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Medizin

Studie: Fracking senkt Geburtsgewicht

Montag, 18. Dezember 2017

/jon_mullen, stock.adobe.com

Princeton/New Jersey – Neugeborene von Müttern, die in der Nähe von Fracking-Standorten wohnen, kommen häufiger mit einem niedrigen Geburtsgewicht und mit einem schlechteren Gesundheitszustand als Neugeborene aus anderen Regionen zur Welt. Dies geht aus einer Untersuchung in Science Advances (2017; 3: e1603021) hervor.

Das hydraulische Aufbrechen („hydraulic fracturing“) von Gesteinsschichten durch Wasser und Quarzsände hat in den letzten Jahren die Energielandschaft weltweit verändert. Das durch das Fracking freigesetzte Gas und Erdöl hat die USA unabhängig von Energieimporten gemacht und im Land die Kohle als Energieträger weiter zurückgedrängt – und damit unter anderem auch die Luftqualität im Land verbessert, wie Janet Currie von der Universität Princeton und Mitarbeiter schreiben.

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Das Fracking hat jedoch auch Ängste um die Gesundheit der Bevölkerung an den Förderstätten ausgelöst, die nach Ansicht von Currie nicht unberechtigt sind. Denn beim Fracking werden neben Wasser auch Chemikalien in das Schiefergestein gepresst, die möglicherweise den Weg ins Grundwasser finden. Die Förderung ist später mit Emissionen verbunden, die die Luftqualität in der Umgebung beeinträchtigen könnten. Auch der gesteigerte Lkw-Verkehr in der Nähe der Bohrstellen könnte sich ungünstig auf die Gesundheit auswirken.

Eine Möglichkeit, dies zu untersuchen, bietet die Analyse der Geburtsregister, die neben dem Wohnort der Schwangeren auch das Geburtsgewicht und andere Parameter der Neugeborenen festhalten, die Rückschlüsse auf mögliche Schäden während der Schwangerschaft erlauben.

Currie hat die Daten von 1,1 Millionen Neugeborenen untersucht, die in den Jahren 2004 bis 2013 in Pennsylvania geboren wurden. Von den Müttern lebten knapp 25.000 im Umkreis von weniger als 2 Kilometer von einer der etwa 10.000 Bohrstellen, aus denen in den letzten Jahren mittels Fracking Gas oder Öl gewonnen wurde. Insgesamt 6.669 Mütter hatten ihren Wohnsitz innerhalb von einem Kilometer. Der geringe Anteil erklärt sich aus der geographischen Verteilung der Bohrstellen, die sich im Westen und Nordosten des Staates eher in dünnbesiegelten Regionen befinden, während die Hauptstadt Philadelphia und andere Großstädte (mit Ausnahme von Pittsburgh) im Südosten liegen. 

Die Nähe zu einem Bohrloch wirkt sich nach der Analyse von Currie negativ auf das Geburtsgewicht aus. Die Assoziation wurde ab einer Nähe von 3 km signifikant. Im Umkrebs von 1 km kam es zu 25 Prozent mehr Mangelgeburten (Geburtsgewicht unter 2.500 Gramm) als in anderen Regionen des Staates. 

Die Ergebnisse sind nicht nur statistisch signifikant, sie erscheinen auch plausibel, selbst wenn nicht klar ist, welche der potenziellen Noxen das intrauterine Wachstum gestört haben könnten. Dass Feten sehr empfindlich auf ihre Umgebung reagieren, haben frühere Untersuchungen von Currie gezeigt. So war die Umstellung der Straßen­maut auf RFID-Chips mit einem Rückgang der Mangelgeburten in der Umgebung der früheren Mautstellen geführt hat.

Dort hatten früher die Abgase der auf die Abrechnung wartenden Autos die Luft erheblich belastet. Heute könnten die Autos durchfahren, wodurch die CO2-Werte (minus 40 Prozent) und NO-Werte (minus 11 Prozent) deutlich zurückgingen (American Economic Journal: Applied Economics 2011; 3: 65–90). Dagegen kann die Eröffnung einer Fabrik in Wohnortnähe die Rate von Mangelgeburten erhöhen (American Economic Journal: Applied Economics 2015; 105: 678–709).

Als Ökonomin sieht Currie jedoch auch die wirtschaftlichen Vorteile, die die Fracking-Bohrungen mit sich gebracht haben. Durch die Förderung der lokalen Wirtschaft seien die Haushaltseinkommen um 1.900 US-Dollar pro Jahr gestiegen und auch die Immobilienpreise hätten um 6 Prozent zugelegt. Letzteres könnte sich jedoch wieder ändern, wenn die Sorge um die Gesundheit die Bevölkerung davon abhalten sollte, in die Nähe der Fracking-Bohrlöcher zu ziehen. © rme/aerzteblatt.de

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