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Medizin

Ausdauertraining soll Morbus Parkinson bremsen

Dienstag, 12. Dezember 2017

Brian Jackson - stock.adobe.com

Denver – Ein anspruchsvolles Ausdauertraining, das Patienten mit einem neu diagnostizierten Morbus Parkinson bis zu viermal in der Woche bis an ihre Leistungsgrenzen herausforderte, hat in einer randomisierten Studie in JAMA Neurology (2017; doi: 10.1001/jamaneurol.2017.3517) das Fortschreiten der Erkrankung zunächst verlangsamt.

Eine Physiotherapie ist heute fester Bestandteil in der Behandlung des Morbus Parkinson. Die Übungen sollen den Patienten helfen, Störungen der Körperhaltung, des Gehens und des Gleichgewichtes zu vermeiden und die Selbstständigkeit bei Aktivi­täten des täglichen Lebens zu erhalten. Ob die Physiotherapie den natürlichen Verlauf der neurodegenerativen Hirnerkrankung tatsächlich beeinflussen kann, ist umstritten.

Tierexperimentelle Studien lassen vermuten, dass am ehesten Ausdauersport in der Lage wäre, die Nervenzellen in den Basalganglien zu erhalten oder sogar die Bildung neuer Neuronen anzuregen. Physiotherapeuten am Anschutz Medical Campus in Denver/Colorado haben ein anspruchsvolles Trainingsprogramm für Parkinson-Patienten entwickelt.

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Es richtet sich an Patienten, bei denen die Erkrankung neu diagnostiziert wurde und die nach Einschätzung der Neurologen noch keine Medikamente benötigen. Das Programm sieht vier Sportstunden pro Woche vor. Nach dem Aufwärmen trainieren die Patienten für 30 Minuten auf einem Laufband.

In einem intensiven Training belasten sich die Patienten auf 80 bis 85 Prozent ihrer maximalen Herzfrequenz, in einem moderaten Training steigt die Herzfrequenz auf 60 bis 65 Prozent des Maximalpulses.

Margaret Schenkman vom Anschutz Medical Campus und Mitarbeiter haben beide Trainingsintensitäten in der SPARX-Studie („Study in Parkinson Disease of Exercise“) mit einer Kontrollgruppe verglichen, die kein Sportprogramm absolvierte. An der Studie nahmen 128 Patienten teil. Sie waren im Durchschnitt 64 Jahre alt, ihre Symptome waren vor 1,5 Jahren zuerst aufgetreten und die Diagnose lag erst wenige Monate zurück. Die Patienten wurden zu gleichen Teilen auf die drei Gruppen randomisiert. Die Studiendauer betrug 26 Wochen.

Die Forscher hatten nicht erwartet, dass die Patienten alle Termine wahrnahmen. In der Intensiv-Gruppe absolvierten die Patienten im Durchschnitt 2,8 Trainingseinheiten in der Woche, beim moderaten Training waren es 3,2 im Durchschnitt 2,8 Trainings­einheiten in der Woche.

Primärer Endpunkt der Studie war der motorische Abschnitt der Unified Parkinson's Disease Rating Scale (UPDRS), der Werte von 0 bis 108 annehmen kann, wobei der Wert mit dem Schweregrad der Symptome ansteigt.

Vor Beginn der Studie hatten die Teilnehmer eine UPDRS-Punktzahl von etwa 20. In der Kontrollgruppe kam es im Verlauf der 26 Wochen zu einem signifikanten Anstieg um 3,2 Punkte. Unter dem moderaten Training stieg der UPDRS um 2,0 Punkte, was keine signifikante Verbesserung darstellte. Die Patienten, die das intensive Training durchführten, konnten ihren UPDRS bei einem minimalen Anstieg um 0,3 Punkte dagegen halten.

Das intensive Training scheint sich demnach günstig auf den Verlauf der Erkrankung auszuwirken. Die Unterschiede waren jedoch nicht signifikant und es bleibt abzuwarten, wie lange die Patienten unter dem intensivierten Sportprogramm ihren Vorsprung halten können (und ob sie die Motivation aufrechterhalten können). 

Schenkman bleibt bei der Bewertung vorsichtig. Die Ergebnisse würden zunächst zeigen, dass ein intensives Sportprogramm bei Parkinson-Patienten im Frühstadium sicher ist. Hinsichtlich der Effektivität spricht sie von einer „Non-Futility“. Ein intensives Sportprogramm sei kein aussichtsloser Versuch, den Verlauf der Erkrankung zu beeinflussen. Den Beweis könne jedoch nur eine größere Studie erbringen. © rme/aerzteblatt.de

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