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Medizin

Tumortherapiefelder: „Wechselstrom-Haube“ verbessert Ergebnisse der Chemotherapie bei Glioblastom

Mittwoch, 20. Dezember 2017

/Novocure

Chicago – Eine tragbare Haube, die elektrische Wechselfelder an das Gehirn abgibt, kann das progressionsfreie Leben und das Gesamtleben von Patienten mit einem Glioblastom verlängern, die eine Standardchemotherapie erhalten. Dies zeigen die abschließenden Ergebnisse einer Phase 3-Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; 318: 2306-2316), deren Zwischenergebnisse vor zwei Jahren zur Zulassung der Therapie in den USA geführt haben.

Das Glioblastom ist der häufigste und aggressivste Hirntumor. Zwei Jahre nach der Diagnose lebt nur noch einer von vier Patienten und die 5-Jahres-Überlebensraten liegen bei unter 10 Prozent. Die Therapie besteht wenn möglich aus einer Resektion des Tumors und einer anschließenden Chemotherapie mit Temozolomid.

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Die Tumortherapiefelder (TTfields, TTF) sind ein neuartiges Konzept. Es beruht auf der Beobachtung, dass rasch wechselnde elektrische Felder die Zellteilung verhindern, indem sie die Spindelbildung in der Mitose stören. Die TTF werden dem Patienten über Keramik-Gel-Pads verabreicht. Sie sind in eine Haube integriert, die der Patienten zeitweise auf dem kahlgeschorenen Kopf trägt.

Der Hersteller hat die Wirksamkeit der Therapie in einer Phase 3-Studie in 89 Zentren (deutsche Beteiligung: Hamburg, Heidelberg, Kiel) an 695 Patienten untersucht, die im Verhältnis 2 zu 1 auf eine TTF-Therapie plus Temozolomid-Chemotherapie oder eine alleinige Temozolomid-Chemotherapie randomisiert wurden. Die Patienten wurden gebeten, die Haube tägliche für mindestens 18 Stunden zu tragen.

Primärer Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben. Hier wurde bereits bei einer Zwischenauswertung vor zwei Jahren eine signifikante Verbesserung durch die TTF-Therapie festgestellt. Sie hat im Oktober 2015 zur Zulassung der TTF-Therapie in den USA geführt. In Europa ist die Therapie aufgrund einer CE-Zertifizierung ebenfalls verfügbar.

Jetzt stellen Roger Stupp vom Lurie Comprehensive Cancer Center in Chicago und Mitarbeiter die abschließenden Ergebnisse der Studier vor. Sie bestätigen die Vorteile im progressionsfreien Überleben. Unter der Kombination von TTF-Therapie und Chemotherapie vergingen im Mittel 6,7 Monate bis zum erneuten Tumorwachstum. Unter der alleinigen Chemotherapie waren es nur 4,0 Monate. Stupp ermittelt eine Hazard Ratio von 0,63, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,52 bis 0,76 signifikant war.

Das mediane Gesamtüberleben betrug bei der Kombination von TTF-Therapie und Chemotherapie 20,9 Monate gegenüber 16,0 Monaten unter einer alleinigen Chemotherapie. Die Hazard Ratio von 0,63 (0,53-0,76) war erneut statistisch signifikant. Die TTF-Therapie gehört damit zu wenigen Therapien, für die in den letzten Jahren eine lebensverlängernde Wirkung nachgewiesen wurde.

Die 2-Jahres-Überlebensrate verbesserte sich von 31 auf 43 Prozent. Nach fünf Jahren waren noch 13 gegenüber 5 Prozent der Patienten am Leben. 

Das Tragen der Haube war mit Ausnahme von leichten bis mäßigen Hautreizungen auf der Kopfhaut bei etwas mehr als der Hälfte der Patienten mit keinen Nebenwirkungen verbunden. © rme/aerzteblatt.de

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