Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Psychosen: Inzidenz schwankt international sehr stark

Donnerstag, 7. Dezember 2017

London – Die verbreitete Ansicht, dass Schizophrenien und andere Psychosen in allen Ländern gleich häufig auftreten, ist offenbar nicht korrekt. Eine Studie in JAMA Psychiatry (2017; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2017.3554) ermittelt deutliche Schwan­kun­gen zwischen 17 Regionen, davon 16 in Europa, die auf starke soziale Einflüsse hinweisen.

Der Gemeinplatz, nach dem die Schizophrenie in unterschiedlichen Kulturen gleich häufig auftritt, geht auf die „Ten-Country Study“ zurück, die die Weltgesundheits­organisation ab 1978 weltweit in 10 Ländern durchgeführt hat, von denen 2 (UdSSR, Tschechoslowakei) heute nicht mehr existieren. Die genauen Ergebnisse der vor der Internetära publizierten Studien (Psychol Med Monogr Suppl. 1992; 20: 1–97) sind offenbar heute nicht mehr bekannt, denn von einer weltweiten Homogenität der Erkrankung war gar nicht die Rede (homogen waren nur die diagnostischen Kriterien gewesen). Die Untersuchung hatte laut James Kirkbride vom University College London durchaus Unterschiede gefunden, etwa eine 2,5-fache Differenz in der Häufigkeit nicht affektiver Psychosen zwischen den einzelnen Ländern.

Eine Untersuchung des „European Network of National Schizophrenia Networks Studying Gene-Environment Interactions“ (EU-GEI) zeigt nun, dass die Unterschiede noch größer sind. Ein Team um James Kirkbride vom University College London hat die Daten aus 17 Regionen in Großbritannien, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Spanien und Brasilien zusammengetragen. Darunter waren Großstädte wie Paris und London, aber auch ländliche Regionen wie Cuenca in Spanien oder Ribeirão Preto in Brasilien.

Zwischen diesen Regionen gab es deutliche Unterschiede in der Inzidenz einer ersten psychotischen Episode (FEP). An häufigsten wurde sie im Südosten Londons diagnosti­ziert, wo auf 100.000 Personenjahre 21,4 FEP kamen. In Santiago de Compostela in Spanien waren es nur 6,3. In dem galizischen Wallfahrtsort (96.000 Einwohner) erkranken demnach 10-mal weniger Menschen als in der Achtmillionen-Metropole London.

Neben dem Stadt-Land-Unterschied war auch ein Nord-Süd-Gefälle nachweisbar. In Palermo, Barcelona und Madrid sind Psychosen seltener als im Marnetal südlich von Paris. 

Neben geografischen spielen auch soziale Faktoren eine Rolle. Hausbesitzer scheinen seltener zu erkranken, Single-Haushalte sind dagegen häufiger betroffen. Hausbesitz ist für Kirkbride ein Zeichen von Wohlstand, der möglicherweise eine schützende Funktion hat. Single-Haushalte stehen eher für eine soziale Vereinsamung, die offenbar das Erkrankungsrisiko erhöht.

Mitglieder ethnischer Minderheiten erkranken ebenfalls häufiger, es sei denn sie leben in Gegenden mit einer hohen ethnischen Durch­mischung, in der sie sich weniger als soziale Außenseiter fühlen. Der kulturelle Austausch scheint eine gewisse protektive Wirkung gegen gewisse mentale Probleme zu haben, meint Kirkbride. Die Studie zeigt seiner Ansicht nach, dass Umweltfaktoren insgesamt eine größere Bedeutung für die Entstehung psychotischer Störungen haben als vielfach angenommen. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

doc.nemo
am Freitag, 8. Dezember 2017, 09:02

Ein abgeschlossenes Medizinstudium

hilft ungemein dabei, wenn man sinnvolle Kommentare in einem Medizinforum abgeben will, lieber e.ne, vor allem, wenn sie medizinischen Grundlagen widersprechen. In diesem Fall allerdings hätte sogar schon ein Blick in Wikipedia genügt um erfahren zu können, dass es sich bei der Schizophrenie um eine klassische Psychose handelt.
e.ne
am Freitag, 8. Dezember 2017, 02:39

