NewsPolitikPrivatärztliche Verrechnungsstellen warnen vor einheitlicher Gebührenordnung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Privatärztliche Verrechnungsstellen warnen vor einheitlicher Gebührenordnung

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Berlin – Der Verband der Privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS Verband) warnt eindringlich vor Überlegungen, die heute geltenden Gebührenordnungen für ambulante ärztliche Leistungen in der gesetzlichen (GKV) und privaten (PKV) Kran­ken­ver­siche­rung zu vereinheitlichen.

„Eine einheitliche Gebührenordnung ist nichts weiter als ein Umgehungstatbestand für eine Bürgerversicherung“, warnte Stefan Tilgner, geschäftsführendes Mitglied im PVS-Vorstand. Er nannte die Folgen „verheerend“.

EBM und GOÄ

Während ärztliche Leistungen für GKV-Versicherte auf der Basis des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) abgerechnet werden, gilt im privatärztlichen Bereich die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Der EBM ist ein Honorarverteilungsschlüssel, die GOÄ eine auf Einzelleistungen basierende amtliche Gebührentaxe.

„Mit einer einheitlichen Gebühren­ordnung würde eine Bürgerversicherung eingeführt, ohne dass man sich politisch zu ihr bekennen müsste“, betonte Tilgner. Er betonte, heute profitierten alle Patienten von den Mehreinnahmen, die die niedergelassenen Ärzte durch die Behandlung von Privatversicherten verzeichnen könnten. Denn obwohl der Privatversicherungsanteil in Deutsch­land bei nur elf Prozent liege, lösten diese Versicherten 24 Prozent der Praxisumsätze aus. Eine einheitliche Gebührenordnung auf dem Niveau des EBM würde dazu führen, dass jeder niedergelassene Arzt rund 50.000 Euro Umsatz pro Jahr verliert, schreibt der PVS Verband.

Dieses Geld fehlte dann für hochqualifiziertes Personal und Investitionen. Viele Praxen würden dem wirtschaftlichen Druck nicht standhalten können. Die Versorgungs­landschaft würde in Folge ausgedünnt, die Versorgungqualität würde zwangsläufig sinken, so die Prognose. Dem PVS Verband zufolge hätte das auch Auswirkungen auf den Nachwuchs. Die Motivation junger Ärzte, sich niederzulassen, würde sinken, schreibt der Verband.

Er unterstützt damit eine Analyse, die kürzlich das wissenschaftliche Institut der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (WIP) veröffentlicht hat. Diese kam zu ähnlichen Ergebnissen.

© may/EB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

6. Juli 2018
Berlin – Die aktualisierte Version des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) kann ab sofort online eingesehen werden. Sie berücksichtigt alle Neuerungen, die seit Beginn des dritten Quartals gelten.
EBM: Online-Ausgabe für das dritte Quartal veröffentlicht
6. Juli 2018
Berlin – Programmverantwortliche Ärzte im Mammografie-Screening können ab Oktober in vollem Umfang histopathologische Untersuchungen beauftragen. Darüber hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung
Erweiterte Gewebeuntersuchung im Mammografie-Screening beschlossen
12. Juni 2018
Berlin – Dieselben Leistungen werden im Krankenhaus deutlich höher vergütet als in der vertragsärztlichen Versorgung. So erhalten Krankenhäuser für die Behandlung gastroenterologischer Erkrankungen
Gutachten: Dieselben Leistungen werden im Krankenhaus deutlich höher vergütet als im ambulanten Bereich
10. Mai 2018
Berlin – Mit großer Verwunderung hat der Verband der Privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS-Verband) auf Äußerungen von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn zum Auftrag der von der Koalition
PVS warnt vor Vereinheitlichung von GOÄ und EBM
9. Mai 2018
Erfurt – Einstimmig hat der 121. Deutsche Ärztetag 2018 in Erfurt die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) beauftragt, „die weit fortgeschrittenen Arbeiten zur Erarbeitung eines Entwurfs zur Novellierung der
Weiterhin grünes Licht für neue ärztliche Gebührenordnung
6. Februar 2018
Berlin – Mitten in den strittigen Koalitionsgesprächen zur Gesundheitspolitik hat die ehemalige gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Hilde Mattheis, ihre Partei davor gewarnt,
Koalitionsverhandlungen: SPD-Expertin warnt eigene Partei
31. Januar 2018
Berlin – Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery, hat heute wiederholt vor den SPD-Plänen in der Kran­ken­ver­siche­rung gewarnt. Das Nebeneinander von gesetzlicher und privater

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER