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Medizin

Lumbalpunktion: Atraumatische Nadeln senken das Komplikationsrisiko

Dienstag, 12. Dezember 2017

/dpa

Hamilton – Kleine Unterschiede im Design könnten mitunter große Auswirkungen haben. Bei der Lumbalpunktion sind sogenannte atraumatische Nadeln mit deutlich weniger Komplikationen verbunden als konventionelle Kanülen, wie eine Metaanalyse im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)32451-0) zeigt.

Bei der Lumbalpunktion sticht der Arzt mit einer langen Hohlnadel durch die Rücken­muskulatur bis in den Spinalkanal, um Liquor cerebrospinalis zumeist zu diagnosti­schen Zwecken zu entnehmen. Dies geschah lange Zeit mit einer schräg angeschliffe­nen Nadel, die nach dem Erfinder der Untersuchung als Quincke-Kanüle bezeichnet wird (Heinrich Irenaeus Quincke hatte die Lumbalpunktion 1891 zunächst als Behandlung des Hydrozephalus eingeführt).

Die Quincke-Kanüle wird auch heute noch wegen ihrer Stabilität geschätzt. Sie zerschneidet jedoch das Gewebe und hinterlässt nach dem Zurückziehen häufig ein Loch in der Dura mater, durch das Spinalflüssigkeit austreten kann. Der Verlust an Spinalflüssigkeit wird für die Kopfschmerzen verantwortlich gemacht, unter der viele Patienten nach einer Lumbalpunktion leiden.

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Schon seit den 1980er-Jahren gibt es sogenannte atraumatische Nadeln mit einer runden Spitze. Diese Nadeln lassen sich schlechter handhaben, da sie das Gewebe verdrängen statt es zu durchstechen. Häufig muss die Haut zunächst mit einem Skalpell eröffnet oder mit einer scharfen Nadel vorgestochen werden. Die atraumatischen Nadeln hinterlassen aber, da sie das Gewebe schonen, nach dem Zurückziehen kein Loch. 

Obwohl nicht wenige Studien in den letzten Jahren gezeigt haben, dass die atraumati­schen Nadeln für den Patienten schonender sind, haben sie sich bisher nicht überall durchgesetzt, wobei neben der etwas umständlicheren Durchführung der Lumbal­punktion auch der höhere Preis eine Rolle spielen könnte, wie Saleh Almenawer von der McMaster University in Hamilton/Ontario vermutet.

Um für die atraumatische Kanüle zu werben, hat der Neurochirurg die Daten von 110 Studien ausgewertet, die zwischen 1989 und 2017 in 29 Ländern durchgeführt wurden und an denen insgesamt 31.412 Patienten teilnahmen.

Die Inzidenz von Punktionskopfschmerzen wurde signifikant von 11,0 Prozent auf 4,2 Prozent gesenkt. Almenawer ermittelt ein relatives Risiko (RR) von 0,40, das mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,34 bis 0,47 signifikant war.

Nicht nur Kopfschmerzen treten seltener auf. Die Patienten leiden seltener unter Nervenwurzelreizungen (RR 0,71; 0,54–0,92) oder Hörstörungen (0,25; 0,11–0,60). Die Patienten benötigten in den randomisierten Studien seltener intravenöse Flüssigkeit oder eine kontrollierte Analgesie (RR 0,44; 0,29–0,64), und eine „Blutplombe“, die durch Injektion von Blut in den Epiduralraum das Liquorleck abdichtet, wurde seltener erforderlich (RR 0,50; 0,33–0,75).

Dabei war die Erfolgsrate der Lumbalpunktion nicht geringer als nach Verwendung einer Qunicke-Nadel. Die Ärzte benötigen nicht mehr Versuche und die Häufigkeit von Rückenschmerzen war nicht erhöht.

Nach Ansicht von Almenawer sollten deshalb bei jeder Lumbalpunktion atraumatische Nadeln verwendet werden. Diederik van de Beek und Matthijs Brouwer von der Univer­si­­tät Amsterdam stimmen ihm zu: Die derzeitige Praxis muss sich ändern, fordern die beiden Neurologen im Editorial. © rme/aerzteblatt.de

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lupus1955
am Mittwoch, 13. Dezember 2017, 12:13

Lumbalpunktion durch die Rückenmuskulatur

Ich habe nach 35jähriger Berufstätigkeit vielleicht nicht alle neuen Trends erfahren, dass aber die Spinalpunktion durch die Rückenmuskulatur per se risikobehaftet und auch nur erschwert durchführbar ist, kann ich gut nachvollziehen. Ich gehe davon aus, dass a- oder traumatisch dabei nicht sehr relevant ist.
Bitte immer die anatomischen Gegebenheiten berücksichtigen bei journalistischer Tätigkeit...
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