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Internisten fordern „Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie“

Mittwoch, 20. Dezember 2017

/dpa

Wiesbaden/Berlin – Die Einführung eines neuen „Facharztes für Innere Medizin und Infektiologie“ fordert die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Der Grund: Spezialisten für Infektions­krankheiten sind laut DGI im deutschen Gesundheits­system noch immer rar.

„In den meisten Kliniken hierzulande sind keine Stellen für Infektiologen eingeplant, und gerade an kleinen Krankenhäusern stehen oft nicht einmal infektiologische Konsiliardienste zur Verfügung“, kritisiert die Fachgesellschaft. Während in Ländern wie Schweden oder den USA auf eine Millionen Einwohner mehr als 20 auf Infektiologie spezialisierte Fachärzte kämen, seien es in Deutschland nur rund sieben. Angesichts der wachsenden Bedrohung durch multiresistente Keime und der zunehmenden Zahl von besonders gefährdeten älteren und immunsupprimierten Patienten sei dieser Zustand nicht länger hinnehmbar, hieß es aus der Fachgesell­schaft.

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Weiterbildung gefördert

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium fördert Weiterbildungen, mit denen Ärzte die Zusatzbezeichnung „Infektiologe“ erwerben können. „Das ist ein wichtiger Zwischen­schritt, der jedoch nicht ausreichen wird, um die Versorgungssituation in der Infektions­medizin langfristig zu sichern und die großen Herausforderungen, die sich uns stellen – gerade auch hinsichtlich der Reduktion von Krankenhausinfektionen und der Eindämmung von Infektionen mit multiresistente Erregern – zu bewältigen“, sagte der DGI-Präsident Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Köln. Nötig sei, die Infektiologie auf allen Ebenen deutlich zu stärken. Im Studium, in der ärztlichen Fort- und Weiterbildung und durch die Etablierung eines eigenen Facharztes.

Der DGI-Präsident wies auf eine Studie im Fachblatt Clinical Infectious Diseases hin, die erneut zeige, dass Patienten mit schweren Infektionen davon profitieren, wenn sie bereits früh von spezialisierten Fachärzten mitbehandelt werden (2017; doi: 10.1093/cid/cix548). Die Arbeit basiert auf den Daten von 382 Patienten, die mit schwerer Sepsis oder septischem Schock auf die Intensivstation kamen. Rund die Hälfte der Patienten wurde eingeliefert, bevor ein infektiologisch spezialisiertes Team auf der Station tätig war. Die andere Hälfte der Patienten wurde zu einem späteren Zeitpunkt und dann mit Unterstützung eines „Sepsis-Teams“ behandelt.

Durch das rasche Hinzuziehen der Spezialisten – sie waren bereits binnen einer Stunde nach Einlieferung am Krankenbett – reduzierte sich der Anteil der Patienten, die innerhalb der ersten 14 Tage verstarben, von 39 auf 29 Prozent. Infektiologische Standards wie das Anlegen einer Blutkultur, um geeignete Antibiotika zu identifizieren, die Messung der Laktatwerte im Blut und eine rasche Flüssigkeitstherapie waren unter Aufsicht der Infektiologen deutlich häufiger eingehalten worden, geht aus der Studie hervor. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Mittwoch, 20. Dezember 2017, 23:24

Nachtrag

Es ist zugleich faszinierend und deprimierend, dass es die DGI auf ihrer Webseite fertig bringt, ausführlich über die Weiterbildung zum Infektiologien zu schreiben und dabei kein einziges Mal die Mikrobiologie zu erwähnen:
http://www.dgi-net.de/fort-und-weiterbildung/
Soviel zum Thema interdisziplinäre Zusammenarbeit...
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Mittwoch, 20. Dezember 2017, 22:33

Warum das Rad neu erfinden?

Es gibt bereits einen Facharzt, der sich hauptberuflich mit Infektionen beschäftigt, das ist der Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. Zu diesem Facharzt gehört ein Jahr klinische Ausbildung, das bedeutet, ein Mikrobiologe muss vielleicht noch 6 Monate gezielt sich mit der klinischen Diagnostik und Therapie von Infektionskrankheiten beschäftigen, um ein vollwertiger Infektiologe zu sein.

Der andere Weg ist auch gangbar. Aber selbst der Allgemein-Internist braucht die 6 Monate klinische Erfahrung mit Infektionskrankheiten, die dem Mikrobiologen fehlen. Er braucht aber zusätzlich auch die Kenntnis der verschiedenen Erreger, er braucht die Kenntnis der diagnostischen Methoden, um für die Diagnose die richtige Anforderung zu stellen, er braucht tiefer gehende Kenntnisse der Wirkungsweise und Verteilung von Antibiotika und der möglichen Wechselwirkungen. Die Zusatzbezeichnung Infektiologie kann in einem einjährigen Kurs erworben werden, ich habe aber erhebliche Zweifel daran, dass die notwendigen Kenntnisse in dieser kurzen Zeit vermittelt werden können.
http://www.dgi-net.de/foerderung-der-zusatzweiterbildung-infektiologie/
Bei den Infektiologen wiederholt sich die Geschichte wie bei den Krankenhaushygienikern. Weil es nicht genug Fachärzte für Hygiene gibt, wurden die curriculär weitergebildeten Hygieniker etabliert, kurz ein „Hygieniker light“. Mit der Zusatzbezeichnung hat man analog den „Light-Infektiologen“

Eines wird von der DGI gern vergessen: Ein guter Infektiologe sollte einen Sepsispatienten in kritischem Zustand mindestens drei mal sehen; erstens bei Einlieferung für die Diagnostik und kalkulierte Erst-Therapie, zweitens zur Anpassung der kalkulierten Therapie bei Vorliegen der ersten Kulturergebnisse und drittens zur Festlegung der endgültigen Therapie (ggf. auch Deeskalation) bei Vorliegen der endgültigen Ergebnisse. Gerade bei dem zweiten Kontakt gibt es großes Potential, durch die neuen Methoden in der Mikrobiologie (z.B. MALDI-TOF) kann man oft nach nur 16 Stunden den Namen eines Bakteriums nennen und bereits hier eine erste Anpassung der kalkulierten Therapie vornehmen. Dies kann aber nur der Mikrobiologe oder eine Person mit ausreichender Methodenkenntnis in der Mikrobiologie. Dazu ist der Umgang mit den Rohdaten in der mikrobiologischen Labor EDV erforderlich. Dies kann nicht der „Light-Infektiologe“ leisten.

Wer also ernsthaft die Zahl der Infektionen (und die Zahl der multiresistenten Erreger) verringern möchte, sollte also zwei Dinge tun: erstens die Zahl der Weiterbildungsstellen für Mikrobiologen drastisch erhöhen und zweitens Strukturqualität per Gesetz festschreiben (analog zu den Krankenhaushygienikern). Welchen Weg man zum Infektiologen geht, ist m.E. nebensächlich, der Weg des Mikrobiologen ist vielleicht etwas kürzer als der des Internisten. Aber auch ein Internist benötigt auf dem Weg zum Infektiologen eine fundierte mikrobiologische Weiterbildung und muss durch den selben Flaschenhals (Weiterbildungsstellen für Mikrobiologie).
LNS

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