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Medizin

Antikoagulanzien: Internationale Unterschiede bei der Schlaganfall­prävention

Freitag, 22. Dezember 2017

Antikoagulation, Blutgerinnung /Kateryna_Kon, stock.adobe.com
/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Birmingham – Viele Patienten mit Vorhofflimmern erhalten eine Antithrombose­therapie (ATT) zur Hemmung der Blutgerinnung, um das Risiko für Schlaganfälle zu reduzieren. Wissenschaftler haben Patientendaten aus der ganzen Welt analysiert und starke regionale Unterschiede in der Therapie festgestellt. Patienten mit niedrigem Risiko würden zudem übertherapiert. Ihre Ergebnisse stellen Gregory Y. H. Lip von der University of Birmingham und seine internationalen Co-Autoren in Thrombosis and Haemostasis vor (2017; doi: 10.1160/TH17-08-0555). Die Experten fordern eine bessere Umsetzung der Leitlinien.

Bei Vorhofflimmern empfehlen Leitlinien eine ATT mit oralen Antikoagulanzien (OAK), um das Schlaganfallrisiko zu reduzieren. Dabei können Vitamin-K-Antagonisten (VKA) das Risiko für einen Schlaganfall um 64 Prozent und die Mortalität um 26 Prozent gegenüber einem Placebo senken. Immer häufiger werden auch direkte Inhibitoren von Gerinnungsfaktoren, Nicht-Vitamin-K-Antagonisten (NOAK), eingesetzt. Welche Art der oralen Antikoagulation zu bevorzugen ist, wird zurzeit kontrovers diskutiert. In der Versorgungsrealität bestünden vermutlich sowohl Über-, Unter- als auch Fehl­versor­gungen mit oralen Antikoagulanzien, erklärte erst kürzlich Holger Gothe vom IGES-Institut.

Schlaganfall­prävention bei Vorhofflimmern: Therapieauswahl im Versorgungsalltag

Berlin – Eine optimierte Versorgung von Patienten mit Vorhofflimmern mit oralen Antikoagulanzien zur Prävention eines Schlaganfalls haben Ärzte und Versorgungsforscher bei der Fachtagung „Vorhofflimmern – Versorgungssituation in Deutschland“ des IGES-Instituts angemahnt. Fast jeder fünfte Schlaganfall in Deutschland gehe auf die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zurück (...)

Schlusslicht Asien

Wissenschaftler um Lip haben jetzt 15.092 internationale Patientendaten der Phase-2-Studie „Gloria-AF“ analysiert. Das weltweite Patientenregister gibt Auskunft zur Sicher­heit, Wirksamkeit und zu den Anwendungsmustern in der antithrombotischen Therapie. „Wir fanden starke regionale Unterschiede“, erklären Lip und seine Kollegen. In Europa werden 90,1 Prozent der Patienten mit oralen Antikoagulanzien behandelt. Es folgen Afrika und der Mittlere Osten, Lateinamerika und Nordamerika. Das Schlusslicht bildet Asien mit nur 55,2 Prozent.

Der allgemeine Trend – der Ersatz von Vitamin-K-Antagonisten durch Nicht-Vitamin-K-Antagonisten – zeigt sich mit 66,5 Prozent in Nordamerika am deutlichsten und mit 50,2 Prozent in Asien am geringsten. Doch das Bild ist auch in Asien selbst sehr hetero­gen: Der Gebrauch von OAK allgemein liegt bei 21,0 Prozent in China und bei 89,7 Prozent in Japan, der von NOAK bei nur 5,8 Prozent in China und bei 83,3 Prozent in Japan.

Da im Moment noch fast die Hälfte der Niedrigrisikopatienten über­therapiert ist, während jeder sechste Hochrisikopatient untertherapiert ist, sollten die Leitlinien in Zukunft besser umgesetzt werden. Gregory Y. H. Lip et al.

Ärzte wägen bei der Behandlung der Patienten zwischen Nutzen und Risiko ab. Die Empfehlung für eine orale Antikoagulation ist abhängig von Geschlecht, Alter und weiteren Erkrankungen. Patienten, die abgesehen von dem Vorhofflimmern ein geringes Risiko für einen Schlaganfall aufweisen, benötigen keine antithrombotische Therapie.

Hochrisikopatienten unterversorgt

Jedoch mussten die Autoren feststellen, dass Ärzte auch Patienten mit geringem Risiko zu 76,5 Prozent orale Antikoagulanzien verordnen. 17,7 Prozent der Hochrisiko­patienten erhalten dagegen keine gerinnungshemmende Behandlung. In Europa handelt es sich um 8,8 Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern, in Asien sind es hingegen 42,4 Prozent. „Da im Moment noch fast die Hälfte der Niedrigrisikopatienten übertherapiert ist, während jeder sechste Hochrisikopatient untertherapiert ist, sollten die Leitlinien in Zukunft besser umgesetzt werden“, fordern die Experten um Lip. © gie/EB/aerzteblatt.de

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