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„Es besteht ein großes Vertrauen in die medizinische Kompetenz unseres Teams“

Dienstag, 19. Dezember 2017

Wiesbaden – Während die Hauptstadt Nepals, Kathmandu, über eine gute medizinische Infrastruktur verfügt, leiden die Bewohner der übrigen Landesteile unter einer mangel­haften medizinischen Versorgung. Zwar gibt es auf dem Land vereinzelt staatliche Gesundheitsposten, diese sind jedoch schlecht ausgerüstet. Kostenlose Medikamente werden nur unregelmäßig geliefert und die Ausbildung der Leiter der Gesundheits­posten ist mangelhaft. Der 2011 gegründete Verein Brepal hat es sich zum Ziel gesetzt, genau dort mit seiner Hilfe anzusetzen. Das Engagement zeigt erste Erfolge.

Fünf Fragen an Klaus Eckert, Internist und Nephrologe aus Bremen und zugleich Vorsitzender des Vereins Brepal.

DÄ: Sie leisten mittlerweile seit über 17 Jahren in Nepal ärztliche Hilfe. Was hat sich seither aus Ihrer Sicht bei der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung verändert?
Klaus Eckert: Auf dem staatlichen Sektor leider nicht allzu viel. Die staatlichen Krankenhäuser befinden sich in einem schlechten baulichen Zustand, die Ausrüstung ist rudimentär, die personelle medizinische Versorgung mangel­haft. Ärzte sind in entlegenen Distriktkrankenhäusern selten vorzufinden. Die staatlichen Vorgaben werden nicht eingehalten. In ländlichen Regionen gibt es selten eine ausreichende Gesundheitsvorsorge. Notwendige Medikamente, Verbandmaterial oder medizinische Instrumente fehlen den Behandlern, die meistens nur eine 18-monatige Ausbildung haben. Private Krankenhäuser sind die Nutznießer dieser Situation. Sie bieten eine moderne Diagnostik und Therapie an, die entsprechend teuer und profitorientiert ist. Das treibt viele Familien häufig in den finanziellen Ruin.

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Bis Mai 2017 war Gagan Thapa der Ge­sund­heits­mi­nis­ter Nepals. Unter seiner Führung schien sich eine positive Veränderung der staatlichen Versorgung anzubahnen. Mit Unterstützung von Unicef soll die Sterblichkeit der Kinder unter fünf Jahren gesenkt werden. In unserem Dorf ist und wird jetzt jedes Kind geimpft, Herzoperationen bis zum Alter von 15 Jahren zahlt der Staat, die medikamentöse Tuberkulosetherapie ist landesweit vorhanden. Aber diese Verbesserungen stocken gerade wieder. Ob das an dem neuen Minister liegt, vermag ich nicht zu sagen. Das politische Management und damit die verbundene Strategie wechseln zu häufig. In der Regel sind private Initiati­ven auf kommunaler Ebene oder ausländische Nicht-Regierungsorganisationen weitaus effektiver als der Staat.

DÄ: Im März 2011 haben Sie zusammen mit Ihrer Familie und Freunden den Verein Brepal gegründet. Was sind die Ziele und Schwerpunkte der Vereinstätigkeit?
Eckert: Im Jahr 2010 wurden wir von den Verantwortlichen des Dorfes Banjhakateri um medizinische Hilfe gebeten. Die Mütter- und Kindersterblichkeit war hoch, ein Teil der Bewohner war mangelernährt, Kinder starben an Pneumonien, da der bestehende staatliche Gesundheitsposten keine Antibiotika hatte. Zu Beginn unserer Tätigkeit steckten wir uns zunächst keine großartigen Ziele, wir wollten einfach die Situation verbessern und ausloten, was möglich wäre. Wir trafen Absprachen mit den Verant­wortlichen über die Art der Hilfe und versprachen, uns mit Respekt, Ehrlichkeit und Offenheit zu begegnen.

Das Dorf stellte zwei Lehmhütten zur Verfügung, die umgebaut wurden und uns als Behandlungs- und Gästehaus dienten. Brepal zahlte sowohl die Kosten als auch die Gehälter der ersten drei Mitarbeiter. Danach definierten sich die Ziele von allein. Wir, das heißt Brepal und die Menschen von Banjhakateri, wollten eine umfassende Dorf­entwicklung. Diese impliziert die Prävention von Krankheiten, westliche medizini­sche Behandlungsstandards, schulische Bildung, Hilfe für die Landwirtschaft durch Diversifikation von Pflanzen und Gemüse, Generierung von Einkommen, Verbesserung der allgemeinen Lebenssituation. Inzwischen haben sich die meisten der gesteckten Ziele erfüllt.

Im März 2017 erhielten wir eine weitere Hilfsanfrage. Das Dorf Bigu im Bezirk Dolakha war vom Erdbeben im April 2015 fast gänzlich zerstört worden. Der Staat kam wieder einmal seinen Verpflichtungen, den Menschen zu helfen, nicht nach. Wir wollen den Menschen in Bigu mit unseren Erfahrungen beim Wiederaufbau des Dorfes helfen. Erneut beginnen wir mit dem Bau eines medizinischen Zentrums und sehen dann, was die Zukunft bringt.

DÄ: Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie vor Ort am meisten zu kämpfen?
Eckert: Mit den Widrigkeiten der Natur. Um Banjhakateri zu erreichen sind wir die letzten 45 Kilometer auf einer Sand- und Geröllpiste unterwegs. Die Wege ändern sich permanent. Während des Monsuns und der damit verbunden Schlammlawinen ist das Dorf manchmal tagelang nicht erreichbar. Das wird uns in Bigu nicht anders ergehen.

Der Bau des Hauses in Banjhakateri war eine logistische Herausforderung, denn jeder Ziegel, jede Fliese und Glasscheibe waren bruchgefährdet. Schwere Lasten mussten die Berge hochbefördert, oft genug sogar getragen werden. Alle Facharbeiter mussten in Kathmandu angeworben und überzeugt werden, bei uns zu arbeiten. Die kalkulierten Kosten konnten somit nicht eingehalten werden. Die Wasser- und Stromzufuhr gestal­te­ten sich etwas kompliziert. Unser Wasser kommt zum Beispiel aus 3.500 Metern Entfernung, die Photovoltaikanlage ist häufig Blitzen ausgesetzt und funktioniert erst ohne Probleme, seitdem ein deutscher Ingenieur eine Lösung fand.

DÄ: Wie reagiert die Bevölkerung auf Ihr Hilfsangebot?
Eckert: Die Menschen sind uns sehr dankbar für die geleistete Hilfe. Unser Einzugs­gebiet ist mittlerweile sehr groß geworden. Mitunter kommen Patienten zehn Stunden zu Fuß zu uns gelaufen. Es besteht ein großes Vertrauen in die medizinische Kompe­tenz unseres Teams, das von deutschen Ärzten, Zahnärzten, Physiotherapeuten, Hebammen und Lehrern ausgebildet wird. Die medizinische Ausrüstung von Banjhakateri entspricht der einer guten Klinik in Kathmandu und ist einmalig in der Region Gulmi.

Allein 2016 behandelten wir etwa 12.500 Menschen. Die Menschen wissen auch, dass wir externe Hilfe wie Operationen und Diagnostik finanzieren. Unter unserer Betreuung ist jede Schwangerschaft im Dorf normal verlaufen, denn zu erwartende Problem­schwangerschaften oder Geburten werden frühzeitig in entsprechende gynäkologische Zentren verlegt. Diese Qualität spricht für sich und wird mit Lachen und manchmal einem Sack Möhren oder Kartoffeln honoriert.

DÄ: Wie gelingt es Ihnen, nepalesische Ärztinnen und Ärzte vor Ort in Ihre Arbeit einzubinden?
Eckert: Die Zahl der nepalesischen Ärzte, die gut ausgebildet sind, hat deutlich zugenommen. Leider gehen die besten ins englischsprachige Ausland oder bleiben in den größeren Städten. Dennoch kenne ich mittlerweile einige verantwortungsbewusste Nepalesen, die an einer guten Entwicklung ihres Landes interessiert sind. So habe ich zum Beispiel im Community-Krankenhaus in Dhulikhel eine Dialyse geplant und eingerichtet, was mir den Zugang zu einem akademischen Haus und entsprechenden Experten gab.

Mittlerweile ist Brepal, auch durch unseren Partnerverein Nepal Help, in Nepal gut vernetzt. Der Gesundheitsposten in Banjhakateri ist offizieller Bestandteil der medizini­schen Grundversorgung im Distrikt Gulmi. Wir nehmen an dem Reportingsystem des Staates teil, unser Personal wird zu entsprechenden Fortbildungen eingeladen. So kamen Kardiologen aus dem Gangalal Hospital zu einem Screening zu uns und Augen­ärztinnen aus Butwal, die Kataraktoperationen durchführten.

In Kenntnis der hygienischen Verhältnisse und der Qualität unseres Teams und Zentrums wurden Folgetermine vereinbart. Unsere Gynäkologie ist staatlich zertifiziert, das heißt, die Schwangeren, die bei uns entbinden, bekommen eine Art Prämie vom Staat. Nepal verspricht sich davon eine Abnahme der Sterblichkeit von Mutter und Kind. Wenn die Statistik stimmt, scheint diese Maßnahme zu funktionieren. Wir konnten zu diesem positiven Verlauf auf jeden Fall beitragen. © ps/aerzteblatt.de

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