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Medizin

Gute Schutzwirkung durch bivalenten Meningo­kokken-B-Impfstoff

Montag, 18. Dezember 2017

/Eisenhans, stock.adobe.com

New York – Zum Schutz vor Meningokokken der Serogruppe B steht seit dem Sommer mit MenB-FHbp (Trumenba) ein zweiter Impfstoff zur Verfügung. Die jetzt im New England Journal of Medicine (2017; 377: 2349–2362) veröffentlichen Ergebnisse aus 2 randomisierten Studien deuten auf eine gute immunogene Wirkung bei Jugend­lichen und jungen Erwachsenen hin.

Meningokokken-Erkrankungen sind selten, aber gefährlich. Dem Robert Koch-Institut wurden im letzten Jahr 338 Erkrankungen gemeldet, von denen mehr als die Hälfte auf den Serotyp B entfielen. Die Erkrankung, die im Anfangsstadium häufig mit einem grippalen Infekt verwechselt wird, kann nach Auftreten von Komplikationen (Meningitis oder Sepsis) innerhalb von 24 Stunden zum Tod führen. Die Letalität lag in Deutsch­land zuletzt bei 6 Prozent (beim Serotyp B bei 5 Prozent). Hinzu kommt eine nicht erfasste Zahl von Patienten, die mit teilweise erheblichen körperlichen und geistigen Behinderungen überleben. Dazu gehören Hirnschäden, Hörverlust, Lern­schwierigkeiten oder Amputationen von Gliedmaßen.

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Langezeit war nur eine Impfung gegen den Serotypen C möglich, die in Deutschland für alle Kinder im zweiten Lebensjahr empfohlen wird. Eine erweiterte Impfung mit einer ACWY-Impfung wird nur in Sonderfällen notwendig. Beim Serotyp B bestand eine Impflücke, die mit dem 2013 zugelassenen 4CMenB-Impfstoff Bexsero (teilweise) geschlossen wurde. Vor wenigen Monaten wurde in den USA und in Europa mit MenB-FHbp (Trumenba) ein weiterer Impfstoff zugelassen.

Der neue Impfstoff enthält das rekombinante Protein LP2086 in 2 Varianten, die bei den Subfamilien A und B der B-Meningokokken auf der Oberfläche des Bakteriums gebildet werden und als „Factor H Binding Protein“ (fHbp) fungieren. 

Die Schutzwirkung wurde in zwei randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studien einmal an 3.596 Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren und zum anderen bei 3.304 jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren untersucht. Da die Erkrankung selten ist, wurde als Endpunkt ein Anstieg des Antikörpertiters auf mindestens 1:4 gewählt. Er wird auch von den Zulassungsbehörden als immuno­logisches Korrelat für einen Immunschutz akzeptiert.

Wie ein Team um Judith Absalon von der Forschungsabteilung des Herstellers in New York mitteilt, wurde bei 56,0 bis 85,3 Prozent der geimpften Jugendlichen bereits nach der zweiten Dosis ein ausreichender Anstieg des Antikörpertiters erreicht. Nach der dritten Dosis steig der Anteil auf 78,8 bis 90,2 Prozent. 

Bei den jungen Erwachsenen hatten 54,6 bis 85,6 Prozent nach 2 Impfdosen und 78,9 bis 89,7 Prozent nach 3 Dosen einen ausreichenden Impfschutz.

In einem weiteren Endpunkt wurde der HSBA-Titer gegen alle 4 primären Stämme bewertet. Hier erreichten 82,7 Prozent der Jugendlichen und 84,5 Prozent der jungen Erwachsenen nach der dritten Dosis einen ausreichenden Impfschutz.

Eine wesentliche Einschränkung der Studie ist, dass der Einfluss auf die Krankheits­häufigkeit kaum untersucht werden kann. Der Nutzen des Impfstoffes wird sich erst in künftigen epidemiologischen Untersuchungen zeigen. Dies setzt allerdings voraus, dass der Impfstoff auch eingesetzt wird. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat für Deutschland noch keine generelle Impfempfehlung ausgesprochen. Sie rät derzeit nur bei Risikopersonen mit Abwehrschwäche zur Impfung. Dazu gehören in erster Linie Patienten mit genetischen Defekten im Komplementsystem sowie Menschen ohne Milz. Die Gefährdung von HIV-Infizierten wird als gering eingestuft. © rme/aerzteblatt.de

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