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Medizin

USA: Gentherapie bei seltener Erblindungsursache zugelassen

Donnerstag, 21. Dezember 2017

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Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat erstmals eine Gen­therapie zur Behandlung einer erblichen Augenerkrankung zugelassen. Patienten, die aufgrund von Mutationen in beiden RPE65-Genen ab dem Kindesalter eine Retina­dystrophie entwickeln, dürfen künftig mit Voretigen-Neparvovec-rzyl behandelt werden. Das Präparat enthält Adenoviren, die nach Injektion unter die Netzhaut die dortigen Pigmentepithelien mit normalen Kopien des RPE65-Gens ausstatten.

Mutationen im RPE65-Gen gehören zu einer Reihe von schätzungsweise 220 Gendefek­ten, die zu einem vorzeitigen Untergang der Netzhaut führen. Das RPE65-Gen enthält die Information für das Enzym Retinoid-Isomerohydrolase. Es wird in den Pigment­epithelien der Retina gebildet und für das Recycling des Sehpigments benötigt. Zur Erblindung kommt es nur, wenn beide Allele defekt sind. Die Erkrankung ist autosomal­rezessiv und relativ selten. In Deutschland sind schätzungsweise 200 Menschen betroffen.

Die Erkrankung beginnt in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter zunächst mit einer nächtlichen Erblindung (Nyktalopie), die von unwillkürlichen Augenbewegungen (Nystagmus) begleitet werden. Der Verlust des Sehvermögens beginnt wie beim Glaukom im peripheren Sehfeld. Die Patienten entwickeln zunächst einen Tunnelblick. Später kommt es zur völligen Erblindung. Eine medikamentöse Therapie, die das Fortschreiten des Sehverlusts aufhalten kann, gab es bisher nicht.

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Dies ist jetzt, wenn auch nur im begrenzten Ausmaß, durch die Injektion von Voreti­gen-Neparvovecrzyl unter die Netzhaut möglich. Es handelt sich um adenoassoziierte Viren, die die Pigmentzellen infizieren und dort eine Genkopie mit der korrekten Version des RPE65-Gens abladen. Die Genkopie wird dann benutzt, um das RPE65-Protein herzustellen.

Die Wirksamkeit der Therapie wurde in einer Phase-3-Studie untersucht, in der 21 Patienten je eine subretinale Injektion von Voretigen-Neparvovec-rzyl erhielten. Nach einem Jahr hatte sich ihre Fähigkeit, sich unter Dämmerlicht in einem Raum zu orientieren, gegenüber einer Kontrollgruppe von 10 nicht behandelten Patienten leicht verbessert. Im MLMT-Test („multi-luminance mobility testing“), der die Beleuchtung stufenweise von einem Lux (entspricht einer mondlosen Sommernacht) auf 400 Lux (entspricht einem beleuchteten Büroraum) erhöht, kam es zu einer Verbesserung um 1,8 Licht-Levels: 13 von 20 behandelten Patienten konnten sich auf der niedrigsten Luminanz-Ebene (1 Lux) orientieren.

Laut FDA wurden in klinischen Studien bisher insgesamt 41 Patienten behandelt. Die Therapie hat sich dabei insgesamt als sicher erwiesen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Rötungen der Bindehaut, Linsentrübungen , eine Erhöhung des Augen­innendrucks und Netzhautrisse. Die FDA verlangt aus Sicherheitsgründen, dass die Behandlung zunächst nur an einem Auge durchgeführt wird. Bleibt die Injektion ohne Komplikationen, kann später auch das andere Auge behandelt werden. Die Therapie sollte möglichst frühzeitig durchgeführt werden, weil einmal abgestorbene Retina-Zellen nicht wiederbelebt werden können. Der Hersteller hat bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur eine Zulassung beantragt. © rme/aerzteblatt.de

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