NewsPolitikGrüne verlangen aktuelle Stunde im Bundestag zum Jemen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Grüne verlangen aktuelle Stunde im Bundestag zum Jemen

Donnerstag, 7. Dezember 2017

/dpa

Berlin – Der Bundestag soll sich nach dem Willen der Grünen mit der jüngsten Zuspitzung des Bürgerkriegs im Jemen befassen. Die Grünen-Bundestagsfraktion beantragte eine aktuelle Stunde zu den eskalierenden Kämpfen, bei denen nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in den vergangenen Tagen mindestens 234 Menschen getötet wurden.

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Britta Haßelmann, rief die Bundesregierung gestern zu einem „klaren Zeichen“ auf. Deutschland müsse „alle Rüstungsexporte an die Kriegsparteien einstellen, vor allem an Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate“. Der nun schon seit über zwei Jahren andauernde Krieg habe „unvorstellbares Leid über das ärmste Land der arabischen Halbinsel gebracht“, erklärte die Grünen-Politikerin.

Anzeige

Mangelhafte Versorgung

Wegen der mangelhaften Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten seien Zehntausende Kinder an Unterernährung und Krankheiten gestorben. Nach dem gewaltsamen Tod von Jemens ehemaligem Präsidenten Ali Abdullah Saleh, der am vergangenen Montag von Huthi-Rebellen getötet worden war, drohe der Konflikt nun noch weiter zu eskalieren.

Haßelmann rief die Bundesregierung dazu auf, „zuverlässige und planbare humanitäre Hilfe zu leisten“. Deutschland müsse sich vor allem dafür einsetzen, „dass der Zugang für Hilfslieferungen (...) bedingungslos gewährleistet wird“, erklärte sie. Die Regierung solle sich weiterhin um eine politische Lösung des Konflikts bemühen und das UN-Expertengremium zur Untersuchung möglicher Kriegsverbrechen im Jemen unter­stützen.

Kritik von Ärzte ohne Grenzen

Besorgt über die Lage im Jemen hat sich gestern auch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen gezeigt. Während schwerer Straßenkämpfe und Luftangriffe saßen die Menschen in Sanaa tagelang in ihren Häusern fest, wie die Hilfsorganisation in Berlin erklärte. Verwundete konnten demnach medizinische Einrichtungen nicht erreichen.

„Medizinische Einrichtungen wurden in diesem Konflikt immer wieder angegriffen“, betonte der Koordinator von Ärzte ohne Grenzen, Steve Purbrick. Trotzdem unter­nähmen die Kriegsparteien nichts, um medizinische Einrichtungen zu schützen, und gefährdeten so das Leben von Patienten und medizinischen Mitarbeitern. Er forderte, dass Menschen die Möglichkeit haben müssten zu fliehen und medizinische Versor­gung in Anspruch zu nehmen. Krankenwagen müssten Verwundete bergen können, medizinische Einrichtungen geschützt werden.

Die Kampfhandlungen treffen den Jemen zu einer Zeit, in der die Menschen im Land ohnehin unter den Folgen einer Blockade auf kommerzielle und humanitäre Importe litten, so Ärzte ohne Grenzen. Einige humanitäre Flüge und Schiffe seien zwar ins Land gelassen worden, doch das Einfuhrverbot für Handelsgüter einschließlich Nahrungs­mitteln und Kraftstoff gelte weiterhin.

Für die Menschen im Jemen sei es seitdem viel schwieriger, an Güter des täglichen Bedarfs, Medikamente und medizinisches Material zu kommen. Seit der Eskalation der Kämpfe und dem Beginn der Blockade seien die Benzinpreise um mehr als 200 Prozent gestiegen. Auch die Preise für Wasser und Mehl seien dramatisch in die Höhe gegangen.

Unterdessen hat heute US-Präsident Donald Trump Saudi-Arabien dazu aufgefordert, sofort Hilfslieferungen in das Bürgerkriegsland Jemen zuzulassen. Er habe seinen Mitarbeitern aufgetragen, die Regierung in Riad zu kontaktieren, damit Essen, Kraft­stoff, Wasser und Medizin die jemenitische Bevölkerung erreichen könnten, erklärte Trump in Washington. Ein Ende der Bombardierungen in Jemen durch saudi-arabische Einheiten forderte er jedoch nicht. Saudi-Arabien ist ein wichtiger Verbündeter der USA in der Region. © kna/dpa/afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. September 2020
New York – Die Coronapandemie verschlechtert Hilfsorganisationen zufolge die weltweite Ernährungslage. Vor den Veranstaltungen zum 75. Geburtstag der Vereinten Nationen in New York forderte die
Hilfsorganisationen warnt vor Verschärfung der Ernährungskrise
21. September 2020
Berlin – Deutsche Flüchtlingshelfer im Mittelmeer haben den italienischen Behörden Schikane vorgeworfen. Das Rettungsschiff „Sea-Watch 4“ werde unter „fadenscheinigen Bedingungen“ am Auslaufen im
Italien setzt „Sea-Watch 4“ in Palermo fest
21. September 2020
Lesbos – Die akute Krise der obdachlos gewordenen Migranten auf der griechischen Insel Lesbos ist nach Aussagen des stellvertretenden Migrationsministers Notis Mitarakis erst einmal vorbei. „Wir haben
Rund 10.000 Migranten im neuen Zeltlager auf Lesbos
17. September 2020
Washington – Mehrere reiche Nationen, die zusammen nur 13 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, haben sich laut einem Bericht der Hilfsorganisation Oxfam bereits mehr als die Hälfte der angekündigten
Reiche Länder sichern sich Löwenanteil an Coronaimpfstoff
17. September 2020
Athen – Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) kritisiert die Anwendung von Zwangsmaßnahmen bei der Umsiedlung von Geflüchteten auf der griechischen Insel Lesbos. Die Polizei
Ärzte ohne Grenzen kritisiert Zwangsmaßnahmen bei der Umsiedlung von Geflüchteten in Moria
14. September 2020
Insel Lesbos – Vier Tage nach dem Großbrand im Flüchtlingslager Moria haben die ersten Migranten auf der Insel Lesbos ein neues provisorisches Zeltlager bezogen. Nach Behördenangaben von gestern
Erste Flüchtlinge beziehen provisorisches Lager auf Lesbos
11. September 2020
Berlin – Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen geht nicht davon aus, dass es nach dem Brand in Moria eine gesamteuropäische Reaktion geben wird. Die Blockadehaltung einzelner EU-Mitglieder in der
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER