Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

EU-Parlament billigt Phosphate in Döner-Spießen mit knapper Mehrheit

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Döner Produktion in der Karmez Dönerfabrik GmbH (2012) /dpa
Döner Produktion in der Karmez Dönerfabrik GmbH (2012) /dpa

Straßburg – Die Zukunft der Döner-Kebab-Spieße ist gesichert: Das Europaparlament hat am Mittwoch den Vorschlag der EU-Kommission gebilligt, phosphathaltige Zusatzstoffe in tiefgefrorenen Döner-Kebab-Spießen explizit EU-weit zu erlauben. Der Vorschlag des Gesundheitsausschusses, zunächst eine Untersuchung über mögliche gesundheitsschädliche Auswirkungen von Phosphaten abzuwarten, verfehlte im Plenum mit nur drei Stimmen die notwendige Mehrheit.

Nach der Zustimmung des Europaparlaments kann die Brüsseler Behörde nun mit der gegenwärtigen Situation Schluss machen, die zu unterschiedlichen Regelungen geführt hat. Einige EU-Staaten, darunter Deutschland, tolerieren die Verwendung von Phosphaten in tiefgefrorenen Fleischspießen, andere nicht. 

Die Kommission werde Fleischspieße nun in eine Liste von Lebensmitteln aufnehmen, für die phophathaltige Zusätze erlaubt sind, erläuterte ein Sprecher des Parlaments. Die Phosphate seien nach Angaben einiger Hersteller bei tiefgefrorenen Spießen notwendig, um die Fleischstücke aneinanderzukleben.

Gegenstimmen kritisieren Panikmache

Gegen die Zulassung hatten im Parlament vor allem Linke und Grüne gestimmt. Die Entscheidung sei zum jetzigen Zeitpunkt „übereilt und unnötig“, kritisierte die SPD-Abgeordnete Susanne Melior. Sie sei vermutlich auch das Ergebnis „der jüngsten Panikmache“, betonte sie mit Blick auf einschlägige Presseberichte, die vor allem in Deutschland bereits ein Ende der beliebten türkischen Spezialität prophezeit hatten.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Entscheidung auf einer breiten wissenschaftlichen Basis erfolgt wäre und nicht aufgrund von Panikmache. Susanne Melior, SPD-Abgeordnete

Melior erinnerte daran, dass die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gegenwärtig eine Untersuchung zu phophathaltigen Zusätzen in Nahrungsmitteln vornimmt. Deren Ergebnisse sollen bis Ende 2018 vorliegen. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Entscheidung auf einer breiten wissenschaftlichen Basis erfolgt wäre und nicht aufgrund von Panikmache.“

Auch der europäische Verbraucherverband BEUC bedauerte das grüne Licht für die Zulassung. Das sei eine „schlechte Nachricht“ für die Verbraucher, sagte die Vorsitzende des Verbandes, Monique Goyens. Es gebe Bedenken hinsichtlich möglicher Auswirkungen dieser Zusätze auf die Gesundheit. Zudem werde dadurch das Fleisch verwässert. Daher sei Phosphat in Fleischspießen bisher nicht erlaubt gewesen – worüber sich manche Hersteller einfach hinweggesetzt hätten. Mangelnde Kontrollen hätten dies in einigen EU-Staaten ermöglicht.

Würde das wirklich so stark die Gesundheit gefährden, wären wir alle längst todkrank. Renate Sommer, CDU-Abgeordnete

Während einer hitzigen Debatte in der Nacht zum Mittwoch hatte die CDU-Abgeordnete Renate Sommer Sozialdemokraten und Grünen „reine Panikmache“ vorgeworfen. Ohne Phosphate wären Döner nur ein „zusammengesackter Fleischhaufen“. Im übrigen seien Phosphate bei vielen Lebensmitteln zugelassen, auch bei Kassler. „Würde das wirklich so stark die Gesundheit gefährden, wären wir alle längst todkrank.“

© afp/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20. April 2018
Hamburg – Auf die Bedeutung von Kohlenhydraten für die Gesundheit und Leistung von Sportlern weist die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin hin. Freizeitsportlern werde häufig
Sportmediziner raten von Low-Carb-Diät ab
10. April 2018
Köln – Die Fitnessbranche wächst weiter kräftig. Ende 2017 zählten die bundesweit fast 9.000 Fitness-Studios gut 10,6 Millionen Kunden. Das sind rund fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz
Fitnessbranche wächst weiter
6. April 2018
London – Seit heute wird in Großbrittanien eine Steuer auf Getränke mit zugesetztem Zucker erhoben. So will die Regierung gegen Übergewicht bei Kindern vorgehen, denn diese nehmen rund ein Fünftel
Steuer auf zuckerhaltige Getränke in Großbritannien in Kraft
5. April 2018
London/Seattle – Kritiker bezeichnen die Zuckersteuer gerne auch als Armensteuer, weil sie in erster Linie Menschen mit wenig Einkommen und Bildung treffen würde. Dieser Theorie widersprechen jetzt
Steuer auf ungesunde Lebensmittel soll vor allem einkommensschwache Menschen schützen
5. April 2018
Wiesbaden/Mannheim – Auf die besonderen Erfordernisse bei der Ernährung von alten Menschen weist die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hin. „Senioren über 70 sind körperlich meist nicht
Internisten warnen vor Mangel- und Fehlernährung im Alter
5. April 2018
Düsseldorf – Die Debatte um zu viel Zucker in Lebensmitteln, vor allem in Getränken, geht weiter. Gestern hatte die Verbraucherorganisation Foodwatch dem Konzern Coca-Cola in einem Report eine
Debatte um Zuckersteuer: Industrie reagiert mit freiwilliger Selbstverpflichtung
5. April 2018
Brüssel – Arbeitnehmer in der Europäischen Union (EU) sollen besser vor fünf krebserregenden Chemikalien geschützt werden. Damit könnten die Arbeitsbedingungen für rund eine Million Menschen

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige