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Viele Beschäftigte im Krankenhaus erleben Digitalisierung als zusätzliche Arbeit

Montag, 11. Dezember 2017

/adam121, stock.adobe.com

Bonn – Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bedeutet für viele Beschäftigte im Krankenhaus einen höheren Zeitdruck und zusätzliche Unterbrechungen ihrer Arbeit. Das geht aus einer Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. Bereits im vergangenen Jahr hatten Gesundheits- und Sozialwissenschaftler um Michaela Evans, Josef Hilbert und Christoph Bräutigam vom Institut Arbeit und Technik (IAT) mehr als 500 Pflegekräfte, knapp 40 Ärzte und rund 100 weitere Klinikangestellte befragt.

Der Untersuchung zufolge finden zwar 61 Prozent der Beschäftigten, dass digitale Technologien die eigene Arbeit erleichtert. Jeweils 40 bis 50 Prozent berichten von Zeitersparnis, mehr Effektivität und qualitativen Verbesserungen bei der Patienten­versorgung. Andererseits scheint es zu einer deutlichen Arbeitsverdichtung gekommen zu sein: Ein Drittel der Befragten beklagt mehr Hetze und Leistungsdruck. Je ein Viertel fühlt sich bei der Arbeit häufiger gestört und am Arbeitsplatz stärker kontrolliert.

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Fehlende Transparenz beim Umbau

Bei den Folgen der Digitalisierung auf die Beschäftigung im Gesundheitswesen berichten die Autoren der Studie Unterschiede abhängig von der Trägerschaft der Kliniken. Von den befragten Mitarbeitern in privaten Krankenhäusern diagnostizierten 28 Prozent Jobverluste, 17 Prozent sprechen von neuen Arbeitsplätzen. Bei den freigemeinnützigen Trägern berichten 13 Prozent der Befragten, dass Stellen weggefallen seien, 17 Prozent von neuen Arbeitsplätzen in Verbindung mit der Digitalisierung. Bei Krankenhäusern in öffentlicher Trägerschaft sind nach Einschätzung von 19 Prozent der Befragten Stellen weggefallen.

Ein Problem ist offenbar die Partizipation und die Transparenz beim digitalen Umbau. Weniger als 30 Prozent der befragten Arbeitnehmer fühlen sich rechtzeitig und umfassend informiert, wenn es um digitale Neuerungen geht. 15 Prozent wurden bei der Entwicklung technischer Lösungen umfassend beteiligt, 12 Prozent bei der Auswahl der Produkte, weniger als ein Viertel bei der Bewertung. Das Interesse des Managements an echter Beteiligung scheine eher gering ausgeprägt zu sein, urteilen die IAT-Forscher.

Die Studie zeigt auch, wieweit die Digitalisierung im Krankenhaus bereits fort­ge­schritten ist. Jeweils mehr als 70 Prozent der Befragten nutzen demnach regelmäßig digitale Technik in den Bereichen Kommunikation, Logistik, Management und Personal, Patientenversorgung, Information und Qualifizierung. Zu den Einzelaufgaben, die in diesem Zusammenhang am häufigsten genannt werden, gehören die Recherche von Fachinformationen, Materialanforderungen, Diagnosen und Verwaltung von Patientendaten.

84 Prozent der Befragten nutzen Computer, 60 Prozent Digitalkameras und 53 Prozent Monitoring-Systeme, mit denen sich beispielsweise die Vitalwerte von Patienten überwachen lassen. Ein Viertel verwendet im Dienst Smartphones, ein Zehntel Tablets. Informationen über Patienten werden laut Befragung aber nach wie vor zu 55 Prozent mündlich ausgetauscht, Dokumentationen erfolgen zu 58 Prozent in Papierform. © hil/aerzteblatt.de

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