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Medizin

Lyme-Krankheit: Borrelien überleben Antibiotika­behandlung im Tiermodell

Freitag, 15. Dezember 2017

Mikroaufnahme einer Zecke Vergrößerung 60:1 /dpa

New Orleans – Eine vierwöchige Behandlung mit Doxycyclin, wie sie bei einer Lyme-Borreliose mit Gelenkbefall empfohlen wird, kann bei Rhesus-Affen die Infektion nicht beenden. Eine Studie im American Journal of Pathology (2017; doi: 10.1016/j.ajpath.2017.11.005) wies die Erreger später teilweise im Gehirn und im Herzmuskel nach. Eine weitere Publikation in PloS ONE (2017; doi: 10.1371/journal.pone.0189071) belegt, dass die Erreger später auf Zecken übertragen werden können.

Die meisten Experten sind sich einig, dass eine akute Lyme-Borreliose durch eine 14-tägige Antibiotikabehandlung kuriert werden kann. Doch nicht alle Patienten bemerken das Erythema migrans, das nach dem Zeckenstich häufig schwach ausge­prägt ist oder auch fehlen kann. Wird die Erkrankung erst diagnostiziert, wenn die Patienten bereits Gelenkbeschwerden haben, ist die Therapie schwieriger. Die Leitlinien empfehlen zunächst eine 28-tägige Antibiotikabehandlung.

Ein Team um Monica Embers von der Tulane University in New Orleans hat im dortigen Primatenzentrum zehn Rhesus-Affen mit B. burgdorferi infiziert und 16 Wochen später acht Affen über 28 Tage mit Doxycyclin behandelt. Drei Monate später wurden Zecken auf die Haut der Affen gesetzt und danach auf B. burgdorferi hin untersucht. Diese Xenodiagnose wurde nach weiteren vier bis sechs Monaten ein zweites Mal durch­geführt.

Die Makaken, deren Erbgut zu 94 Prozent mit dem Menschen überstimmt, gelten als derzeit bestes Krankheitsmodell der Lyme-Borreliose. Die Erkrankung verläuft bei ihnen ähnlich wie beim Menschen. Dennoch wurde ein klassisches Erythema migrans nur bei einem Tier (auf der rasierten Haut) entdeckt.

Ein bis zwei Wochen nach der Infektion wurden Hautbiopsien entnommen. Bei fünf Tieren wurden Spirochäten mittels Kultur nachgewiesen, bei acht Tieren fiel der PCR-Test auf Gene des Erregers positiv aus. Bei neun Tieren kam es nach der Infektion zum Auftreten von Antikörpern. Die einzige Ausnahme war ausgerechnet das Tier, das ein Erythema migrans entwickelt hatte.

Die Immunreaktion auf die Antibiotikabehandlung war bei den einzelnen Tieren sehr unterschiedlich. Bei einem Tier fiel bei drei Antigenen die Antikörperkonzentration auf die Werte vor der Infektion zurück. Bei einem anderen Tier blieben die Antikörper­konzen­trationen erhöht. Die Infektion mit dem gleichen Bakterienstamm von B. burgdorferi kann demnach völlig unterschiedliche Immunreaktionen hervorrufen, schreibt Embers. Antikörpertests sind ihrer Ansicht nach nicht geeignet, den Erfolg einer Antibiotikabehandlung zu beurteilen.

Bei der zweiten Xenodiagnose wurde in drei von fünf behandelten und vier von fünf unbehandelten Affen Borrelien nachgewiesen. Die Antibiotikabehandlung hatte ihr Ziel, die Infektion zu kurieren, offenbar nicht erreicht. Die Forscher haben danach Material der infizierten Zecken auf abwehrgeschwächte Mäuse übertragen. Eine Erkrankung der Mäuse konnte jedoch nicht sicher nachgewiesen werden.

Die nähere Untersuchung der Affen ergab, dass die Borrelien Nervensystem, Herz, Skelettmuskulatur, Gelenke und die Harnblase befallen hatten. Bei zwei Tieren wurden intakte Spirochäten im Gehirn und bei einem dritten Tier im Herzmuskel nach­gewiesen. Alle drei Tiere waren mit Antibiotika behandelt worden. 

Die Ergebnisse zeigen für Embers, dass die Borreliose eine heimtückische Infektion ist, die sich durch Antibiotika vermutlich nicht sicher heilen lässt. Die Forscherin vermutet, dass die Bakterien im Körper Sporen bilden, die von den Antibiotika nicht erreicht werden. Die Antibiotika würden jedoch möglicherweise die Gesamtzahl der Erreger mindern und so den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen. 

Klinische Studien haben gezeigt, dass längerfristig Antibiotikabehandlungen die Symptome nicht unbedingt lindern und die Situation der Patienten aufgrund von Komplikationen (etwa durch Clostridium-difficile-Infektionen) sogar verschlechtern können. © rme/aerzteblatt.de

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gehirnakrobatik
am Samstag, 6. Januar 2018, 16:30

Interessenkonflikt nicht offengelegt ?

Völlig unabhängig vom Thema - die Hauptautorin der Studie ist gleichzeitig im Wissenschaftlichen Beirat der Patientenorganisation, die die Studie finanziell fördert (google Suche 2 min) und gibt an: Kein Interessenkonflikt. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt ...
Huismans
am Dienstag, 19. Dezember 2017, 09:05

Literatursammlung etc. zu Ihrem Beitrag vom 15.12.2017

Literatur etc. zu Ihrem Beitrag:
„Lyme-Krankheit: Borrelien überleben Antibiotika¬behandlung im Tiermodell“:

www.xerlebnishaft.de/trotzantibiosepat.pdf

Beste Grüße
Bernt
Pro-Natur
am Montag, 18. Dezember 2017, 19:24

Weaponization of Infections

https://www.youtube.com/watch?v=sT25HhAVhhU (42'17").
Pro-Natur
am Montag, 18. Dezember 2017, 18:38

Dr. Wheldon treats his wife's MS

...mit 3 verschiedenen Antibiotiken (Doxycycline, Roxithronmycin und Metronidazole) über ein ganzes Jahr! Das war ausgerechnet für Chlamydien pneumoniae. Was müsste man tun, um Lyme borreliose ausheilen? http://www.asthmastory.com/doctor-wheldon-treats-wifes-progressive-multiple-sclerosis/ (die ersten 6 Min.). Lyme borreliose ist "weaponized." https://www.youtube.com/watch?v=sT25HhAVhhU
Marie Schmied
am Samstag, 16. Dezember 2017, 20:40

Zum Nachdenken, über die Kombinationslangzeitantibiose...

Was nicht sein darf, kann nicht sein...? ...oder wie sollte sonst die Ignoranz vieler Ärzte gegenüber den klinischen Erfolgen, an Patienten, welche nach den Leitlinien der Deutschen Borreliose Gessellschaft, behandelt wurden, gewertet werden? Vielen Patienten konnte durch die, angeblich ach so gefährliche Kombinationsantibiose, teilweise gepulst, teilweise längere Zeit durchgängig, ihre Lebensqualität zurückgegeben und zum Teil auch ihre Arbeitsfähigkeit, zurückgegeben werden. Es gibt nach wie vor, keine einzige symptomatische, adäquate und schonendere Therapie, für die an Spätborreliose erkrankten Menschen. Es wird nach wie vor, NICHT geforscht... Ignoranz heilt nicht!
Lieschen Müller
am Freitag, 15. Dezember 2017, 21:08

