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Politik

Altenpfleger sind als Berufsstand kaum organisiert

Mittwoch, 13. Dezember 2017

/dpa

Berlin – Die Interessenvertretung in der Altenpflege ist offenbar nur sehr schwach ausgeprägt. Das berichtet der Sozialwissenschaftler Wolfgang Schroeder vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) in einer neuen Studie. Er befragte dafür bundesweit 750 Beschäftigte in der Altenpflege. Danach sind elf Prozent der Pflegekräfte Mitglied in einer Gewerkschaft. Nur eines von zehn privaten Pflegeheimen habe einen Betriebsrat.

Die Alten- und Krankenpflege steht laut der Untersuchung noch immer in der Tradition eines wohltätigen Liebesdienstes. „Dieses Denkmuster macht es schwer, aus Pflegejobs normale Arbeitsverhältnisse zu machen und gemeinsam Rechte einzufordern“, erläuterte Schroeder. Das zeigten die Antworten der Befragten. Knapp 70 Prozent sagten, sie erhielten die Wertschätzung für ihre Arbeit von den Patienten, aber nur 20 Prozent gaben an, dass ihre Arbeit von der Gesellschaft sehr geschätzt werde. Zu streiken bedeutet für 77 Prozent der Befragten, ihre Patienten im Stich zu lassen.

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Die Branche ist laut der Studie zudem sehr uneinheitlich organisiert – sie gliedert sich in stationäre und ambulante Pflege, verschiedene Träger, gut ausgebildete Fach- und angelernte Hilfskräfte. Die Ausbildung sei nicht einheitlich. Viele Beschäftigte gelangten über Umwege in die Altenpflege und übten hier ihren Zweit- oder Drittberuf aus. Die Unterschiede bei Entlohnung, Arbeitsumfang und beruflicher Verweildauer seien entsprechend groß.

„Das erschwert die Herausbildung eines kollektiven Selbstverständnisses wie es zum Beispiel in der Industrie existiert“, erläuterte Schroeder. Neun von zehn Pflegekräften sehen dem Forscher zufolge zudem nicht den Arbeitgeber, sondern den Staat in der Verantwortung für die Verbesserung ihrer Arbeitssituation. „Richtig ist, dass der Staat die Bedingungen grundlegend verbessern sollte. Aber es braucht die kollektive Selbstorganisation in den Betrieben und durch die Gewerkschaften, um für die Beschäftigten etwas zu erreichen“, so der Sozialwissenschaftler. Nur so könne der Pflegeberuf aufgewertet werden.

Kaum eine Branche wächst derzeit so stark wie die Altenpflege. Zwischen 1999 und 2015 stieg die Zahl der Beschäftigten um 460.000 auf knapp 1,1 Millionen. Laut der Studie arbeiten 65 Prozent von ihnen in Teilzeit, 85 Prozent der Beschäftigten sind Frauen. © hil/aerzteblatt.de

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