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Reform der Psychothera­peutenausbildung: Medizinische Fachgesellschaften lehnen Arbeitsentwurf ab

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Berlin – Drei medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften lehnen in einer aktuellen Stellungnahme den vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) vorgelegten Arbeitsentwurf zur Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung ab.  Würde der Entwurf so umgesetzt „wird die Versorgungsqualität gefährdet und somit die Patientensicherheit“, schreiben die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM), die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) sowie die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN.

Das BMG scheine die Zielsetzung der Reformpläne aus dem Auge verloren zu haben, nämlich die Verbesserung der Ausbildungsqualität für Psychologische Psycho­therapeuten (PP) und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) und eine angemessene Bezahlung während des praktischen Jahres in Psychiatrischen Kliniken, schreiben die drei Fachgesellschaften in der Stellungnahme. Stattdessen fördere der Entwurf „die Abspaltung der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen aus dem medizinischen System, anstatt die Vernetzung beider Berufsgruppen voranzubringen“.

Arbeitsentwurf für ein „Psycho­therapeuten­ausbildungs­reform­gesetz“

Das BMG hat den Arbeitsentwurf für ein „Psycho­therapeuten­ausbildungs­reform­gesetz“ bereits am 26. Juli vorgelegt. Dieser sieht ein fünfjähriges Hochschulstudium der Psychotherapie vor, das aus einem Bachelor- und einem Masterstudiengang besteht und mit Staatsexamen endet. Anschließend ist eine Approbation vorgesehen, aber noch keine eigenverantwortliche heilkundliche Tätigkeit und keine Kassenzulassung. Die Berufe PP und KJP sollen künftig zu einem Beruf zusammengeführt werden. In der anschließenden Weiterbildung soll eine Spezialisierung auf Erwachsene oder auf Kinder- und Jugendliche erfolgen und auch der Erwerb der Fachkunde in mindestens einem wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren.

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Der Arbeitsentwurf sorgte bereits für große Kontroversen: Während die Bundespsycho­therapeutenkammer mit den Grundzügen übereinstimmen, sind die Verbände der ärztlichen Psychotherapeuten und die Bundes­ärzte­kammer gegen eine Reform in der vorliegenden Form.

Vorschläge für neue Berufsbezeichnungen

Die Psychotherapie als Behandlungsmethode sollte auf Basis eines Grundberufes erlernt werden, heißt es in der Stellungnahme von DGPM, DGKJP und DGPPN weiter. Bei den ärztlichen Psychotherapeuten sei der Grundberuf der Arzt, die zugrunde­liegende Disziplin die Medizin. Bei den PP sei der Grundberuf der Psychologe, die zugrundeliegende Disziplin die Psychologie. „Analog zum medizinischen Modell sollten deshalb zukünftige PP nach Studium und Approbation zunächst ‚Approbierte Klinische Psychologen‘ und nach erfolgreicher bereichsspezifischer Weiterbildung ‚Fach­psychologe für Erwachsenenpsychotherapie‘ beziehungsweise ‚Fachpsychologe für Kinder- und Jugendpsychotherapie‘ genannt werden“, schlagen die Fachgesellschaften vor.

DGPM, DGKJP und DGPPN sehen darüber hinaus keinen Anlass dafür, die Legal­definition zu ändern, wie es der BMG-Arbeitsentwurf vorsieht. Darin heißt es: „Ausübung von Psychotherapie im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist. (…)“ (§1, Absatz 5).

In einem neuen Gesetzestext sollte der Satz: „Im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung ist eine somatische Abklärung herbeizuführen“, der in §1 Absatz 3 Psychotherapeutengesetz von 1998 die Abstimmungspflichten mit dem ärztlichen Sektor definiert, beibehalten werden, fordern die Fachgesellschaften. Denn die Frage der Feststellung einer psychischen Störung mit Krankheitswert umfasse immer auch eine organische Abklärung, die nur in einer vernetzten Versorgungsstruktur mit Ärzten im Allgemeinen und Fachärzten im Besonderen erfolgen könne.  © pb/aerzteblatt.de

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