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Medizin

Studie: Sodbrennen könnte Risiko auf Kopf-Hals-Tumore erhöhen

Mittwoch, 27. Dezember 2017

/chajamp, stock.adobe.com

New Orleans – Eine gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD), die über eine Barrett­läsion ein Adenokarzinom im unteren Ösophagus verursachen kann, war in einer Analyse des US-Krebsregisters SEER in JAMA Otolaryngology – Head & Neck Surgery (2017; doi: 10.1001/jamaoto.2017.2561) auch mit einer erhöhten Rate von Krebs­erkrankungen in Kehlkopf, Rachen, Mundraum und Nasennebenhöhlen verbunden.

Der Barrett-Ösophagus ist nicht die einzige entzündliche Läsion, die im Verdauungs­system Krebs auslösen kann. Das hepatozelluläre Karzinom nach einer langjährigen Virushepatitis und Darmkrebserkrankungen bei Patienten mit Morbus Crohn sind weitere Beispiele für die Verbindung von Entzündung und Krebsentstehung.

Da die Magensäure beim GERD nicht nur den unteren Ösophagus reizt, sondern auch Rachen und Mundhöhle und bei einer (nächtlichen) Aspiration auch leicht in den Kehlkopf gelangt, liegt es nahe, nach einer Verbindung mit Kopf-Hals-Tumoren zu suchen.

Ein Team um Edward McCoul von der Ochsner Clinic in New Orleans hat hierzu die Daten des US-Krebsregisters SEER (Surveillance, Epidemiology, and End Results) befragt, dem in den Jahren 2003 bis 2011 insgesamt 13.805 Krebserkrankungen im oberen Aerodigestivtrakt gemeldet wurden. Die Forscher ermittelten über Medicare, wie häufig bei diesen Patienten die Diagnose eines GERD gestellt wurde, und vergli­chen sie mit einer Kontrollgruppe von Patienten, die nicht an Krebs erkrankt waren.

Ergebnis: Alle untersuchten Kopf-Hals-Tumore traten bei Patienten mit GERD häufiger auf als bei Patienten ohne GERD. Die adjustierten Odds Ratios waren relativ hoch und bei allen Tumoren signifikant. Sie betrugen für das Larynxkarzinom 2,86 (95-Prozent-Konfidenzintervall2,65–3,09), für Karzinome im Hypopharynx 2,54 (1,97–3,29) für Karzinomen im Oropharynx 2,47 (1,90–3,23), für Karzinome der Tonsillen 2,14 (1,82–2,53) für Karzinome im Nasopharynx 2,04 (1,56–2,66) und für Malignome in den Nasennebenhöhlen 1,40 (1,15–1,70).

Statistisch ist der Zusammenhang eindeutig. Eine Kausalität kann die Studie dagegen nicht herstellen. Es fehlt zum einen eine typische Vorgängerläsion wie der Barrett-Ösophagus. Zum anderen konnten die Forscher die beiden wichtigsten konkurrierenden Risikofaktoren, nämlich Alkohol und Tabakrauchen, nicht ausschließen. Es ist deshalb möglich, dass ein erhöhter Alkohol- und Tabakkonsum von Patienten mit GERD die eigentliche Ursache für die Erkrankung ist. Für den Arzt zeigen die Ergebnisse so oder so, dass er bei Patienten im langjährigen Sodbrennen an die Möglichkeit von Kopf-Hals-Tumoren denken sollte. © rme/aerzteblatt.de

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