Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Gestreckte Krebsmittel: Apotheken­mitarbeiterin wiederholt Vorwürfe

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Die Zeugin (3.v.l) betritt mit ihrem Anwalt am 6. Dezember 2017 den Essener Gerichtssaal. /dpa

Essen – Im Prozess um angeblich gestreckte Krebsmedikamente hat eine ehemalige Mitarbeiterin ihre schweren Anschuldigungen gegen den angeklagten Apotheker wiederholt. Die 55-Jährige berichtete gestern vor dem Essener Landgericht von eklatanten Hygienemängeln im Labor der Bottroper Apotheke. Außerdem erneuerte sie ihren Verdacht, dass dort Krebsmedikamente unterdosiert worden sind. So hätten beispielsweise hergestellte Antikörpertherapien nach einem Schütteln nicht aufge­schäumt, wie es eigentlich hätte sein müssen.

Die pharmazeutisch-technische Angestellte war im Oktober 2016 zur Polizei gegangen und hatte ein Krebsmedikament übergeben, in dem sich keinerlei Wirkstoff befunden haben soll. Damit hatte sie den bereits laufenden Ermittlungen gegen den Bottroper Apotheker neuen Schwung verliehen. Der 47-Jährige war einige Wochen später fest­genommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Zweifel an korrekter Dosierung

„Ich hatte Zweifel an der richtigen Dosierung der Medikamente“, sagte die Ex-Mitarbei­terin bei ihrer Zeugenvernehmung. Neben der fehlenden Schaumbildung sei ihr außerdem aufgefallen, dass bei einem knallroten Wirkstoff trotz angeblich gleicher Mengenangaben unterschiedliche Rottöne aufgetreten waren.

Die 55-Jährige war seit März 2015 in der Apotheke des Angeklagten angestellt. Nach ihren Angaben hat es jedoch nicht lange gedauert, bis ihr schwere Hygienemängel aufgefallen seien. So habe ihr Chef das Labor beispielsweise mit Straßenkleidung betreten, außerdem sei während der Herstellung der Medikamente häufig die Labortür geöffnet worden, was nicht den Vorschriften entsprochen habe. Außerdem habe es für die Reinigung nur einen „alten Wischmopp“ gegeben.

„Ich konnte am Ende nicht mehr zugucken und mir vorstellen, wie viele Menschen da zu Schaden kommen, die ihre letzte Hoffnung in die Therapie stecken“, sagte die Zeugin den Richtern. Deshalb sei sie zur Polizei gegangen. Ihr war nach der Durch­suchung und Schließung des Labors fristlos gekündigt worden.

Für die Weitergabe ihres Insiderwissens war die 55-jährige in der vergangenen Woche gemeinsam mit dem ehemaligen kaufmännischen Leiter der Bottroper Apotheke mit dem „Whistleblower-Preis“ der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) und der IALANA, der Vereinigung für Friedensrecht, ausgezeichnet worden. © dpa/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

14.12.17
Britischer Chirurg brennt Patienten Initialen in die Leber
Birmingham – Ein Chirurg hat in Großbritannien bei Operationen seine Initialen „SB“ in die Lebern von zwei Patienten gebrannt. Der 53-jährige Arzt bekannte sich beim Gericht in Birmingham der......
12.12.17
Krankenkasse muss gehbehinderter Blinder Führhund bewilligen
Celle – Einer gehbehinderten blinden Frau aus dem Kreis Uslar muss nach einem Urteil des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen (Az.: L16/1 KR 371/15) von der Krankenkasse ein Blindenhund bewilligt......
08.12.17
Geldstrafe für ehemaligen Chefarzt nach sexuellem Übergriff
Bamberg – Ein früherer Chefarzt des Klinikums Bamberg muss für den sexuellen Übergriff auf eine Mitarbeiterin eine Geldstrafe zahlen. Das Landgericht Bamberg verhängte gestern gegen den 46-Jährigen......
08.12.17
Baby irrtümlich für tot erklärt: Klinik in Indien Lizenz entzogen
Neu-Delhi – Nachdem Ärzte eines Krankenhauses in Neu-Delhi ein Frühchen fälschlicherweise für tot erklärt haben, hat die indische Regierung der Klinik die Lizenz entzogen. Das Krankenhaus habe sich......
05.12.17
Bundesverfassungs­gericht befasst sich mit Fixierungen in der Psychiatrie
Karlsruhe – Der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) will am 30. und 31. Januar 2018 über Fixierung im Rahmen der öffentlich-rechtlichen Unterbringung verhandeln (Az.: 2 BvR 309/15, 2......
30.11.17
Schmerzensgeldklage wegen fehlerhafter Brustimplantate scheitert
Hamm – Die Chancen auf Schmerzensgeld sind für deutsche Opfer des Skandals um minderwertige Brustimplantate aus Industriesilikon weiter gesunken. Der der 3. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm......
28.11.17
Krankenkasse muss Kosten für Genium-Kniegelenk tragen
Darmstadt – Gesetzlich Krankenversicherte haben unter bestimmten Bedingungen einen Anspruch auf die Versorgung mit besseren orthopädischen Hilfsmitteln, wenn diese im Einzelfall erforderlich sind, um......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige