NewsMedizinFritten-Bude statt Fitness-Center: Was in Städten die Adipositas fördert
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Fritten-Bude statt Fitness-Center: Was in Städten die Adipositas fördert

Donnerstag, 14. Dezember 2017

/dpa

London – Menschen, die weniger als einen Kilometer vom nächsten Fitnessstudio, Schwimmbad oder anderen Sportstätten entfernt leben, haben einer bevölkerungs­basierten Kohortenstudie in Lancet Public Health (2017; doi: 10.1016/S2468-2667(17)30212-8) zufolge einen geringeren Taillenumfang, einen niedrigeren Body-Mass-Index (BMI) und einen niedrigeren Körperfettanteil als Menschen, die keine Trainingsangebote in Wohnortnähe vorfinden. Fastfood-Restaurants fördern dagegen die Entwicklung einer Adipositas.

Die Urbanisierung ist weltweit eine wichtige Ursache für die Zunahme der Adipositas und ihren Folgekrankheiten wie Typ 2-Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall. Sie trägt damit wesentlich zu der Morbidität und Mortalität der Bevölkerung und den steigenden Gesundheitskosten bei. Städte gelten als „adipogen“, weil die Bevölkerung Transport­mittel nutzen kann und Zugriff auf günstige hochkalorische Nahrungsmittel hat. Vor allem im innerstädtischen Bereich fehlt es häufig an Einrichtungen, die zu sportlichen Aktivitäten motivieren. In sogenannten Lebensmittelwüsten („Food deserts“) sucht man vergeblich nach Geschäften, die Lebensmittel für eine ausgewogene Ernährung anbieten.

Kate Mason von der London School of Hygiene & Tropical Medicine und Mitarbeiter haben den Zusammenhang jetzt an den Daten der UK Biobank untersucht, die in den Jahren 2006 bis 2010 mehr als eine halbe Million Briten untersucht hat und dabei in der Regel auch Taillenumfang, BMI und Körperfettanteil bestimmt hat. Der Wohnort der Teilnehmer wurde dann mit den Daten der „Ordnance Survey“ abgeglichen, einer britischen Behörde zur Landvermessung, die auch die Adressen von Sporteinrichtungen und Fastford-Restaurants erfasst.

Anzeige

In Großbritannien gibt es viele Fitness-Studios, Vereine oder andere Sportein­rich­tungen. Sie befinden sich im Durchschnitt in weniger als einem Kilometer Luftlinie von den Wohnungen entfernt. Ein Drittel der Briten müsste allerdings weitere Strecken zurücklegen. Diese Gruppe hat nach den Berechnungen von Mason einen um 1,22 cm größeren Taillenumfang, einen um 0,57 kg/m2 größeren BMI und einen um 0,81 Prozentpunkte höheren Körperfettanteil.

Die Schaffung von Sportstätten in der näheren Umgebung könnte deshalb der Adipositas der Bevölkerung entgegenwirken, schreibt Mason.

Eine weitere Möglichkeit könnte die Einschränkung von Lizenzen für Imbisse sein. Mason fand nämlich heraus, dass auch die Nähe zum nächsten Imbiss die Adipositas fördert, der Einfluss war allerdings weniger stark als bei den Sportstätten. Briten, die weniger als 500 Meter vom nächsten Fastfood-Geschäft entfernt wohnen, hatten einen um 0,26 cm größeren Taillenumfang und auch BMI und Körperfettanteil waren höher als bei Briten, die mehr als zwei Kilometer bis zum nächsten Imbiss zurücklegen mussten.

Die leichte Fastfood-Verfügbarkeit wirkte sich vor allem bei Frauen negativ auf Körpergewicht und Verfettung aus. Mason führt dies auf die häusliche Tätigkeit vieler Frauen zurück, die seltener die Wohnung verlassen und deshalb besonders anfällig für die schnellen Mahlzeiten aus der Imbissküche seien. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17. Juli 2018
Columbus/Ohio – Ist die Adipositas im Kindesalter eine Folge schlechter Erziehung? Eine Studie in JAMA Pediatrics (2018; doi: 10.1001/jamapediatrics.2018.0413) kommt zu dem Ergebnis, dass Knaben,
Gestörte Selbstregulation? Studie sucht nach psychologischen Ursachen der Adipositas im Kindesalter
5. Juli 2018
Berlin – Eine neue Leitlinie „Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen“ soll nach Auffassung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) Magen-Operationen bei geeigneten Diabetespatienten
Adipositas und metabolische Erkrankungen: S3-Leitlinie soll Eingriff schneller möglich machen
2. Juli 2018
Berlin – In Deutschland sind weit mehr als die Hälfte der Eltern zu dick. 36 Prozent der Väter und Mütter sind übergewichtig und 22 sogar fettleibig, wie eine heute in Berlin veröffentlichte Umfrage
Viele Eltern sind übergewichtig oder fettleibig
25. Juni 2018
London – Während Übergewicht und Adipositas nachweislich das Brustkrebsrisiko nach der Menopause erhöhen, scheinen sie bei jüngeren Frauen eher eine protektive Wirkung zu haben. Dies legt eine Studie
Adipositas könnte vor prämenopausalem Mammakarzinom bewahren
12. Juni 2018
Boston – Eine chemische Modifikation von Sucralfat, einem seit den 1980er-Jahren eingesetzten Schleimhautprotektivum, hat in präklinischen Studien in Nature Materials (2018; doi:
Pille statt Operation? Medikament vermindert Glucoseresorption im Darm
31. Mai 2018
Potsdam-Rehbrücke – Adipöse Frauen haben auch dann ein erhöhtes Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wenn sie über Jahrzehnte keine weiteren Stoffwechselrisiken aufweisen und deshalb als
Studie stellt metabolisch gesunde Adipositas infrage
22. Mai 2018
Potsdam – Sowohl die Mutter als auch der Vater beeinflussen über ihre Ernährung die Gesundheit ihres Kindes. Und zwar schon vor einer Schwangerschaft. Zu diesem Ergebnis kommt ein deutsch-chinesisches

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER