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Medizin

USA: Impfstoff gegen Opiate soll Drogenkrise bekämpfen

Mittwoch, 20. Dezember 2017

/dpa

Bethesda/Maryland – US-Forscher haben einen Impfstoff entwickelt, der Antikörper gegen Heroin und andere Opiate induziert, die die suchterregenden Substanzen abfangen, bevor sie das Gehirn erreichen. Erste tierexperimentelle Studien im Journal of Medicinal Chemistry (2017; doi: 20110.1021/acs.jmedchem.7b01427) belegen eine Wirkung des Impfstoffs. Eine fehlenden Kreuzimmunität zu legalen Opiaten soll die Option einer späteren Schmerzmitteltherapie offen halten.

Der Missbrauch von Opioiden wie Heroin und Fentanyl hat in den USA epidemische Ausmaße angenommen. Nach Angaben der Centers for Disease Control and Prevention sterben jeden Tag 91 Menschen an einer Opioid-Überdosis. Antikörper, die die Droge vor dem Erreichen des Gehirns abfangen, wären nach Ansicht von Gary Matyas vom Walter Reed Army Institute of Research in Bethesda eine Möglichkeit, die tödlichen Komplikationen zu verhindern. 

Die Forscher arbeiten seit einiger Zeit an der Entwicklung eines Impfstoffes, der die Bildung der Antikörper anregen könnte. Da kleinere Moleküle wie Heroin normaler­weise keine Immunreaktion auslösen, haben die Forscher es mit dem Tetanus-Toxoid verbunden, das als Hapten die Aufmerksamkeit des Immunsystems erregen soll. Der Impfstoff enthält außerdem mit Monophosphoryl-Lipid A ein Adjuvans, das die immunologische Reaktion verstärkt. 

Erste tierexperimentelle Studien zeigen jetzt, dass der Impfstoff Mäuse vor einer Heroinwirkung feit. Die Tiere reagierten auch auf eine Heroindosis von 50mg/kg Körpergewicht nicht, die normalerweise den sicheren Tod der Tiere bedeutet hätte (LD50 21,8 mg/kg).

Die Antikörper zeigten laut Matyas keine Kreuzimmunität mit Methadon, Buprenorphin und Naltrexon, die zur Behandlung der Opiatabhängigkeit eingesetzt werden. Auch das Antidot Naloxon, das bei einer Überdosierung die Atemdepression rasch beheben kann, blieb weiter wirksam.

Medizinisch von großer Bedeutung ist die fehlende Kreuzimmunität mit Tramadol, Fentanyl, Sufentanil und Nalbuphin, die als Analgetikum zur Behandlung starker Schmerzen oder in der Anästhesie eingesetzt werden. Schließlich fanden die Forscher heraus, dass es keine Bindung an die Nicht-Opiat-Schmerzmittel wie Aspirin, Ibuprofen und Paracetamol gibt. Auch diese Mittel könnten bei geimpften Personen weiter eingesetzt werden.

Die Entwicklung des Impfstoffs befindet sich allerdings noch in einer frühen Phase. Klinische Studien sind derzeit noch nicht geplant. Zweifel daran, dass Impfstoffe tatsächlich die Drogenkrise bewältigen würden, sind möglich, da teilweise (Fentanyl) die gleichen Substanzen missbraucht werden, die als Medikamente in der Medizin eingesetzt werden. © rme/aerzteblatt.de

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