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Medizin

Geriatrie: Blutdruck sinkt in den letzten 14 bis 18 Lebensjahren

Mittwoch, 6. Dezember 2017

/jd-photodesign, stock.adobe.com

Exeter/England – Bei den meisten Menschen sinkt der Blutdruck in den letzten Lebensjahren langsam, aber kontinuierlich ab. Der Prozess setzt laut einer Studie in JAMA Internal Medicine (2017; doi: 10.1001/jamainternmed.2017) bereits mehr als ein Jahrzehnt vor dem Tod ein, ohne dass die Gründe bekannt wären.

Zwischen der Kindheit und dem mittleren Lebensalter kommt es bei den meisten Menschen zu einem allmählichen Anstieg des Blutdrucks, und nicht wenige müssen schließlich antihypertensive Medikamente einnehmen, um sich vor einem vorzeitigen Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und insbesondere einem Schlaganfall zu schützen. Weniger bekannt ist, dass der Blutdruck gegen Ende des Lebens wieder langsam absinkt. 

Eine Analyse von 46.634 Patienten, deren elektronische Krankenakten in der Clinical Practice Research Datalink (CPRD) gespeichert sind, zeigt jetzt, dass der altersbedingte Rückgang des Blutdrucks bereits bis zu 18 Jahre vor dem Tod einsetzt, und zwar auch bei Menschen, die niemals an einer arteriellen Hypertonie erkrankt waren. Der Rück­gang war auch nicht auf eine verbesserte Behandlung zurückzuführen, wie ein Team um David Melzer von der Universität Exeter in England berichtet.

Der Rückgang setzte bei Menschen, die im Alter von 60 bis 69 Jahren starben, etwa 10 Jahre vor dem Tod ein. Bei einem Tod im Alter von 70 bis 79 Jahren befand sich der Wendepunkt etwa 12 Jahre vor dem Ableben. Bei einem Tod im Alter von 80 bis 89 Jahren setzte der Rückgang des Blutdrucks etwa 14 Jahre und bei den Patienten mit einer Lebenszeit von über 90 Jahren sogar 18 Jahre vor den Tod ein. Der Unterschied zwischen dem höchsten Blutdruck und dem Blutdruck in den letzten Lebensjahren betrug bei einem Tod im Alter von 60 bis 69 Jahren 8,5 mmHg systolisch, bei den über 90-Jährigen waren es 22,0 mmHg. Bei zwei Dritteln aller Patienten ging der systolische Wert um mehr als 10 mmHg zurück. Die Geschwindigkeit des Rückgangs ist zunächst konstant, beschleunigt sich jedoch in den letzten beiden Lebensjahren. 

Am deutlichsten ausgeprägt war die Abnahme des Blutdrucks bei Patienten mit arterieller Hypertonie, Demenz, Herzinsuffizienz oder einem Gewichtsverlust in den letzten Lebensjahren. Die Ursachen für den Rückgang sind letztlich nicht bekannt. Melzer warnt vor Missverständnissen. Die Studie bedeutet nicht, dass eine arterielle Hypertonie im Alter weniger konsequent behandelt werden dürfte, weil ein leicht erhöhter Blutdruck das Leben verlängert. Dies sei nicht der Fall. © rme/aerzteblatt.de

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