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Politik

Patientenvertreter wollen wirksameres Qualitätssicherungs­verfahren für Sepsis

Montag, 11. Dezember 2017

/dpa

Berlin – In Deutschland könnten 15.000 bis 20.000 Todesfälle durch Sepsis verhindert werden, wenn es eine wirksamere Qualitätssicherung geben würden. Das liege unter anderem daran, dass die Sepsis nicht immer frühzeitig erkannt und behandelt werde, teilten heute die Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mit. Sie haben – fachlich insbesondere von der Sepsis-Stiftung unterstützt – einen Antrag für eine bessere Qualitätssicherung beim G-BA eingebracht.

„Die Patientenvertretung stellt diesen Antrag im öffentlichen Plenum, um den G-BA aufzufordern, rasch tätig zu werden“, sagte Frank Brunsmann, Sprecher der Patienten­vertretung im Unterausschuss Qualitätssicherung. Eine bessere Qualitätssicherung könne Tausende retten und hohe Folgekosten für die gesetzliche Krankenversicherung vermeiden.

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Bewusstsein stärken

„Eine Sepsis kann jeden treffen“, sagte auch Ilona Köster-Steinebach, Patientenver­treterin vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Sie betonte, es müssse „alles getan werden, damit weniger Todesfälle und schwere Folgeschäden wie etwa lebenslanger Bedarf an Beatmung auftreten“. Dazu müsse bei Medizinern und Krankenhausleitungen aber das Bewusstsein geschärft werden, dass eine Sepsis ein genauso dringender Notfall wie ein Schlaganfall sei, sagte sie.

Die Patientenvertreter führen aus, in Deutschland habe das vom Bundesforschungs­ministerium geförderte Medusa-Projekt vergeblich versucht, Verbesserungen bei der Versorgung von Sepsis-Verdachtsfällen in den am Projekt beteiligten 40 Kranken­häusern zu bewirken. „Um die Krankenhausleitungen zu motivieren, notwendige organisatorische Veränderungen vorzunehmen und die Kenntnis der Sofortmaßnahmen bei den behandelnden Ärzten zu erhöhen, erachtet deshalb die Patientenvertretung die Etablierung eines Pakets aus Qualitätssicherungs- und -förderungsmaßnahmen über den G-BA als dringend notwendig“, erklärten die Patientenvertreter heute.

Sie verweisen auf Initiativen aus dem Ausland, die zeigten, dass die Sterblichkeit erheblich gesenkt werden könne, wenn in der ersten Stunde nach Eintreten der Sepsis ein festgelegtes Bündel an Erstmaßnahmen erfolge. Auch ein Modellprojekt in Deutsch­­land am Universitätsklinikum in Greifswald habe gezeigt, dass die Sterb­lichkeit für die ersten 90 Tage nach schwerer Sepsis um 15 Prozent gesenkt werden konnte.

2015 wurden laut Sepsis-Stiftung bei rund 136.500 Menschen in Deutschland eine schwere Sepsis oder ein septischer Schock diagnostiziert. Mehr als 41 Prozent starben noch im Krankenhaus, viele andere erlitten dauerhafte Schäden. © may/EB/aerzteblatt.de

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