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Medizin

Zika-Mikrozephalie: Viele Kinder sind blind, taub und gelähmt

Dienstag, 19. Dezember 2017

/dpa

Atlanta/Georgia – Die meisten der etwa 3.000 Kinder, die während der Zikaepidemie in Brasilien mit einer Mikrozephalie geboren wurden, sind vermutlich schwerstbehindert, wie eine Studie in Morbidity and Mortality Weekly Report (2017; 66: 1347–1351) zeigt.

Bis Mitte September 2017 wurden den brasilianischen Behörden 2.986 Kinder gemel­det, die während der Zikaepidemie 2015/2016 mit einem Kopfumfang unterhalb der 3. Perzentile geboren wurden. Das Virus, das bei den meisten Erwachsenen nur milde Erkältung, eventuell begleitet von einem Hautausschlag, verursacht, kann bei einer Infektion während der Schwangerschaft ähnlich wie das Rötelnvirus eine schwere Embryopathie auslösen.

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Schon die ersten Untersuchungen nach der Geburt hatten gezeigt, dass die Kinder vermutlich schwere Behinderungen davontragen werden. Diese Befürchtungen haben sich jetzt in einer Untersuchung von 19 Kindern bestätigt, die zu den ersten Fällen gehören, die aus dem Bundesstaat Paraíba gemeldet wurden.

Die Kinder, die jetzt zwischen 19 und 24 Monate alt sind, haben laut Georgina Peacock vom National Center on Birth Defects and Developmental Disabilities in Atlan­ta/Geor­gia bisher nicht zu sprechen begonnen. Nicht einmal die einfachsten Laute wie „Mama“, „Papa“ oder „DaDa“ bringen sie zustande. 15 der 19 Kinder hätten im „Ages & Stages Questionnaires 3“ noch nicht einmal den Entwicklungsstand eines 6 Monate alten Kindes erreicht. 

Bei 11 Kindern ist es bereits zu Krampfanfällen gekommen, die vermutlich Ausdruck einer epileptischen Erkrankung sind, 8 Kinder mussten bereits wegen Bronchitis oder Pneumonie hospitalisiert werden, was Peacock mit den Ess- und Schluckstörungen der Kinder in Verbindung bringt, die bei den meisten Kindern diagnostiziert wurden. 

13 Kinder reagierten nur eingeschränkt auf akustische Signale, 11 auch nicht auf optische Signale. Bei 4 Kindern wurden bereits Störungen der Retina gefunden. Peacock befürchtet deshalb, dass viele Kinde taub und/oder blind werden.

Auch die motorische Entwicklung ist deutlich gestört. Die Kinder haben bisher nicht gelernt zu laufen. Bei 14 Kindern wurde eine Zerebralparese diagnostiziert. 10 Kinder leiden unter schweren Schlafstörungen. 

Da das Forscherteam bisher nur wenige Kinder untersuchen konnte, ist eine Selektion von schweren Fällen nicht ganz auszuschließen. Andererseits bilden die Mikrozephalien möglicherweise nur die Spitze eines Eisbergs. Die kurze Epidemie im Jahr 2015/16 könnte deshalb langfristige Spuren in der Gesundheit der Bevölkerung Südamerikas hinterlassen. © rme/aerzteblatt.de

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