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Medizin

Genomeditor lindert amyotrophe Lateralsklerose im Tiermodell

Freitag, 22. Dezember 2017

/catalin, stock.adobe.com

Berkeley – Die Eliminierung eines mutierten Gens, das häufig für die familiäre Variante der amyotrophen Lateralsklerose beim Menschen verantwortlich ist, hat den Verlauf der Erkrankung bei Mäusen günstig beeinflusst und die Überlebenszeit verlängert, wie die Forscher in Science Advances (2017; 3: eaar3952) berichten.

Die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine nicht heilbare degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems. Der Untergang der Motoneurone führt zu Lähmungen und häufig innerhalb weniger Jahre zum Tod. Die Ursache der ALS ist nicht bekannt. In den letzten Jahren wurden jedoch einige Mutationen entdeckt, die bei familiären Formen der Erkrankung den Untergang der Motoneurone begünstigen.

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An häufigsten ist das Gen SOD1 betroffen, das die Kupfer-/Zink-enthaltende Superoxid-Dismutase 1 codiert. Es ist für 20 Prozent der familiären Formen und für 2 Prozent aller Erkrankungen verantwortlich. Verschiedene Forschergruppen suchen derzeit nach Wegen, die mutierte Version des Gens durch Antisense-Oligonukleotiode oder RNA-Interferenz zu blockieren.

Eine weiterer Ansatz, den ein Team um David Schaffer von der Universität von Kalifornien in Berkeley verfolgt, nutzt den Geneditor CRISPR/Cas9, um das Gen gezielt an seiner mutierten Stelle zu zerschneiden. Da die Störung autosomal dominant vererbt wird, haben die Patienten eine zweite nicht mutierte Variante des Gens, die dann das Überleben der Motoneurone sicherstellen könnte.

Um die Zielzellen in der motorischen Rinde das Cortex und im Vorderhorn des Rücken­marks zu erreichen, haben die Forscher den Geneditor in ein adenoassoziiertes Virus verpackt, das in der Lage ist, die Blut-Hirn-Grenze zu überwinden und Nervenzellen zu infizieren. Nach dem Abladen der Gene wird dann gezielt die mutierte Variante des SOD1-Gens beseitigt.

Die Therapie wurde jetzt an Mäusen untersucht, die die gleiche Genmutation haben und wie die menschlichen Patienten an einer ALS erkranken. Die Experimente verliefen erfolgreich. Die Konzentration des vom mutierten Gen gebildeten Proteins (dessen Ablagerung möglicherweise für den Zelltod verantwortlich ist) konnte um den Faktor 2,5 gesenkt werden.

Die Behandlung zögerte den Ausbruch der Erkrankung um 37 Prozent und den Tod um 25 Prozent hinaus. Bei der Obduktion der Tiere stellten die Forscher fest, dass im Endstadium 50 Prozent mehr Motoneuronen als in einer Kontrollgruppe intakt waren.

Klinische Studien sind zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht vorgesehen. Wie rasch sich die neue Therapieform derzeit entwickelt, zeigt die Zulassung einer Gentherapie zur Behandlung einer Leberschen kongenitalen Amaurose, bei der Adenoviren die erkrankten Retinazellen mit einer korrekten Version des RPE65-Gens ausstatten. Eine Behandlung der spinalen Muskelatrophie (SMA) durch ein von Adenoviren geliefertes SMN1-Gen wird derzeit in einer Phase-1-Studie untersucht. © rme/aerzteblatt.de

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