Antibiotische Behandlung bei Borreliose

So erfreulich es ist, dass die Embers-Studie nun auch im Ärzteblatt Erwähnung findet, so bedauerlich ist es, dass die wissenschaftlichen Kontroversen in diesem Bericht außer Acht gelassen werden. Es ist eine weit verbreitete Meinung, dass eine antibiotische Nachbehandlung die Symptome nicht unbedingt lindert und übermäßig riskant ist. Diese These wird von der IDSA gestützt, die den Begriff chronische Borreliose ablehnt und eine nicht vollständig austherapierte Borreliose gerne als Post-Lyme-Disease-Syndrom (PLDS) oder Post-Lyme-Syndrom (PLS) beschreibt obwohl selbst in einer Studie von Steere et al. bei einem Großteil der Patienten nach Behandlung noch Symptome auftraten. Dafür gibt es weder einen Nachweis noch entspricht es den Gesetzen der Logik bei einem Folgezustand nach einer Infektionserkrankung. Bezug genommen wird dabei häufig auf eine Studie (Klempner at al.: The clinical assessment, treatment, and prevention of lyme disease, human granulocytic anaplasmosis, and babesiosis: clinical practice guidelines by the Infectious Diseases Society of America), bei der vor allem das schlechte Studiendesign dazu führte, dass keine Behandlungseffekte zu finden waren. Dagegen zeigen andere Studien (z.B. Fallon at all: A reappraisal of the u.s. Clinical trials of post-treatment lyme disease syndrome), dass eine Nachbehandlung durchaus nützlich und angemessen sein kann. Leider sind den meisten Ärzten die Studien zum Therapienutzen nicht bekannt, da sich die Med. Leitlinien an der IDSA orientieren und bei PLDS lediglich noch Symptome behandelt werden. Es gibt keinen zuverlässigen Labormarker für eine aktive Borreliose, keinen Konsens in der Wissenschaft und eine breite Palette möglicher Therapieschemata. Bis sich die wissenschaftliche Erkenntnis über die zugrunde liegenden Mechanismen entwickeln gebietet die medizinische Ethik eine partizipative Entscheidungsfindung, die das Selbstbestimmungsrecht von Patienten anerkennt
rieslingroute
am Freitag, 15. Dezember 2017, 20:15

Antibiotische Behandlung bei Borreliose

Mit zwei Wochen Doxycyclin erreichen die Ärzte leider nur, dass diese frisch Infizierten zu Chronikern werden. Und, da die chronische Borreliose leider immer noch von vielen Medizinern negiert wird, landen sie dann in der Reihe der psychosomatisch Kranken oder MS-Kranken, Fibromyalgie, Rheuma.... Diese "Diagnosen" könnte ich noch fortführen.
Die Deutsche Borreliose-Gesellschaft, der Mediziner angehören, die wissen, was Borreliose bedeutet, empfiehlt nicht umsonst eine Ersttherapie mit Doxycyclin über vier Wochen und 400 mg am Tag. Standard in der Ärzteschaft ist leider immer noch in den meisten Fällen 200 mg/Tag und zwei Wochen.
Auch wenn klinische Studien gezeigt haben sollten, dass längere Antibiotikabehandlungen die Symptome nicht unbedingt lindern muss ja etwas getan werden, um den Betroffenen zu helfen. Den Kopf in den Sand zu stecken und zu sagen: es hilft nichts, also machen wir nichts, löst kein Problem! Übrigens tritt unter hoch genug dosierten antibiotischen Behandlungen durchaus zuerst eine Verschlechterung auf; das muss nicht unbedingt eine der vom Verfasser genannten Komplikationen sein.
NUR mit Doxycyclin wird man bei älteren Infektionen auch nicht mehr viel erreichen. Da braucht es dann schon Kombinationen verschiedener Medikamante - so, wie es die Ärzte der Deutschen Borreliosegesellschaft meist verordnen.
Stachys
am Freitag, 15. Dezember 2017, 17:24

Antibiotische Behandlung der Borreliose

Mit Sicherheit kann Borreliose in vielen Fällen durch die übliche Standardtherapie mit 200 mg Doxycyclin über 21 Tage nicht geheilt werden. Die Deutsche Borreliose Gesellschaft empfiehlt dagegen eine Dosierung von 400 mg über 4 Wochen. Und wenn schon auf die Bildung von Dauerformen hingewiesen wird, wieso empfiehlt man nicht eine entsprechende Kombinationsantibiose, die sowohl die Dauerformen, wie auch die freien Spirochäten im Blut bekämpft, wie z.B. Doxycyclin zusammen mit Metronidazol oder Tinidazol?

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