Eine Psychose ist ja nicht dasselbe wie Schizophrenie

Bei der Psychose sind Gefühle verletzt.
Die Leute werden für x-was alles gehalten und verrückt angegangen/angesprochen - irre - falls überhaupt - und nicht alle nur WAND und nur hinten herum mit Anderen. quak quak
Manche gehen auch nur zum Arzt - damit er sie kennt, schon mal gesehen hat, richtig hält ...
Das erfordert Konzentration und Wissen worauf es ankommt
und ist nicht dasselbe wie STALKING (sich ins Gefühl einschleichen, dieses zerschlagen und dann mittels dem direkten Weg die Person quasi unter Kontrolle haben - leiten/lenken können - dahin wohin man sie haben will.Machen bei dem Spiel mehr oder weniger viele Dorfbewohner mit - kann das
effektiv aus der Sicht der Dorfbewohner sein - für den Fremden, Betroffenen wirkt das irre.
Das hat was mit "anders gehen"den Uhren zu tun. Bayern war da in den 90ern ganz schlimm am
Alpenrand. "Im Gefühl zerbombt" dachte da mal jemand - so ähnlich empfand ich das damals auch:
Mit jedem Schritt oder jedem Wort wie auf Tretminen. - So war die Reaktion/Verhalten der Einheimischen - (Tatsächlich fanden die Kriege in anderen Ländern statt - die nehmen wir zwar auch auf -
aber anders.)
Nach ein paar Minuten eine "Verdachtsdiagnose" extremster Art ist natürlich auch was. Bringt Geld.
und: "Geh zum Arzt und du bist: krank!" o.B. scheint es nicht mehr zu geben. Dem "Arzt" ist das egal - Pat tut gut daran, sich aus dem Staub zu machen.
e.ne
am Freitag, 8. Dezember 2017, 02:09

Das ist doch ganz einfach

Die Fremden sind immer gefährdet. Die meisten Fremden sind aber auch alleine > leicht zu diagnostizieren - ganz schnell. "Südlich von London..." Die sind natürlich nicht gefährdet - sie werden nur so
hingestellt - zunächst einmal brauchen "Ermittler" einen Grund > dieser ist "Fremd!" und damit machen sie jeden sowieso schon krank. Jeder der verfolgt wird fühlt sich auch verfolgt also "Paranoia". Zu "seelisch krank!" sind die Leute rabiat, bösartig, übervorsorglich nur im Fall von "einsperren"
und sie zu bestehlen - die Finger auf das Geld. Fremde sehen seit Jahrzehnten mindestens so gut
wie nichts normales. Nicht zuletzt deshalb weil die Einheimischen alle "da" sind/ vorgeben zu sein.
Vielleicht in ihrer Welt. Keinesfalls in der Welt der Fremden. Das aber interessiert sie nicht. Die nehmen alles an was ihnen zufliegt oder zugetragen wird von egal wie wieviel Personen auch immer.
Oder auch aus den Medien, regt auch sehr die Phantasien an (sieht der die nicht aus wie der die?)
usw.

Nachrichten zum Thema

28.11.17
Schizophrenie: Avatartherapie schwächt akustische Halluzinationen
London – Ein persönlicher Avatar, über den Schizophreniepatienten in einen persönlichen Dialog mit den Stimmen eintreten, die sie bedrohen, hat in einer randomisierten Studie in Lancet Psychiatry......
06.09.17
Wieso Hungersnöte Schizo­phrenie-Erkrankungen in der nächsten Generation auslösen
Tokio – Ein pränataler Mangel von zwei für die Hirnentwicklung wichtigen Omega-Fettsäuren löst bei Mäusen Verhaltensstörungen aus, die den Prodromalsymptomen der Schizophrenie ähneln. Japanische......
14.08.17
Was bei akustischen Halluzinationen im Gehirn passiert
New Haven – Die Kombination eines vor 125 Jahren erdachten Pawlowschen Experiments, mit dem auch bei gesunden Menschen akustische Halluzinationen erzeugt werden können, und der modernen......
07.06.17
An Schizophrenie Erkrankte haben ungleichmäßiges Zeitgefühl
Mainz – Menschen mit einer Schizophrenie haben ein anderes Zeitgefühl als Gesunde: Die Wahrnehmung einer Zeitdauer schwankt bei den Patienten stärker als bei nicht erkrankten Personen. Dies ergab eine......
30.05.17
Schizophrenie: Biomarker für frühen Lebensstress liefert neuen Therapieansatz
Göttingen – Belastungen in der Kindheit können lebenslang die Hirnaktivität verändern und dadurch möglicherweise die Entwicklung einer Schizophrenie fördern. Ein internationales Forscherteam bringt......
24.03.17
GABA-Spiegel im Liquor bei Schizophrenie erniedrigt
Stockholm – Patienten, die an einer Schizophrenie leiden, haben möglicherweise einen relativen GABA-Mangel im Gehirn. Das schließen Forscher am Karolinska Institut aus den Liquorbefunden von......
16.02.17
Schizophrenie: Mehr Akzeptanz für Erkrankte gefordert
Stralsund – Menschen mit einer Schizophrenie werden Studien zufolge zunehmend ausgegrenzt. Auf einer internationalen Fachtagung in Stralsund forderten Experten mehr Akzeptanz für die Betroffenen. „Wir......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige