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Politik

Vielen Menschen mit depressiver Symptomatik fehlt Unterstützung

Freitag, 15. Dezember 2017

/hunna, stock.adobe.com

Berlin – In Deutschland geben 11,3 Prozent der Frauen und 8,1 Prozent der Männer an, innerhalb eines Jahres psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen zu haben. Das berichten Wissenschaftler des Robert Koch-Instituts (RKI) im neuen Journal of Health Monitoring.

Sie stützen sich dabei auf eine bundesweite Befragung der erwachsenen Bevölkerung, die das RKI im Rahmen des bevölkerungsbezogenen Gesundheitsmonitorings durchführt. Die „GEDA 2014/2015-EHIS-Studie“ basiert auf einer Zufallsstichprobe aus den Bevölkerungs- registern von 301 Gemeinden in Deutschland und schließt 24.016 Teilnehmer ein.

Situation bedenklich

Bei Befragten mit depressiver Symptomatik hatte danach nur etwa ein Drittel Kontakt zu Psychiatern oder Psychotherapeuten. „Im Umkehrschluss haben rund zwei Drittel der Personen mit bestehender depressiver Symptomatik in den letzten zwölf Monaten keine professionelle Hilfe gesucht beziehungsweise wurden im Rahmen der primärärztlichen Versorgung oder von somatisch ausgerichteten Leistungserbringern behandelt“, schreiben die Autoren. Dies sei „sehr bedenklich und erfordert vermehrte Anstrengungen, hier Abhilfe zu schaffen“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler.

Die regionale Verteilung von Leistungserbringern scheint bei der Inanspruchnahme eine besondere Rolle zu spielen: In Regionen mit einer hohen Dichte von Psychiatern und Psychotherapeuten liegt der Anteil der Personen mit depressiver Symptomatik, die psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe nutzen, etwa 15 Prozentpunkte höher als in Regionen mit geringer Versorgungsdichte. „Daneben weisen vor allem ein Leben ohne Partnerschaft sowie eine geringe soziale Unterstützung einen Zusammenhang mit der Inanspruchnahme von Leistungen auf“, berichten die Autoren.

Besonders problematisch erscheint ihnen, dass bezogen auf alle erfassten Depressions­patienten bis zwei Drittel von ihnen unspezifische Diagnosen ohne Schweregrad­kodierung erhielten. „Ob in diesen Fällen von einer leitliniengerechten Behandlung ausgegangen werden kann, die eine präzise Schweregradeinstufung und häufig eine fachärztliche Abklärung erfordern würde, ist fraglich und sollte in weiterführenden Studien genauer untersucht werden“, so die RKI-Autoren.

© hil/aerzteblatt.de

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