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Medizin

Studie: Parodontosekeime erhöhen Risiko auf Ösophaguskarzinom

Mittwoch, 6. Dezember 2017

K.-U. Häßler, stock.adobe.com

New York – Einige Bakterien, die bei der Parodontitis vermehrt in der Mundflora auftreten, tragen möglicherweise zur Entwicklung eines Ösophaguskarzinoms bei. Andere Bakterien der Mundflora hatten in einer prospektiven Fall-Kontroll-Studie in Cancer Research (2017; doi: 10.1158/0008-5472.CAN-17-1296) dagegen eine protektive Wirkung.

Die Entdeckung, dass Helicobacter pylori ein wichtiger Auslöser von Magenkrebs ist, hat zur Frage geführt, ob auch von den zahlreichen Bakterien der Mundhöhle eine Gefahr ausgehen könnte. Der Beitrag an Karzinomen in Mundhöhle und Rachen ist vermutlich gering, da Rauchen und Alkohol hier die meisten Tumore erklären.

Über den Schluckakt gelangen die Bakterien oder ihre Stoffwechselprodukte jedoch auch in die Speiseröhre. Ein Team um Jiyoung Ahn vom Laura and Isaac Perlmutter Center in New York hat jetzt untersucht, ob die Zusammensetzung der Mundflora das Risiko auf ein Adenokarzinom des Ösophagus (EAC) oder ein Plattenepithelkarzinom des Ösophagus (ESCC) beeinflusst.

Als Ausgangsmaterial dienten Mundspülproben, die im Rahmen zweier großer prospektiver Studien archiviert worden waren. Am Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian Cancer Screening Trial und an der American Cancer Society Cancer Prevention Study II hatten 122.000 Erwachsene im mittleren Lebensalter teilgenom­men, die zu Beginn der Studie gesund waren. Im Verlauf von 10 Jahren erkrankten 106 Personen an Speiseröhrenkrebs. Die Forscher analysierten die Mundspülproben von 81 Patienten mit EAC und von 25 Patienten mit ESCC und verglichen sie jeweils mit der doppelten Anzahl von Kontrollen, die nicht an Krebs erkrankt waren.

Die Forscher stießen tatsächlich auf signifikante Assoziationen. So war der Nachweis von Tannerella forsythia mit einem um 21 Prozent erhöhten Risiko auf ein EAC verbun­den. Porphyromonas gingivalis wurde dagegen häufiger bei Patienten mit ESCC gefunden. Beide Bakterienarten werden bei Patienten mit chronischer Parodontitis in den Zahnfleischtaschen gefunden. Auf welche Weise sie das Risiko auf ein Ösophagus­karzinom erhöhen, ist nicht bekannt.

Es gab aber auch Bakterien, die das Risiko auf ein Ösophaguskarzinom senken. Wer Streptococcus und Neisseriabakterien in der Mundhöhle hat, erkrankt laut der Studie zu 24 Prozent seltener an Speiseröhrenkrebs. Für Neisseria gibt es sogar eine biologisch plausible Erklärung. Es ist bekannt, dass diese Bakterien Toxine aus dem Tabakrauch abbauen. Allerdings haben Raucher in der Regel geringere Mengen dieser Bakterien in ihrem Mund als Nichtraucher.

Insgesamt dürfte der Beitrag der Bakterien an der Entwicklung des Ösophagus­karzinoms gering sein. Ahn will jedoch untersuchen, ob die Bakterien sich als Tumor­marker eignen. Eine weitere Idee wäre der Einsatz von Probiotika, die die Zusammen­setzung der Mundflora verbessern und so vor Krebs schützen. Auch dies müsste zunächst in Studien bewiesen werden. © rme/aerzteblatt.de

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