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Medizin

Immunzellen sagen Heilungschancen bei Brustkrebs voraus

Sonntag, 10. Dezember 2017

/karelnoppe, stock.adobe.com

Berlin – Eine effektive Krebstherapie ist häufig auf die Unterstützung durch das Immunsystem angewiesen. Der Nachweis von  tumorinfiltrierenden Lymphozyten im Tumorpräparat kann deshalb bei der neoadjuvanten Chemotherapie ein wichtiger Gradmesser für den Erfolg der Behandlung sein, wie eine Studie in Lancet Oncology (2017; doi: 10.1016/S1470-2045(17)30904-X) zeigt.

Bei der neoadjuvanten Chemotherapie werden die Patienten bereits vor der Operation mit Zytostatika behandelt. Dies führt häufig zu einer Verkleinerung des Tumors, was die Ausdehnung der Operation begrenzen kann. Im Resektat finden die Pathologen neben den Tumorzellen häufig auch tumorinfiltrierende Lymphozyten (TIL). Sie gelten als Hinweis auf eine effektive Immunabwehr des Körpers. 

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Prof. Carsten Denkert von der Berliner Charité und Mitarbeiter haben jetzt den Anteil der TIL in 3.771 Gewebeproben von Patientinnen aus sechs klinischen Brustkrebsstudien analysiert. Alle Frauen hatten vor der Operation eine Chemotherapie erhalten.

Die höchste Anzahl von TIL fanden die Pathologen beim sogenannten  Triple-negativen Mammakarzinom (auf dessen Oberfläche Rezeptoren für Östrogen, Progesteron und HER2 fehlen). Hier hatte der Nachweis der TIL den größten Einfluss auf die Prognose. Jede Zunahme der TIL um 10 Prozent verbesserte das krankheitsfreie überleben um 7 Prozent (Hazard Ratio 0,93; 0,87-0,98). Auch beim HER2-positiven Mammakarzinom gab es eine signifikante Assoziation. Die Forscher fanden eine Hazard Ratio von 0,94 (0,89–0,99). 

Ganz anders verhielt es sich beim luminalen Subtyp (Hormonrezeptor-positiv/HER2-negativ). Patientinnen mit dieser Brustkrebsform zeigten insgesamt niedrigere TIL-Werte und hier waren die TIL nicht mit einem verbesserten Überleben assoziiert (Hazard Ratio 1,02; 0,96-1,09).

Die Pathologen gehen inzwischen davon aus, dass diesem Brustkrebstyp eine andere Immunreaktion zugrunde liegt und die Zusammensetzung der eindringenden Immunzellen anders ist. Bei genauerem Hinschauen zeigte sich, dass vor allem Makrophagen im Tumor ein Zeichen für eine schlechte Prognose bei der luminalen Brustkrebsform sind. Ein hoher Anteil Antikörper-bildender B-Zellen korrelierte dagegen mit guten Überlebenschancen. 

Die Anwesenheit von TIL im Tumor zeigt nicht nur an, welche Patientinnen von einer Chemotherapie profitieren. Bei diesen Patienten könnte auch eine Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren effektiv sein. Diese Medikamente blockieren Signale, mit denen Tumorzellen die Abwehrzellen ausbremsen. Die German Breast Group prüft derzeit in der GeparNuevo-Studie, inwiefern sich die Immunzellen als Marker für eine erfolgreiche Immuntherapie mit sogenannten Checkpoint-Hemmern eignen. © rme/aerzteblatt.de

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