Angaben rund zwei Drittel auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Wegen einer Blockade der saudi-arabischen Koalition kommen aber zu wenige Güter ins Land. Die UN warnten, wegen der Blockade drohe dem Land eine Hungerkatastrophe. Zudem grassiert im Jemen eine Choleraepidemie. © dpa/aerzteblatt.de

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