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Medizin

Zoonosen werden in Europa häufiger

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Campylobacter bacteria /dpa

Stockholm/Parma – In der Europäischen Union sind im letzten Jahr 246.307 Campylobacter-Infektionen, 94.530 Salmonellosen und 2.536 Listeriosen beim Menschen nachgewiesen worden. Bei den Salmonellen hat es vor allem in Osteuropa einen Anstieg gegeben, wie der aktuelle Zoonosen-Report zeigt, den das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) jährlich veröffentlichen.

Campylobacter-Infektionen sind die mit Abstand häufigste Zoonose beim Menschen. Die 246.307 gemeldeten Fälle bedeuten einen Anstieg um 6,1 Prozent gegenüber 2015. Die beiden Behörden sehen dennoch keine Trendwende. Die Zahl der Erkrankungen sei in den letzten fünf Jahren insgesamt stabil geblieben, heißt es in dem Report.

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Campylobacter werden in erster Linie durch Geflügelfleisch und hier vor allem über gebratenes Hühnerfleisch („Broiler“) übertragen. Die Infektionen verlaufen meistens milde. Bei einer Case-Fatality-Rate von 0,03 Prozent ist die Zahl der Todesfälle insgesamt gering.

Salmonellen werden vor allem durch den Verzehr von Eiern und Eiprodukten sowie Geflügelfleisch übertragen. Salmonellosen verlaufen in der Regel schwerer als Campylobacter-Infektionen. Etwa ein Drittel der Patienten wird hospitalisiert. Die Case-Fatality-Rate beträgt ein Europa derzeit 0,25 Prozent. Bezogen auf alle Zoonosen sind Salmonellen für 45,6 Prozent der stationären Behandlungen und 10 bis 50 Prozent aller tödlich verlaufenden Fälle verantwortlich.

Listeriosen sind nach Infektionen mit Campylobacter, Salmonellen, Yersinien und Shiga-Toxin produzierenden E. coli (STEC) zwar nur die fünfthäufigste Zoonose in Europa. Der Verlauf ist jedoch im Allgemeinen sehr schwer. Insgesamt 97,7 Prozent der gemeldeten Fälle mussten stationär behandelt werden. Die Case-Fatality-Rate betrug 16,2 Prozent. Die Infektion erfolgt in der Regel über verunreinigte oder verdorbene Nahrungsmittel. Die Keime kommen häufig aus dem Erdreich. Die Listeriose ist deshalb im klassischen Sinn keine Zoonose, wird aber als solche geführt.

Die 2.536 Fälle im Jahr 2016 bedeuten eine Zunahme von 9,3 Prozent. Die Häufigkeit der Listeriose hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Deutschland hat nach Finnland und Belgien bezogen auf die Bevölkerung die dritthöchsten Meldezahlen.

Die meisten Todesfälle treten bei Menschen im Alter von über 64 Jahren auf. Die Case-Fatality-Rate beträgt hier 18,9 Prozent, bei über 84-Jährigen sogar 26,1 Prozent.

© rme/aerzteblatt.de

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