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Politik

Entlassmanagement: Krankenhäuser schaffen sich eigene Systeme

Freitag, 8. Dezember 2017

Berlin – Bereits vor dem Inkrafttreten der neuen Regelungen zum Entlassmanagement haben viele Krankenhäuser begonnen, ein hausinternes Entlassmanagement zu implemen­tieren. Eines davon ist das Universitätsklinikum Heidelberg.

„Eine Umfrage unter unseren Patienten hat ergeben, dass jeder Zweite Verbesserungs­potenzial beim Entlassprozess gesehen hat“, sagte Simone Tanger vom zentralen Projekt­management des Uniklinikums vergangene Woche beim Nationalen Qualitäts­kongress Gesundheit in Berlin. Im Anschluss habe man sich in Heidelberg ent­schlossen, einen komplett neuen Workflow beim Entlassmanagement zu erarbeiten – möglichst ohne zusätzlichen Aufwand zu generieren.

Das Projekt startete im Jahr 2015. Die Ziele waren dabei die Vermeidung doppelter Dokumentationen durch die Nutzung mobiler Geräte, weniger Dokumentation durch die Verknüpfung von Daten sowie Transparenz für alle Berufsgruppen. Die Patienten sollten zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Unterlagen entlassen und eine Rehospitalisierung vermieden werden. 

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Mobile Endgeräte und vernetzte Dokumentation

„Früher wurde bei uns vieles doppelt dokumentiert“, berichtete Tanger. Papiere seien  ausgedruckt, am Patientenbett dokumentiert und die Daten dann wieder in den PC eingegeben worden. „Das war nicht optimal und hat auch zu Unmut bei unseren Mitarbeitern geführt. Wichtig ist jetzt also, dass wir mobile Endgeräte benutzen und dass wir eine vernetzte Dokumentation haben“, sagte Tanger. „Bei der dafür notwendigen Software handelt es sich um eine Erweiterung unseres Grundsystems, die wir selbst programmiert und in unser KIS-System eingebaut haben.“

In Heidelberg werden nun alle Patienten, gesetzlich wie privat Versicherte, bei der Aufnahme über das Entlassmanagement aufgeklärt und um Einwilligung gebeten. Bei der Aufnahme wird zudem die Medikation aufgenommen und dokumentiert. Sämtliche Daten können dabei von den Beteiligten eingesehen werden. Wenn sich daran während des Aufenthalts etwas verändert, wird dies sofort digital am Krankenbett dokumentiert.

Aus einer Checkliste kann digital ein Entlassplan erstellt werden

In der Software ist eine Checkliste enthalten, mit der alle notwendigen Schritte abgearbei­tet werden. Ist ein Punkt erledigt, wird ein Häkchen gesetzt. Ist er noch offen, wird dies vom System angezeigt. „Wenn alle Aufgaben erledigt sind, kann aus der Checkliste digital ein Entlassplan generiert werden“, erklärte Tanger. „Darin steht dann unter anderem, was wir für den Patienten organisiert haben und welche Medikation wir ihm mitgeben.“ In diesem Zusammenhang erfolgt auch eine Wirtschaftlichkeits­prüfung. 

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz hatte der Gesetzgeber eine Neuordnung des Entlassmanagements auf den Weg gebracht. In einem Rahmenvertrag, deren Inhalte seit dem 1. Oktober 2017 gelten, hatten Deutsche Krankenhausgesellschaft, GKV-Spitzenverband und Kassenärztliche Bundesvereinigung das Nähere geregelt. Zum Beispiel müssen Patienten über das Entlassmanagement aufgeklärt werden, und Kranken­haus­ärzte mit abgeschlossener Facharztweiterbildung haben ein Verordnungs­recht erhalten. Viele Krankenhäuser und Krankenhausärzte haben die Neuregelung als viel zu bürokratisch kritisiert.

Modellprojekt integriert die Hausärzte

Ebenfalls seit dem 1. Oktober gibt es in Baden-Württemberg ein Projekt zum Entlass­management, das auch die Hausärzte miteinbezieht. Es heißt „Vespeera“ und wird durch den Innovationsfonds gefördert. Es ist in den Hausarztvertrag Baden-Württemberg eingebaut und läuft bis zum 30. September 2022.

„Ziel des Projektes ist die Optimierung der sektorenübergreifenden Versorgung im Einweisungs- und Entlassmanagement“, erklärte Katrin Tomaschko von der AOK Baden-Württemberg, die das Projekt leitet, auf dem Nationalen Qualitätskongress Gesundheit. „Dabei sollen Versorgungslücken und Informationsbrüche ebenso vermieden werden wie eine Doppelversorgung oder Rehospitalisierung.“

Krankenhaus erhält strukturierten Einweisungsbrief

Bereits in der Hausarztpraxis werden die Patienten über ihren geplanten Krankenhaus­aufenthalt informiert und ermutigt, Fragen zu stellen. Mithilfe einer speziellen Software wird ein strukturierter Einweisungsbrief erstellt, den das aufnehmende Krankenhaus erhält.

Vor der Entlassung tauschen sich Krankenhaus und Hausarztpraxis aus. Es wird erörtert, wie sich der Unterstützungsbedarf der Patienten infolge des Krankenhaus­aufenthaltes verändert hat und es wird die Entlassmedikation besprochen. Liegt ein Risiko für eine Rehospitalisierung vor, können sich die Patienten in ein Telemonitoring einschreiben, das maximal drei Monate durch eine speziell geschulte Medizinische Fachangestellte (MFA) der Praxis durchgeführt wird.

„Ein Vorteil des Projektes ist es, dass wir bereits auf die vorhandenen Strukturen unseres Hausarztvertrages in Baden-Württemberg aufbauen konnten“, sagte Tomaschko. So sei der Hausarzt als Lotse bereits etabliert. Es gebe 2.000 im Case Management ausgebildete MFA in den Praxen. Und die Software zur Durchführung eines strukturierten Assessments sei bereits in 600 Hausarztpraxen installiert. „Wir verwenden die Vorgaben aus dem Rahmenvertrag und erweitern sie, zum Beispiel durch einen Hospital Score, der ein Bild über das Rehospi­tali­sierungsrisiko gibt“, so Tomaschko. © fos/aerzteblatt.de

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