NewsMedizinAnsatz für neue Tuberkulosetherapie
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Ansatz für neue Tuberkulosetherapie

Mittwoch, 27. Dezember 2017

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

München – Einen neuen Ansatz für die Tuberkulosetherapie hat ein internationales Wissenschaftlerteam aus München und den USA beschrieben. Danach können Beta-Laktone als Membranbestandteile in die Mykomembran der Erreger eingebaut werden und so unter anderem die Wirkung konventioneller Antibiotika erheblich steigern. Die Autoren haben ihre Arbeit in der Zeitschrift Angewandte Chemie veröffentlicht (2017; doi: 10.1002/ange.201709365). 

Bei der Therapie der Tuberkulose (TB) sind nicht nur Antibiotikaresistenzen ein Problem, sondern auch die Mykomembran der Erreger, die die Wirksamkeit vieler Pharmaka einschränkt. Diese Membran ist eine Lipid-Doppelschicht, die eine äußere Barriere bildet. Entscheidende Bausteine sind Mykolsäuren, verzweigte β-Hydroxy-Fettsäuren mit zwei langen Kohlenwasserstoffketten. Bei der Bildung der Mykolsäuren wirken verschiedene Enzyme zusammen. 

Anzeige

Die Wissenschaftler um Stephan Sieber und Eric Rubin vermuteten, dass Verbindungen, die sich als Mykolsäure tarnen, ebenfalls an diese Enzyme binden, diese blockieren und so die Biosynthese der Mykomembranen infiltrieren könnten. Ihre Wahl fiel auf die Gruppe der Beta-Laktone. Das Team von der Technischen Universität München, der Harvard T.H. Chan School of Public Health, der Harvard Medical School und der Texas A&M University testete eine breite Palette verschiedener Beta-Laktone auf antimyko­bakterielle Aktivität. Eine Verbindung namens „EZ120“ hemmt danach die Biosynthese der Mykomembran und tötet Mykobakterien ab.

Eine gemeinsame Verabreichung mit dem Antibiotikum Vancomycin steigerte im Labor die Wirksamkeit beider Einzelsubstanzen erheblich: EZ120 ist danach in der Kombina­tion mit Vancomycin etwa 100-mal wirksamer – vermutlich weil das Antibiotikum durch die Schwächung der Mykomembran leichter in die Bakterien eindringen kann. „Dies könnte ein Ansatzpunkt für neuartige TB-Therapien sein“, hoffen die Wissen­schaftler. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Oktober 2018
Oslo – Die Linie 4 von Mycobacterium tuberculosis, die für die Mehrzahl der jährlich zehn Millionen Neuerkrankungen und fast zwei Millionen Todesfälle weltweit verantwortlich ist, wurde im Zeitalter
Europäische Kolonialisten haben Tuberkuloseerreger weltweit verbreitet
1. Oktober 2018
Oxford – Aufwendige bakteriologische Kulturen zum Nachweis von Antibiotikaresistenzen könnten bei der Behandlung der Tuberkulose bald der Vergangenheit angehören. Eine Studie im New England Journal of
Tuberkulose: Genomsequenzierung erkennt Resistenzen schneller
27. September 2018
Wavre/Belgien – Ein neuer Tuberkuloseimpfstoff, der junge HIV-negative Erwachsene mit latenter Infektion vor dem Ausbruch einer aktiven Erkrankung schützen soll, hat in einer laufenden Phase-2b-Studie
Neuer Impfstoff gegen Tuberkulose besteht ersten klinischen Test
27. September 2018
New York – Noch vor der Immunschwächekrankheit Aids ist Tuberkulose (TBC) nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) weiterhin die tödlichste Infektionskrankheit der Welt. 1,6 Millionen
Tuberkulose bleibt tödlichste Infektionskrankheit vor Aids
23. August 2018
Berlin – Die Bundesregierung hat ihre Forschungsförderung zur Tuberkulose (TB) von 7,2 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 14,8 Millionen Euro im Jahr 2017 gesteigert. Das geht aus der Antwort der
Bundesregierung stockt Mittel für Tuberkuloseforschung auf
21. August 2018
Genf – Einen erheblichen Schub bei der Behandlung von Patienten mit multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB) verspricht sich die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) von neuen Behandlungsrichtlinien. Diese
WHO kündigt neue Behandlungsrichtlinien für Patienten mit multiresistenter Tuberkulose an
21. August 2018
Berlin – Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat die Initiative der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) zur besseren Behandlung von Menschen mit resistenter Tuberkulose (MDR-TB) begrüßt. Das neue
LNS
NEWSLETTER