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Ärzteschaft

Aktualisierte S3-Leitlinie Brustkrebs erschienen

Dienstag, 19. Dezember 2017

/curlymary, stock.adobe.com

Berlin – Die S3-Leitlinie Brustkrebs ist im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie aktualisiert worden. Die neue Version, die jetzt erschienen ist, entstand unter Feder­führung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).

Ungefähr 70.000 Mal im Jahr stellen Ärzte in Deutschland die Diagnose Brustkrebs bei einer Frau. Sie ist in allen Staaten der industrialisierten Welt die häufigste Krebser­krankung bei Frauen. „Wir wissen inzwischen aus verschiedenen Versorgungs­forschungs­projekten, dass ein leitlinienkonformes Vorgehen das Endergebnis der Brustkrebsbehandlung verbessert. Umso wichtiger ist eine regelmäßige Anpassung der Leitlinie an die neue Evidenz“, betonte der Koordinator der Leitlinie, Achim Wöckel.

Früherkennung integriert

Die Leitlinie richtet sich an alle Ärzte und Angehörige von Berufsgruppen, die mit der Versorgung von Brustkrebspatientinnen befasst sind. Der Bereich der Früherkennung – bisher eine separate S3-Leitlinie – wurde nun in die neue S3-Leitlinie Brustkrebs integriert. Spezielle Empfehlungen definieren dabei das Vorgehen bei hoher Brust­dichte und den Umgang mit speziellen Untersuchungsverfahren. 

Ein weiterer Abschnitt widmet sich dem Vorgehen bei Frauen mit erhöhter familiärer Belastung. Die Leitlinie gibt explizite Empfehlungen und Beratungshilfen zum Umgang mit einem erhöhten Lebenszeitrisiko für weitere Malignome.

Neues zu Diagnostik

In der Diagnostik sind neue Empfehlungen zu den bisherigen hinzugekommen: Patientinnen mit hohem Rückfall- beziehungsweise Metastasierungsrisiko wird nun explizit eine computertomographische Untersuchung von Brust- und Bauchraum empfohlen. Außerdem weist die Leitlinie darauf hin, dass der Biomarker Ki67 zu den herkömmlichen Prognosefaktoren hinzugenommen werden und dass die Durchführung von Multigen-Tests in bestimmten Situationen sinnvoll sein kann.

Das Kapitel zur operativen Therapie berücksichtigt in der aktuellen Version modernere Operationsverfahren und das Vorgehen beim axillären Staging unter besonderer Berücksichtigung der zunehmend häufiger durchgeführten neoadjuvanten Therapien. Insgesamt soll mit den neuen Empfehlungen laut den Autoren die Radikalität gesenkt werden. Die Empfehlungen zur Strahlentherapie verfolgen wie im operativen Bereich zunehmend deeskalierende Strategien. Besonders bei fortgeschrittenem Alter können Verfahren der Hypofraktionierung und alleiniger Teilbrustbestrahlung mit der Patientin diskutiert werden.

Neue Empfehlungen zu beeinflussbaren Lebensstilfaktoren sollen die körperliche Aktivität von Patientinnen erhöhen und das Gewicht reduzieren, um das Rückfallrisiko zu reduzieren und das subjektive Wohlbefinden zu erhöhen. Auch für das Vorgehen bei Lokalrezidiv und der metastasierten Erkrankung gibt die aktualisierte Leitlinie Empfehlungen. Beim Lokalrezidiv sollen zum Beispiel neben der In-Sano-Resektion auch Möglichkeiten der erneuten Strahlentherapie und der Re-Induktion von Zystostatika geprüft werden

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unter­stützen. Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm mehr als 20 S3-Leitlinien, die zu einem großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.

© hil/aerzteblatt.de

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