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Medizin

Großbritannien: Impfung senkt Häufigkeit von Herpes zoster bei über 70-Jährigen

Freitag, 22. Dezember 2017

/t0pkul3 - stock.adobe.com

London – Die Aufnahme von Herpes zoster in den Impfkalender für über 70-Jährige hat in England innerhalb von drei Jahren zu einem Rückgang der Gürtelrose-Erkrankungen in der Zielgruppe um ein Drittel geführt. Auch die postherpetische Neuralgie ist laut einer Studie in Lancet Public Health (2017; doi: 10.1016/S2468-2667(17)30234-7) seltener geworden. Public Health England ist mit dem Ergebnis zufrieden, beklagt aber eine nachlassende Impfquote.

In England können sich Senioren ab dem Alter von 70 Jahren seit September 2013 kostenlos gegen Herpes Zoster impfen lassen. Für ältere Menschen wurde ein „Catch-Up“-Programm aufgelegt. Zum Einsatz kommt der 2006 in Europa zugelassene Impfstoff Zostavax, der die gleichen Antigene wie der Windpocken-Impfstoff enthält, allerdings in deutlich höherer Konzentration. Er hat sich in klinischen Studien als effektiv erwiesen. Bisher lagen jedoch keine Ergebnisse über die Auswirkungen auf Bevölkerungsebene vor.

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Um die Akzeptanz zu fördern, wird die Zosterimpfung in England und Wales allen Patienten zusammen mit der jährlichen Grippeimpfung angeboten. Die Aufnahme von der Bevölkerung war gut. Schon im November 2013 war ein Drittel der Zielgruppe geimpft. Bis Ende August 2016 stieg die Impfquote in der ersten Routine-Kohorte auf 72 Prozent. Bei späteren Kohorten ist es jedoch zu einem leichten Rückgang auf 58 Prozent gekommen – weshalb Gayatri Amirthalingam von Public Health England in London und Mitarbeiter  von ihrer Studie einen gewissen Werbeeffekt erhoffen.

Die Analyse eines Sentinels von 164 Hausarztpraxen, die etwa 1 Prozent der englischen Bevölkerung versorgen, zeigt jetzt, dass die Impfung die erhoffte Wirkung erzielt hat. Die Zahl der Erkrankungen am Herpes Zoster ging in den Routine-Kohorten um 35 Prozent zurück (relative Inzidenzrate IRR 0,65; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,60 bis 0,72). Für die postherpetische Neuralgie ermittelt Amirthalingam einen Rückgang um 50 Prozent (IRR 0,50; 0,38-0,67). Bei den „Catch-Up“-Impfungen gingen die Zoster-Erkrankungen um 33 Prozent (IRR 0,67; 0,61-0,74) und die postherpetische Neuralgie um 38 Prozent (IRR 0,62; 0,50-0,79) zurück.

In England und Wales erkranken jährlich schätzungsweise 50.000 Menschen im Alter von über 70 Jahren an einer Gürtelrose. Die Impfungen haben laut Amirthalingam 17.000 dieser Erkrankungen verhindert.

Public Health England hatte das Impfprogramm aufgrund von Kosten-Nutzen-Überlegungen auf die Gruppe der über 70-Jährigen beschränkt. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut hat sich Kostengründen bisher gegen eine Impfempfehlung ausgesprochen. Impfkosten von 60 Millionen Euro im Jahr stünden nur Einsparungen bei den Behandlungskosten von etwa 2,5 Millionen Euro gegenüber, heißt es im Epidemiologischen Bulletin (2017; 36: 391-411). Interessierte Patienten können sich beim Arzt impfen lassen, müssen den Impfstoff jedoch selbst bezahlen. Der Preis liegt derzeit bei etwa 150 Euro. © rme/aerzteblatt.de

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