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Politik

Patientenbefragungen werden wichtiger

Dienstag, 2. Januar 2018

/Sven Bähren, stock.adobe.com

Berlin – Auf die steigende Bedeutung von Patientenbefragungen hat das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) hingewiesen. „Patientenbefragungen spielen künftig für die Entwicklung von Qualitätssicherungs­verfahren (QS-Verfahren) eine zentrale Rolle“, erläutert das Institut auf seiner Internet­seite. Neben der Verwendung von Sozialdaten der Krankenkassen und der Dokumen­­tation der Versorgung durch Praxen und Krankenhäuser sei das Instrument der dritte Baustein zur Abbildung der Versorgungsqualität.

Der sehr subjektive Faktor „Zufriedenheit“ stehe dabei aber nicht im Vordergrund. „Vielmehr sollen anhand bestimmter Gegebenheiten und Erlebnisse der Patienten qualitätsrelevante Merkmale der Versorgung abgebildet werden“, so der Anspruch des Instituts. Es gehe also darum, bestimmte konkrete Inhalte zu erfragen. Dazu zählen laut IQTIG Ergebnisse und Ereignisse der Versorgung, zum Beispiel Fragen zu Schmerzen oder Inhalten von bestimmten Aufklärungsgesprächen.

Mehrstufiger Prozess

Das IQTIG entwickelt im Augenblick Patientenfragebögen, die sich an den Zielen des QS-Verfahrens und Inhalten der Versorgung orientieren. Welche konkreten Themen in den Fragebögen abgebildet werden, werde dabei in einem mehrstufigen Entwicklungs­prozess festgelegt. Dieser bestehe aus einer Literaturrecherche, Gruppendiskussionen und Interviews mit Patienten. Auch die beteiligten Ärzte, Pflegepersonal oder Thera­peuten würden über Fokusgruppen und Interviews eingebunden.

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Einen wesentlichen Teil der Entwicklung nehme die umfassende Erprobung der Frage­bögen ein. Diese finde in mehreren Testrunden mit Patienten und Ärzten beziehungs­weise Kliniken statt. Das Institut gibt die Abschlussberichte zur Fragebogen­entwick­lung dann an den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) weiter. Nach Freigabe wird der Fragebogen auf der Website des IQTIG veröffentlicht.

Das IQTIG ist eine Einrichtung der gleichnamigen Stiftung des G-BA und hat seinen Sitz in Berlin. Es ist das zentrale Institut für die gesetzlich verankerte Qualitätssicherung im Gesundheitswesen. Derzeit entwickelt das IQTIG Fragebögen für Patienten mit einer Herzkatheteruntersuchung, Stenteinlage oder Ballonerweiterung der Gefäße am Herzen und für Patienten, bei denen eine Schizophrenie beziehungsweise Psychose festgestellt wurde.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat einen Onlineservice entwickelt, mit dem Ärzte und Psychotherapeuten im Rahmen ihres Qualitätsmanagements (QM) auf einfache Weise eine eigene Patientenbefragung konzipieren und durchführen können. Mit wenigen Klicks können Praxen eine Patienten­befragung anlegen, den Befragungs­zeitraum wählen sowie den Fragebogen und ein Poster für das Wartezimmer ausdrucken. © hil/aerzteblatt.de

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Marc Tiedemann
am Freitag, 5. Januar 2018, 10:56

Zukunftsweisend aber bitte keine Insellösung

Schön zu sehen, dass sich das IQTIG für Patientenbefragungen als dritten Pfeiler der Qualitätssicherung ausgesprochen hat! Damit kommen nun endlich Patient Reported Outcomes auch in Deutschland fest in der Versorgung an! Nur warum sollen hier eigene Bögen entwickelt werden? Es gibt bereits für alle Fachbereiche validierte Scores auf die man aufbauen könnte. Auch gibt es bereits internationale Bestrebungen Standards zu schaffen und so eine weltweite Vergleichbarkeit zu ermöglichen. So hat die ICHOM bereits für rund 50% aller Erkrankungen Befragungs-Sets definiert. Ich hoffe, dass das IQTIG sich an diesen bereits etablierten Guidelines orientiert, damit die so entstehenden Daten nicht nur für nationale Qualitätssicherungsbestrebungen, sodern auch langfristig für internationale Vergleiche und Forschung genutzt werden können.

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